Die Stadt Meßkirch hat großes Interesse daran, dass eine Trägergesellschaft unter kommunaler Beteiligung künftig die Strecke der Ablachtal-Bahn betreibt. Bürgermeister Arne Zwick bestätigte gegenüber dieser Zeitung entsprechende Informationen, die am Montag vor einer Woche beim Singener Bahngipfele zum Thema Regionalverkehr gemacht wurden. Es hieß dort, der private Eigentümer wolle sie verkaufen. Nun überlege eine Gemeinde, die Bahn zu übernehmen. Zwick sagte in einem SÜDKURIER-Gespräch, dass er zurzeit Gespräche über eine neue Rechtsform für diese Bahnstrecke führe. Es sei eine rein kommunale oder aber eine Mischform, auch mit privater Beteiligung, denkbar. Erste Gespräche mit Repräsentanten der Anlieger-Kommunen habe er bereits geführt – konkreter wollte er darauf zurzeit nicht eingehen. Nur so viel wollte er sagen: es bestehe ein Interesse an solchen Überlegungen. Und er kann sich auch gut eine Beteiligung der Landkreise Sigmaringen und Konstanz vorstellen. Als es jüngst im Sigmaringer Kreistag um die geplante Elektrifizierung für die Bahnstrecke von Sigmaringen nach Albstadt ging, habe er auch für eine Beteiligung des Kreises für andere Bahnprojekte geworben. Auf unsere entsprechende Anfrage an die Kreisverwaltung, teilte uns Pressesprecher Tobias Kolbeck mit: "Der Kreistag hat sich bisher noch nicht mit dieser Frage befasst. Aktuell stellt sich für uns die Frage einer kommunalen Trägerschaft auch nicht, da die Strecke im Eigentum der Firma Tegometall ist."

Mit dem Eigentümer des in Krauchenwies ansässigen Unternehmens Tegometall ist Zwick im Gespräch. Denn es gibt Pläne, sich von der Ablachtal-Bahn zu trennen. Meßkirchs Bürgermeister will dies nutzen und sich auch den Trend, dass zunehmend mehr Bahnstrecken im Land wieder aufgewertet werden, zunutze machen. Geht es nach ihm, wird künftig auf der Strecke der Ablachtal-Bahn zwischen Krauchenwies und Stockach wieder mehr los sein. Zurzeit verkehren auf der Strecke, die dem Eigentümer des Unternehmens Tegometall gehört, nur noch in seltenen Fällen Züge. In einem ersten Schritt könnten auf der Strecke der Ablachtal-Bahn an den Wochenenden Züge für touristische Fahrten eingesetzt werden. So ein Konzept gibt es beispielsweise bereits für die Bahnstrecke zwischen Pfullendorf und Aulendorf – hier verkehrt an den Sonntagen sowie an den Feiertagen von Mai bis Oktober die sogenannte Räuberbahn. Mit relativ überschaubaren Kosten könnte so die Bahnstrecke in einem ersten Schritt wieder aus dem Dornröschenschlaf geholt werden. "So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen", sagte Zwick mit Blick auf die aktuelle Verkehrslage auf der Strecke. Weit in die Zukunft gedacht, könnte die Strecke auch für Schüler- und Pendlerverkehre eingesetzt werden. Doch dies sei Zukunftsmusik, denn dafür seien umfassende Vorplanungen nötig. Er hofft, dass es im Herbst dieses Jahres erste konkrete Pläne und Vereinbarungen für die Zukunft der Ablachtal-Bahn geben wird.

Positive Signale des Landesverkehrsministers

Zwei Vorstöße gab es in jüngster Vergangenheit zum Thema Zukunft der Ablachtalbahn. Zum einen sprach Meßkirchs Bürgermeister das Thema in der jüngsten Sitzung des Kreistags an. Zum anderen hatte sich die grüne Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden für die Bahnstrecke stark gemacht:

 

Während die Kreisverwaltung beim Thema Elektrifizierung der Zollernalb­bahn, Teilstück Albstadt-Sigmaringen, im Rahmen der jüngsten Sitzung des Kreistags vom Gremium beauftragt wurde, in eine Vorplanung samt Kostenschätzung zu treten, machte Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick (CDU) in seiner Rolle als Kreisrat einen weiteren Vorstoß. „Wir dürfen auch den Süden im Landkreis nicht aus den Augen verlieren“, sagte er und zielte auf die Ablachtalbahn ab. Ein Gutachter hätte sich damit nur halbherzig auseinandergesetzt. Johannes Kretschmann (Grüne) pflichtete ihm bei: „Ich sehe eine Riesenchance, die Strecke der Ablachtalbahn für 1,5 Millionen Euro wieder zu ertüchtigen.“ Landrätin Stefanie Bürkle nahm den Vorschlag zur Kenntnis, wies aber auf die Tagesordnung hin: „Das müssen wir jetzt nicht beraten.“

Die grün-schwarze Landesregierung würde die Ablachtalbahn auch weiterhin fördern, unabhängig von der Trägerschaft, sofern das entsprechende Fahrgast-Potenzial vorhanden sei. Dies ist eine der Kernaussagen in einem Antwortschreiben von Verkehrsminister Winfried Hermann an Andrea Bogner-Unden, Landtagsabgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen. Laut Bogner-Unden, Abgeordnete des Wahlkreises Sigmaringen, kommt der Bahn eine besondere Bedeutung im Hinblick auf eine Verbesserung des Verkehrsangebots im Landkreis zu. „Die wichtigsten Aussagen sind für mich, dass das Land die Ablachtalbahn seit 2015 mit 1,5 Millionen Euro fördert und dass die grün-schwarze Landesregierung die Bahn auch weiterhin fördern würde, unabhängig von der Trägerschaft,“ so die grüne Landtagsabgeordnete. Sehr positiv beurteile sie auch, dass das Ministerium aktuell eine Gesamtstrategie zur Reaktivierung von stillgelegten Strecken im ganzen Land vorantreibe und entsprechende Untersuchungen veranlassen werde. Im April hatte sich Bogner-Unden an das Stuttgarter Verkehrsministerium gewandt. Mitte Juli informierte sie über das Antwortschreiben von Minister Hermann (Grüne). Sie wies dabei auch daraufhin, dass Schäden am Bahndamm in Richtung Stockach repariert werden müssten. „Pendlern von und nach Stockach und in den Bodenseeraum könnte die Reaktivierung dieser Strecke für den Personennahverkehr eine sinnvolle Alternative zum Auto bieten“, ist sie überzeugt. (dim/mos/jüw)