"Die wichtigsten Aussagen sind für mich, dass das Land die Ablachtalbahn seit 2015 mit 1,5 Millionen Euro fördert und dass die grün-schwarze Landesregierung die Bahn auch weiterhin fördern würde, unabhängig von der Trägerschaft." Sehr positiv beurteile sie auch, dass das Verkehrsministerium aktuell eine Gesamtstrategie zur Reaktivierung von stillgelegten Strecken im ganzen Land vorantreibt und entsprechende Untersuchungen veranlassen werde.

Die Ablachtalbahn am Bahnübergang der Tuttlinger Straße in Stockach. <em>Bild: Stephan Freißmann.</em>
Die Ablachtalbahn am Bahnübergang der Tuttlinger Straße in Stockach. Bild: Stephan Freißmann. | Bild: Freißmann, Stephan

 

Als Wahlkreisabgeordnete sei es ihr ein wichtiges Anliegen, auszuloten, welche Zukunftspotenziale in der Ablachtalbahn liegen. "Lassen wir sie weiter verfallen oder versuchen wir, sie zu reaktivieren?" Um Hintergrundinformationen zu erhalten und Unterstützungsmöglichkeiten durch die Landesregierung zu erfragen, habe sie sich im April an das Verkehrsministerium und an Minister Winfried Hermann gewandt.

Der einzige Personennahverkehr, der derzeit auf den Gleisen der Ablachtalbahn von Stockach nach Meßkirch zu beobachten ist: Ein junger Mann benutzt die Strecke, um in Stockach auf schnellstem Weg vom Bahnhof nach Hindelwangen zu kommen. <em>BILD: GEORG BECKER</em>
Der einzige Personennahverkehr, der derzeit auf den Gleisen der Ablachtalbahn von Stockach nach Meßkirch zu beobachten ist: Ein junger Mann benutzt die Strecke, um in Stockach auf schnellstem Weg vom Bahnhof nach Hindelwangen zu kommen. BILD: GEORG BECKER | Bild: Becker, Georg

Wie Bogner-Unden feststellt, ist die Ablachtalbahn im Besitz der Firma Tegometall. Schäden am Bahndamm in Richtung Stockach müssten repariert werden. Da die Ablachtalbahn an etlichen Kommunen, die sonst teilweise an den öffentlichen Personennahverkehr nur äußerst spärlich angebunden sind, im Landkreis Sigmaringen entlang führt, komme der Bahn ihrer Ansicht nach eine besondere Bedeutung im Hinblick auf eine Verbesserung des Verkehrsangebots im Landkreis Sigmaringen zu. "Pendlern von und nach Stockach und in den Bodenseeraum könnte die Reaktivierung dieser Strecke für den Personennahverkehr eine sinnvolle Alternative zum Auto bieten."

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Durch einen Anschluss an das Seehäsle ab Stockach könnte zudem der Landkreis Sigmaringen besser an den Landkreis Konstanz angebunden werden. "Dies ist nicht zuletzt auch für den Tourismus in unserer Region wichtig, denn so könnte zum Beispiel der Wochenendausflugsverkehr gestärkt werden. Touristenattraktionen wie Campus Galli, das Donautal, Sigmaringen, Bad Saulgau, unsere anderen mittelalterlich geprägten hübschen Orte, die oberschwäbische Barockstraße und die Heuneburg wären dann vom Bodensee aus direkt mit der Bahn zu erreichen", stellt die Abgeordnete fest. "Sicher würden auch Fahrradtouristen gerne diese Strecke nutzen."

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Und Bogner-Unden fährt fort: "Auch für den Güterverkehr sehe ich in der Ablachtalbahn ein zukunftsfähiges Projekt." Schwere Lasten, wie Steine, Holz, Bau – und Maschinenteile und anderes, könnten auf der Schiene transportiert werden und würden somit die Straßen und damit auch die Anwohner und den Personenverkehr entlasten. "Die Ablachtalbahn ist in meinen Augen ein zukunftsfähiges Projekt für den Landkreis Sigmaringen, da sie die Erreichbarkeitsschwächen insbesondere der Raumschaft Krauchenwies-Meßkirch bis nach Stockach beseitigen könnte."

Anschluss an den Bodenseeraum

Als Lückenschluss und Anschluss an den Bodenseeraum würde sie zusätzlich auch zur Stärkung des ländlichen Raums beitragen. "Daher lohnt es sich meiner Meinung nach, diese Bahnstrecke wieder in Stand zu setzen und sowohl für den Güterverkehr als auch für den Personenverkehr zu reaktivieren", fasst die Abgeordnete ihren Standpunkt nochmals zusammen.

Klärungsbedarf zum Fahrgastpotenzial

"Welche Bedeutung kommt der Ablachtalbahn zu?", stellt die Grünen Landtagsabgeordne Andrea Bogner-Unden an Verkehrsminister Winfried Hermann eine Frage in dem Brief, der der Redaktion Meßkirch vorliegt. Die Antwort darauf lautet:

"Aktuell findet auf der Ablachtalbahn in geringem Umfang Güterverkehr statt. Das vorhandene Potenzial der Strecke für weitere Verkehre ist noch zu konkretisieren."

Die nächste Frage lautet: "Welche Verkehre finden aktuell auf der Ablachtalbahn statt?"

Und die Antwort: "Auf der Ablachtalbahn Mengen-Stockach (-Radolfzell) wird gegenwärtig Güterverkehr durchgeführt. Die von der Hohenzollerischen Landesbahn in der Regel mehrmals in der Woche erbrachten Fahrten befahren die Strecke von Mengen bis Krauchenwies, wo das Hauptwerk der Firma Tegometall bedient wird. Gelegentlich wird über Krauchenwies hinaus bis Sauldorf gefahren, wo sich ein weiteres Tegometall-Werk befindet."

Und weiter heißt es aus dem Schreiben in Auszügen: "Wie ist der Zustand der Infrastruktur der Ablachtalbahn?"

"Der Zustand ist auf dem Abschnitt, auf dem derzeit Güterverkehr stattfindet, befriedigend. Gegenwärtig ist der Streckenabschnitt zwischen Stockach und Sauldorf aufgrund fehlender Stabilität des Bahndamms gesperrt."

"Welchen Beitrag leistet die Landesregierung zum Erhalt und zur Sicherung der Ablachtalbahn?"

Das Verkehrsministerium hat seit 2015 für den Erhalt der Strecke Fördermittel nach dem Landeseisenbahnfinanzierungsgesetz im Umfang
von mehr als 1,5 Millionen Euro gewährt. Die Förderquote betrug jeweils 75 Prozent der beantragten zuwendungsfähigen Kosten. Im Rahmen der haushaltswirtschaftlichen Darstellbarkeit wird die Ablachtalbahn auch künftig von LEFG-Mitteln profitieren können."

"Könnte eine ergänzende Zug-Bus-Konzeption die Erreichbarkeitsschwächen im Landkreis Sigmaringen, besonders in der Raumschaft Krauchenwies-Meßkirch bis nach Stockach und zuletzt auch Radolfzell reduzieren, vielleicht sogar beseiti­gen?"

"Ob eine ergänzende Zug-Bus-Kombination Erreichbarkeitsschwächen reduzieren beziehungsweise beseitigen könnte, müssen Un­tersuchungen zeigen."

"Wie bewerten Sie die möglichen Verbesserungen aus den obigen Punkten für die Stadt Meßkirch und den Tourismusmagnet Campus Galli?"

"Sowohl Meßkirch als auch der Campus Galli würden zweifelsohne von einem Verkehrsangebot auf der Ablachtalbahn profitieren. Zu klären ist, ob das gesamte erreichbare Fahrgastpotenzial einen Schienenverkehr rechtfertigt." (mos)