Aus der von Staatsanwältin Köstler verlesenen Anklage ging hervor, dass der bisher völlig unbescholtene Angeklagte in der Zeit von Dezember 2017 bis Juni 2018 immer wieder Marihuana für den Eigenbedarf erworben und zum Teil auch an Freunde verkauft hatte. Drüber hinaus beschuldigte ihn die Staatsanwaltschaft in einem weiteren Fall 100 Gramm Amphetamin (Speed) über das Darknet gekauft und weiter verkauft zu haben. In der Verhandlung zeigte sich der junge Mann vollauf geständig. Das Amphetamin habe er jedoch nur für Freunde bestellt und dann bei der Weitergabe gerade mal den Kaufpreis erhalten. In der Zwischenzeit habe er nicht nur den Kontakt zu seinem damaligen Freundeskreis völlig abgebrochen sondern sei selber seit einem Jahr total clean. Da alle entsprechenden Tests negativ gewesen seien habe e auch seinen Führerschein behalten dürfen.

Die Jugendhilfe im Strafverfahren kam in ihrem Bericht zu dem Ergebnis, dass beim Angeklagten noch eine Reifeverzögerung vorliege und empfahl die Anwendung von Jugendstrafrecht. Nach dem Geständnis des Angeklagten verzichtete das Gericht auf die Anhörung aller Zeugen und schloss bereits nach einer halben Stunde die Beweisaufnahme. Staatsanwältin Köstler verwies in ihrem Plädoyer darauf, dass sich die Anklage im vollen Umfang bestätigt habe. Sie könne sich jedoch beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Angeklagte die Amphetamine selber nicht auch konsumiert habe. Da der Angeklagte zum Zeitpunkt der letzten Straftat zwanzig Jahre und elf Monate alt gewesen sei, sprach sie mit Blick auf die noch mögliche Anwendung von Jugendstrafrecht von einer regelrechten Punktlandung.

Der Verteidiger des Angeklagten verwies darauf, dass sein Mandant nicht nur clean sei, sondern auch mit dem alten Freundeskreis gebrochen habe. In seinem letzten Wort bedauerte der Angeklagte seine Verfehlungen ausdrücklich. Das Gericht erteilte dem Angeklagten die Auflage zur Ableistung einer gemeinnützigen Arbeit nach Weisung. In ihrer Urteilsbegründung verwies Richterin Selig darauf, dass auch sie davon ausgehe, dass der Angeklagte nicht nur für Freunde bestellt habe, sondern auch Gewinn machen wollte. Neben den vielen Einzeltaten wiege auch der Kauf der Amphetamine besonders schwer und dabei sei auch eine gewissen kriminelle Energie im Spiel gewesen. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

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