Meßkirch – Die meisten Teilnehmer wirken noch ein bisschen verschlafen, als sie in Langenhart eintreffen. Auf dem Brigelhof im Meßkircher Ortsteil startet an diesem Morgen eine kleines Abenteuer, das sich rund 40 Teilnehmer gönnen: eine Kutschfahrt ins Morgenrot. Zwei große Kutschwagen stehen pünktlich um 6 Uhr bereit, vier Rösser kommen dazu. Uwe Link bietet in Zusammenarbeit mit den Brigels vom Landhotel im Meßkircher Ortsteil Langenhart diese Kutschfahrten Richtung Donautal an.

Uwe Link ist schon dabei, zusammen mit Yvonne Strässle, ihrer Tochter Christine und Melanie Müller als Helferinnen die Pferde anzuspannen. Den Wagen, den Yvonne Strässle lenkt, ziehen die beiden eigenen Norweger, während der schwarze Araber-Friese Elko und die kräftige hellbraune Süddeutsche Resi die vom Chef gelenkte Kutsche ziehen. Die Gäste haben sich inzwischen auf die Kutschen verteilt, die Verbindung per Funksprechgerät steht, es kann losgehen.

Die Gäste haben Platz genommen – los geht´s!

Der Kutschwagen von Uwe Link fährt voraus, dahinter lenkt Yvonne Strässle den zweiten Wagen.
Der Kutschwagen von Uwe Link fährt voraus, dahinter lenkt Yvonne Strässle den zweiten Wagen. | Bild: Uwe Steinbächer

"Beide hören, beide stehen, Kopf gerade, Ohren zu mir", kommandiert Uwe Link seine beiden Pferde und lässt sie zur Demonstration drei Schritte rückwärts schreiten. Das macht Eindruck auf die Teilnehmer, die das Schauspiel von hinten betrachten. Link ist ein wahrer Pferdeflüsterer, der mit seinen Tieren eine Einheit bildet. Yvonne Strässle fährt mit ihrer Kutsche voran. Man überquert die ersten Straßen und Wege, was stets eine Herausforderung ist. Es gehören Konzentration und eine gewisse Erfahrung dazu, die Überquerung so zu timen, dass man Gegenverkehr beachtet, Pferde steuert und den Wagen in die richtige Richtung lenkt.

Link: "In zehn Jahren macht das keiner mehr" – zu viel Aufwand

Link bildet auch andere interessierte Kutschenfahrer in verschiedenen Disziplinen aus. "Aber in zehn Jahren macht das hier keiner mehr", ist er sich sicher. Die vielen Auflagen, die Anfeindungen von Tierschützern sowie die Kosten für die Tiere, die Versicherungen, die Berufsgenossenschaft und TÜV-Abnahme summieren sich. Der Pferdefuhrbetrieb hat viele Pferde, viele Kutschen, viel Personal.

Elko (links) und Resi ziehen den Kutschwagen, den Uwe Link lenkt. Am Horizont kommt die Sonne hervor.
Elko (links) und Resi ziehen den Kutschwagen, den Uwe Link lenkt. Am Horizont kommt die Sonne hervor. | Bild: Uwe Steinbächer

Rein geht's in den Wald rund um Langenhart und Rohrdorf, der ebenfalls noch ein bisschen verschlafen wirkt. Ein Milan fliegt über die Kutschwagen hinweg, die Kinder bestaunen die Hasen am Wegesrand, auf die sie Uwe Link aufmerksam macht. Die anderen Mitfahrer unterhalten sich und lassen sich den Kaffee schmecken, der in großen Thermoskannen bereit steht. Nicht ohne den Tipp von Uwe Link zu beherzigen: "die Tassen nur halb voll machen." Eigentlich schaukelt es aber wenig, die Fahrt im Kutschwagen ist gemütlich, die Pferde ziehen stoisch voran, sie gehen hauptsächlich Schritt. Nur wenn sie mal kräftiger ziehen müssen, geht es in den Trab. "Nicht Galopp, schone dich", ermahnt Link seinen Schwarzen, der in der morgendlichen frischen Luft dampft und mit dem das Temperament durchgehen will. "Die geben für mich das Letzte", erzählt der Mann vorn auf dem Kutschbock. Er hält zwar eine Peitsche in der Hand, setzt sie aber nur für ein leichtes Streicheln über den Rücken der Pferde ein.

Am Ende der Tour ist der Frühstückstisch gedeckt

Andrea und Joe Schröder waren in Urlaub, nämlich am Lutzer See bei Ablach, und leben in Stetten a.k.M.: "Es war sehr schön, eine tolle Abwechslung und ein besonderer Start in den Tag. Der frühe Vogel fängt den Wurm."
Andrea und Joe Schröder waren in Urlaub, nämlich am Lutzer See bei Ablach, und leben in Stetten a.k.M.: "Es war sehr schön, eine tolle Abwechslung und ein besonderer Start in den Tag. Der frühe Vogel fängt den Wurm." | Bild: Uwe Steinbächer

"Lieber fahren wir einen Umweg, als dass ich die Pferde einen zu steilen Aufstieg hochscheuche", sagt Uwe Link. Spaßeshalber lässt er die Mitfahrer ganz hinten auf dem Kutschwagen den "Turboknopf" suchen – den es selbstverständlich nicht gibt. Nach zweieinhalb Stunden endet die Tour schließlich wieder am Ausgangspunkt Brigelhof, wo für alle ein reichhaltiges Frühstücksbuffet bereitsteht, nur für Link und sein Team nicht. Auf die warten schon wieder andere Aufgaben: Erst wollen die Tiere versorgt sein.

Sabine Kiesewetter und Franz Springer aus Vilsingen haben die Kutschfahrt bei einem Preisausschreiben gewonnen. "Es war echt nett und die Landschaft toll. Mit dem Sonnenaufgang haben wir ja Glück gehabt. Gut, dass es nicht geregnet hat."
Sabine Kiesewetter und Franz Springer aus Vilsingen haben die Kutschfahrt bei einem Preisausschreiben gewonnen. "Es war echt nett und die Landschaft toll. Mit dem Sonnenaufgang haben wir ja Glück gehabt. Gut, dass es nicht geregnet hat." | Bild: Uwe Steinbächer

Die Laizerin Susanne Matzuw hatte mit einer Freundin schon früher einmal eine solche Fahrt mitgemacht: "Damals hat es uns sehr gut gefallen, darum sind wir nochmal mit." Anders als Uwe Link bei ihrer ersten Teilnahme habe Fahrerin Yvonne Strässle während der Fahrt nicht viel erklärt. "Ich habe mich aber dann entschlossen, die morgendliche Ruhe zu nutzen und habe die Fahrt durch die Wälder und auf den Feldwegen der Umgebung genossen."