Mit Vorträgen über karolingische Expansion oder mittelalterliche Klosterkultur kann man wohl die wenigsten Kinder begeistern. Dennoch gibt es für junge Besucher an der Meßkircher Mittelalterbaustelle Campus Galli einiges zu erleben. Doch was fasziniert die Kinder besonders, was eher weniger? Wir haben eine Gruppe bei einem Stationen-Rundweg über das Gelände begleitet.

Für Kinder gibt es auf der Meßkircher Mittelalterbaustelle Campus Galli einiges zu entdecken. Im kommenden Jahr soll es speziell für die kleinen Beuscher ein dauerhaftes Angebot geben, bei dem sie selbstständig den Campus Galli erkunden können.
Für Kinder gibt es auf der Meßkircher Mittelalterbaustelle Campus Galli einiges zu entdecken. Im kommenden Jahr soll es speziell für die kleinen Beuscher ein dauerhaftes Angebot geben, bei dem sie selbstständig den Campus Galli erkunden können. | Bild: Stefan Blanz

Silvia Dreher aus Bärenthal ist mit vier Kindern zwischen drei und elf Jahren zum Campus Galli gekommen, wo für spontane Gäste ein Abenteuerspaziergang mit Überraschungen wartet.

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Kinder kreieren eigene Erlebniswelt

Auf dem Weg durch den Wald gibt es eine Menge zu entdecken. Das lockt gerade in der Ferienzeit viele Familien an. An den Dialekten erkennt man, woher sie kommen: Bairisch hört man da heraus, geschwäbelt wird freilich auch und Schweizer kommen ebenfalls viele hierher.

Alexander Hamann, beim Trägerverein zuständig für das Marketing, sagt zum Konzept für den Nachwuchs: „Gerade bei den pädagogischen Tagesprogrammen und Erlebnisführungen wird gezeigt, was es im Mittelalter für ein Kraftakt war, solche Vorhaben zu verwirklichen. Es soll zeigen, wie anstrengend, aber dennoch spannend es ist, ein ganzes Kloster zu erbauen, ohne die Hilfsmittel der heutigen Zeit.“

Alexander Hamann, Marketingleiter
Alexander Hamann, Marketingleiter | Bild: SK

Bei den Kindern dringt das nicht immer gleich durch. Einige bleiben lieber in ihrer eigenen Erlebniswelt. Ein Junge sagt lapidar: „Ich finde es blöd, dass es hier keine Maschinen gibt.“

Simon, sieben Jahre: „Mir hat es hier gefallen. Am besten fand ich die Schweine.“
Simon, sieben Jahre: „Mir hat es hier gefallen. Am besten fand ich die Schweine.“ | Bild: Stefan Blanz

Kinder stellen viele Fragen

Die meisten Kinder zeigen sich jedoch offen für die Zeitreise ins Mittelalter und können sich für den Campus Galli begeistern. Ihre Fragen sind dabei oft dieselben wie die der Erwachsenen: „Hatten die damals auch schon solche Schuhe?“, fragt beispielsweise Franklyn, als er auf den Arbeitsschuhen eines Steinmetzes am Friedhof das gleiche Logo wie auf seiner Hose entdeckt.

Franklyn, acht Jahre: „Die Schmiede gefällt mir gut.“
Franklyn, acht Jahre: „Die Schmiede gefällt mir gut.“ | Bild: Stefan Blanz

Spagat zwischen heutigen und damaligen Bauvorschriften

Den Kindern wird der Spagat zwischen mittelalterlicher Bauweise und den rechtlichen Bedingungen der heutigen Zeit bewusst. Der Atmosphäre auf dem Campus Galli zwischen den Holz- und Lehmbauten, den krummen Zäunen entlang der verwucherten Brachen, den immer wieder auftauchenden Stationen mit den in Habiten gewandeten Handwerkern tut das jedoch keinen Abbruch.

Kinder zeigen viel Fantasie

Viele Kinder bleiben interessiert stehen, stellen von sich aus Fragen: „Gibt es hier keine Ritter mit Rüstung?“, fragt ein Junge und bringt so seinen Vater in Nöte. Wie war das nochmal? Gab es im Frühmittelalter auch schon gepanzerte Ritter? Doch dem Jungen scheint die Antwort gar nicht so wichtig zu sein. Er lässt seiner Fantasie freien Lauf, nimmt einen der Deckel mit Griff von den hölzernen Mülltonnen und funktioniert ihn zum Schild um.

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Weideschweine und „Spinnen-Blumen“ begeistern besonders

Eine besondere Anziehungskraft üben die Tiere des Campus Galli auf die jungen Besucher aus. Wenn zum Beispiel am Abbundplatz Ziegen auftauchen, die in der Grünpflege eingesetzt werden, steigt die Aufmerksamkeit bei den kleinen Besuchern sofort. Höhepunkt sind für sie die Düppeler Weideschweine. Obwohl deren Absonderungen wenig einladend wirken, begeistern sich die Kinder für die grunzenden Tiere zwischen Schlamm, Stroh und Holzstall. Ähnlich großes Interesse zeigen die Kinder nur bei der Lehmkuhle an der Töpferei.

Die Ackerringelblume macht aus Kindern Spinnendompteure.
Die Ackerringelblume macht aus Kindern Spinnendompteure. | Bild: Stefan Blanz

Urig wird es dann nochmal auf dem Ackerland: Hier leben sogar Tiere, die gar keine sind. Sie sind grün oder schwarz und sehen aus wie Hausspinnen mit Korpus und haarigen Beinen. Aber sie sind harmlos, denn es handelt sich um Ackerringelblumen, die dieses ungewöhnliche Aussehen entwickelt haben.

Diese Angebote gibt es für Familien

Alexander Hamann ist beim Klosterbauverein zuständig für das Marketing. Er erklärt, welche Angebote es heute schon gibt und was künftig geplant ist.

Welche speziellen Angebote gibt es auf dem Campus Galli für Kinder?

Die gibt es zumeist in den Sommerferien. Zum einen werden im Kinderferienprogramm der Stadt Meßkirch Erlebnisführungen für verschiedene Altersgruppen angeboten. Diese richten sich vor allem an die Kinder der Stadt Meßkirch. Weiterhin gibt es öffentliche Erlebnisführungen für alle. Dieses Jahr gab es für Kinder eine Rallye auf dem Gelände. Im kommenden Jahr wird es speziell für Kinder ein dauerhaftes Angebot geben, bei dem die Kinder selbstständig den Campus Galli erkunden können.

Über das Jahr gesehen: Wie hoch ist der Anteil der Kinder an den Besucherzahlen?

Das ist schwer zu sagen, da viele Gäste mit Familieneintritten kommen, was ein wenig die Statistik verzerrt. Wenn man das vergangene Jahr nimmt, sind es rund 23 Prozent der Gesamtbesucher.

Gilt die Familienkarte auch für Großeltern mit Enkeln?

Bei uns sind auch gerne Großeltern eingeladen, die mit ihren Enkeln kommen. Hier lassen wir ebenfalls den Familientarif gelten.

Nimmt der Campus Galli in Zukunft an der Gästekarte für die Schwäbische Alb teil?

Ja, es haben schon Gespräche stattgefunden. Allerdings wird es noch ein paar Monate dauern, bis die Karte herauskommt. Vor allem in den Unterkünften wird es für die Gäste attraktiv sein. Inwieweit die öffentlichen Verkehrsmittel dabei sein werden, lässt sich heute noch nicht sagen.

Fragen: Stefan Blanz