Ein langes Festwochenende bescherte der Fanfarenzug den Meßkirchern. Mit zahlreichen Gästen und zwei Umzügen feierten die Musiker das 65-jährige Bestehen, auch die Altstadt wurde so mit Pauken und Trompeten belebt. Der Innenhof des Meßkircher Schlosses bot die ideale Kulisse für die Musikanten mit ihren Landsknecht-Uniformen, Tambourstäben, Standarten und Instrumenten.

Die Meßkircher Stadtkapelle spielt zum Frühschoppen auf.
Die Meßkircher Stadtkapelle spielt zum Frühschoppen auf. | Bild: Stefan Blanz

Bereits am Samstag trafen die ersten Spielmanns- und Fanfarenzüge in Meßkirch ein. Am frühen Abend wurde das Festwochenende mit einem Sternmarsch vom Saumarkt zum Schloss eröffnet. Anschließend spielte die Festgemeinde in den Zelten auf. Nach einer kurzen Nacht folgte der Frühschoppen, der von der Meßkircher Stadtkapelle gestaltet wurde.

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„Wir spielen sehr gerne hier, schließlich sind wir die Geschwister des Fanfarenzugs“, bekannte Holger Schank, Zunftmeister der Katzenzunft, der am Sonntag als Musikant der Stadtkapelle und als Zunftmeister in doppelter Funktion gratulierte. Dirigent Zsombor Rety erhielt als Gastgeschenk – wie alle Gastzüge – eine Trompete aus den Händen von Marco Martschini, der an diesem Wochenende als Moderator und Umzugsmeister für einen gut organisierten Ablauf der Festivitäten sorgte.

Der Fanfarenzug Langenhart hält die Meßkircher Fahnen hoch.
Der Fanfarenzug Langenhart hält die Meßkircher Fahnen hoch. | Bild: Stefan Blanz

Bester Laune begrüßten Zugführer Claus Löhle und Tambour Klaus Schönholzer im Zunfthaus die Verantwortlichen der Meßkircher Feuerwehr, die Regionalvertreter der Feuerwehr und die Stabführer der Gastzüge. Die stellvertretende Bürgermeisterin Insa Bix betonte: „Ihr seid nicht wegzudenken aus Meßkirch und wir alle hoffen, dass ihr uns noch lange erhalten bleibt.“

Bezirksstabführer Manfred Maier überreicht Erwin Wohlhüter die Urkunde für 40 Jahre Treue.
Bezirksstabführer Manfred Maier überreicht Erwin Wohlhüter die Urkunde für 40 Jahre Treue. | Bild: Stefan Blanz

Warum das so ist, brachte Zunftmeister Holger Schank auf den Punkt: „Wenn ihr am Schmotzige um achte morgens s‘erschde Mol blaset, da lauft‘s uns Narre kalt de Buckel na.“ Bezirksstabführer Manfred Maier erinnerte an die zwei Säulen für lebendige Fanfarenzüge: „Musik tut uns gut. Und Musik braucht Musikanten. Dazu gehören Gestaltungskraft und Kameradschaft.“ Manfred Maier zeichnete Erwin Wohlhüter für 40-jährige Treue mit der Ehrennadel in Gold aus.

Peter Greif stellt Chronik vor

Der Geburtstag war auch Anlass dafür, die Geschichte des Fanfarenzugs aufzuarbeiten. Chronist Peter Greif fasste seine Ergebnisse zusammen: „Am 5.4.1862 besann sich die Feuerwehr auf die Gründung einer Kapelle, aus der später die Stadtkapelle hervorging.“ Dennoch verblieben Musiker in der Feuerwehr, schließlich brauchte man seinerzeit noch Signalhornisten. Aus diesem Kern entstand der Fanfarenzug, der bis heute eine Abteilung der Feuerwehr ist. Peter Greif übergab nicht nur die Gesamtergebnisse, sondern auch eine Zusammenfassung für die nicht ganz so Lesefreudigen.

Alle Wege führten am Jubiläumswochenende ins Meßkircher Schloss, hier mit dem Fanfarenzug Nusplingen.
Alle Wege führten am Jubiläumswochenende ins Meßkircher Schloss, hier mit dem Fanfarenzug Nusplingen. | Bild: Stefan Blanz

Nach dem Mittagstisch im Schlosshof stellten sich die 33 Gastzüge am Herz-Jesu-Heim für den Festumzug auf. Eine gute Stunde zogen die rund 650 Musiker durch die Meßkircher Altstadt, ehe es wieder in den Schlosshof ging.

Der Fanfarenzug Kolping-Zwiefalten beim Sternmarsch am Samstag.
Der Fanfarenzug Kolping-Zwiefalten beim Sternmarsch am Samstag. | Bild: Günther Brender

Der zwischenzeitlich aufkommende Sonnenschein war trügerisch, denn als die mit Spannung erwarteten Musiker des Fanfarenzugs Graf Zeppelin aus Friedrichshafen zur Bühne marschierten, begann es in Strömen zu regnen. Hier bewährten sich die Württemberger im badischen Meßkirch nicht nur musikalisch, sondern auch als wetterfest. Die Zuhörer dankten es mit Jubel, Lob und Applaus.

Welchen Weg geht der Fanfarenzug?

Claus Löhle, Zugführer des Fanfarenzugs, kann das Motto leicht benennen. „Tradition weiterführen, Jugendarbeit stärken“, sagt er zu den Zukunftsaussichten für den Meßkircher Fanfarenzug. Um diese Ziele in den kommenden Jahren zu erreichen gibt es insbesondere für junge Menschen ein entsprechendes Förderpaket: Wer mitmachen will, soll sich einfach melden. Einzige Voraussetzung ist das Mindestalter von elf Jahren. Beiträge werden erst ab dem 18. Lebensjahr erhoben, die Uniformen werden gestellt und die Jugendlichen erhalten eine musikalische Ausbildung.

Hierbei kommt auch immer wieder die Diskussion um die Aufnahme von Mädchen und Frauen auf. Der Fanfarenzug ist aus der Feuerwehr entstanden, wo traditionell nur Männer aktiv waren. Heute ist das in den Wehrzügen bereits anders, in der Kultur der Fanfarenzüge ist diese Konstellation dennoch erhalten geblieben. Statistisch gesehen liegt der Anteil an Fanfarenzügen mit ausschließlich männlichen Mitgliedern bei rund 20 Prozent. Ob sich das in Meßkirch ändern wird? Zugführer Claus Löhle sieht die Sache eher undogmatisch und gelassen: „Vermutlich wird es irgendwann eine Öffnung geben, die entscheidende Frage wird aber eher sein, ob sich Frauen bei uns wohlfühlen.“