Große und kleine Palmträger ziehen Jahr für Jahr in der Region mit geschmückten Palmen durch die Gemeinden. Doch wie liefen die Palmsonntagsprozessionen eigentlich in der Vergangenheit ab? SÜDKURIER-Mitarbeiter Falko Hahn hat in den Chroniken geblättert und dabei auch die ein oder andere Panne entdeckt.

Ein schreibender Edelmann und Schlossherr

Froben Christoph von Zimmern ist der Schöpfer der Zimmerischen Chronik. Er selbst nannte es "Weltbuch". Mit ihm wurde er zum Chronisten der Familie. Für sich und seine große Familie baute er über der alten Meßkircher Burg ein neues Schloss. Der schreibende Edelmann und Schlossherr lebte mit den aus Meßkirchs Unterstadt kommenden Lautmalereien, saugte auf, was ihm zugetragen wurde, um es sogleich in die Feder seines Schreibers Johannes Müller zu diktieren.

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Eine der ergötzlichsten Geschichten beschreibt mehrere völlig aus dem Ruder gelaufene Palmenprozessionen in Meßkirch und in den nahen Landorten. Am Samstag vor Ostern, schreibt er, finde in Meßkirch, wie es der Brauch ist, nach der Vesper in St. Martin die jährliche Prozession mit dem Palmesel statt.

Der alte Bläse und sein Mitgeselle Heinrich Leutfried

Dabei ziehen die sechs vornehmsten Ratsmitglieder einen geschnitzten Palmesel durch die Stadt, und das geschah auch im Jahr 1504. Die von Priestern und Schülern durch die Stadt begleitete Prozession führte von St. Martin zur Frauenkapelle jenseits der Ablach. Am vordersten von drei Jochen zogen und zerrten der alte Bläse und sein Mitgeselle Heinrich Leutfried das auf Rädern gestellte hölzerne Tiergestell mit dem darauf in die Stadt Jerusalem einreitenden Jesus.

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Als nun vor dem unteren Tor die Prozession ins Stocken kommt, warf der Bläse dem Leutfried vor: "Heinrich, du zeuchst nit." Im religiösen Gang wagte es der darüber übel verdrossene Heinrich nicht, dem erhitzten Bläse die passende Antwort zu geben und litt lieber still vor sich hin. Worauf der Bläse nun sein Fluchen übertrieb und ihn einen faulen Genossen nannte.

Dem Heinrich platzte darauf der Kragen

Er tue nur so, als ob er mitziehe. Dem Heinrich platzte darauf der Kragen und er antwortete dem Bläse: "Ich zeuch den Teufel, was treibst du doch?" Bei den Ratsfreunden entstand ein großes Gelächter. Die dahinter gehenden Schüler hörten es als erstes, von denen die Pfarrer, und von da an lief es wie ein Lauffeuer zum Prozessionsschwanz.

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Das gottesfürchtige Beten und Singen wechselte zu einem die Stadt erfüllenden großen Gelächter. Das unangemessene Verhalten der vorangehenden Räte hatte die religiöse Feier zur lächerlichen Komik gemacht. Anstelle von Christus ritt der Teufel auf dem Esel durch das Meßkircher Jerusalem. Das vernahmen dann auch die der Prozession folgenden Edelleute um die Territorialherren Gottfried Werner und Johann Werner von Zimmern. Beide liefen geschwind nach vorne zu den Räten, um denen den Kopf zu waschen mit dem Vorwurf, wie könnt ihr das Bild unseres Herrgotts einen Teufel nennen? Der Bläse ließ sich nichts anmerken, aber der Leutfried nahm es sich zu Herzen.

Palmsonntag in Kreenheinstetten und Heudorf

Der Palmsonntag wurde natürlich auch in Kreenheinstetten und in Heudorf begangen. Einmal habe der Pfarrer von Kreenheinstetten, Melcher Leichtenhändle, ein Osterspiel mit dem Einzug Jesu in Jerusalem halten wollen. Er habe den Mesner mit einem langen Rock auf den Mülleresel durch das Dorf reiten lassen. Ihm seien zwölf Bauern nachgefolgt, wie die zwölf Jünger. Er aber und die übrigen Bauern, junge und alte, seien bei der Kirche stehen geblieben, um die Spieler mit Gesang zu empfangen.

Mesner fällt vom Esel

Da hob einer unter dem Haufen, ein Feind des Mesners, einen Palmenast und warf ihn auf ein Auge des Mesners. Der fiel vom Esel, lief davon und rief ihnen zu: Der Teufel solle ihr Herrgott sein. 50 Jahre später, weihte der Kaplan von Meßkirch, Hans Schwarzach, die Palmen von Heudorf. Urplötzlich kam ein großer Rüde dahergelaufen, schnappte sich den kleinen Esel und den darauf sitzenden Heiligen. Die Bauern haben ihm dann den Heiligen wieder abgejagt. Ich glaube, schreibt Froben, das habe ein Geist angerichtet, um die Bauern aus ihrer Andacht hin zum Gespött und Gelächter zu bringen.