Die Bilder von plastikverseuchten Meeresabschnitten haben auch im Raum Meßkirch in den letzten Monaten bei vielen Bürgern zu einem Umdenken geführt. Darauf deutet jedenfalls eine Umfrage im Lebensmitteleinzelhandel hin. Immer mehr Kunden verzichten auf Kunststofftaschen. Auch in den Metzgereien ist die selbst mitgebrachte Kunststoffdose kein Tabu mehr, wenn Hackfleisch, Gulasch, Wurst oder Käse gekauft werden sollen.

Im Meßkircher Obst- und Gemüseladen der Familie Sahin werden ausschließlich lose Früchte verkauft. Viele Kunden bringen auch Körbe oder Taschen mit.
Im Meßkircher Obst- und Gemüseladen der Familie Sahin werden ausschließlich lose Früchte verkauft. Viele Kunden bringen auch Körbe oder Taschen mit. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Dabei ist der Umgang mit den Kundenbehältnissen für die Fleischer nicht ganz einfach. Der Meßkircher Metzgermeister Harry Knoll hat in seinen Geschäften den Plastikverzicht an der Ladentheke aber im Griff. Knoll: „Natürlich darf aus Hygienegründen die private Plastikdose nicht mit der Ladentheke in Berührung kommen.“ Den Ausweg bietet ein Tablett, auf dem das Kunststoffbehältnis steht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mit diesem Tablett kann die Kundendose bequem zur Waage oder zum Fleischwolf getragen werden. Der frühere Hang vieler Einkäufer zur Kunsstofftasche ebbt in den Knoll-Filialen allmählich immer mehr ab. „Immer mehr Kunden haben Taschen oder Körbe dabei“, berichtet der Meßkircher Metzger. Den Trend weg von Plastikverpackungen beobachtet auch die Metzgereikette Frick. Allerdings sah sich die Geschäftsstelle in Krauchenwies nicht in der Lage, diese Entwicklung näher zu beschreiben.

Sabine Umhauser vom Backhaus Mahl hält links einen gewöhnlich Coffee-to-go-Becher, rechts sein ökologisches Gegenstück
Sabine Umhauser vom Backhaus Mahl hält links einen gewöhnlich Coffee-to-go-Becher, rechts sein ökologisches Gegenstück | Bild: Hermann-PeterSteinmüller

Ein leidiges Thema besonders für Singlehaushalte war bisher der Obst- und Gemüseeinkauf. Wer nur ein paar Kartoffeln oder Zwiebeln brauchte, musste zu einem großen Gebinde greifen. Da war in der Regel mehr drin, als eigentlich für die kleine Küche gebraucht wurde. Oft konnte deshalb nicht alles verbraucht werden. Für den Rest blieb nur der Weg in den Kompostmüll. Viele Verkäufer haben das Problem erkannt und bieten die entsprechenden Produkte an ihren Gemüseständen lose an. Dazu gehören in Meßkirch beispielsweise der Edeka-Markt und das Obst- und Gemüsegeschäfte der Familie Sahin.

Plastiktüten als Transportmittel für kleine Einkäufe

„Bei uns gibt es alles lose“, sagt Bahtiyar Sahin. Kartoffeln beispielsweise gibt es in dem kleinen Gemüseladen am Saumarkt auch in großen Gebinden. Sie sind für die Kunden bestimmt, die einen entsprechend großen Haushalt zu versorgen haben. Noch hängen neben den Verkaufsständen die durchsichtigen Plastiktüten als Transportmittel für kleine Einkäufe. Damit solle den Kunden nur ein zusätzliches Angebot unterbreitet werden, erklärt der Gemüsehändler. Immer mehr Kunden kämen mit eigenen Taschen und Körben.

Kunststoff wird zum Auslaufmodell

Die gleiche Beobachtung macht im größeren Rahmen Hubert Okle von den Sulger-Edeka-Märkten. Er bezeichnet Kunststoff als „Auslaufmodell“. Sulger hilft dieser Entwicklung in seinen neuen Märkten, zu denen auch Meßkirch gehört, nach Kräften nach. Die Plastiktragetasche beispielsweise hat bereits Hausverbot. Okle: „In einigen unserer Märkte sind an der Kasse schon keine Plastiktaschen mehr zu haben. An anderen Standorten verkaufen wir nur noch die Restbestände.“ An den Fleischtheken wird das gleiche Verfahren für mitgebrachte Behältnisse angewendet, wie in der Metzgerei Knoll.

Auch Mehrwegbecher stärker nachgefragt

In Stetten a.k.M. ist die Zentrale des Backhauses Mahl zu Hause. In den zahlreichen Filialen des Unternehmens zwischen Albstadt und Pfullendorf hat der Kampf gegen das Wegwerfplastik schon vor etwa drei Jahren begonnen, wie Geschäftsführer Martin Mahl berichtet. Für den „Coffee to go“ bietet das Unternehmen feste Becher an, die immer wieder genutzt werden können. Die Kunden reagierten unterschiedlich auf das Angebot. Allerdings beobachtet Mahl eine Zunahme der Nachfrage für den Mehrwegbecher. Relativ neu ist der „Faircup-Becher“ für Müsli und Desserts. Dabei handelt es sich um einen Plastikbecher, für den Pfand bezahlt werden muss.

Das könnte Sie auch interessieren

 

Bürger sortieren Müll bewusster

Holger Kumpf ist Leiter des Eigenbetriebs Kreisabfallwirtschaft beim Landratsamt in Sigmaringen

Welchen Anteil hat der Plastikmüll am Restmüll im Landkreis Sigmaringen?

Der Anteil an Kunststoffen im Restmüll liegt im Landkreis Sigmaringen zwischen rund sechs und zehn Prozent. Das entspricht einem Durchschnitt von 5,6 bis 8,9 Kilo pro Einwohner und Jahr.

Hat sich dieser Anteil in den vergangenen Jahren erhöht?

Aus unseren Sortieranalysen aus den Jahren 2013 und 2017 ist ein steigender Trend abzulesen.

Wird Plastikmüll aus dem Restmüll selektiert oder kommt beides zusammen in die Müllverbrennung?

Die Kunststoffteile, die noch verwertet werden können, sollten die Bürger in die gelben Säcke werfen. Was nicht verwertbar ist, kommt in den Restmüll. Der Restmüll wird dann in einem Durchgang verbrannt.

Wie verhält es sich mit der Nutzung der gelben Säcke?

Die über die Dualen Systeme erfasste Menge pro Kreisbewohner ist seit dem Jahr 2012 um rund zehn Prozent rückläufig.