Wie lange tragen Sie die Idee eines Freilichtstücks mit diesem Inhalt schon mit sich herum?

So genau kann ich das nicht sagen. Es sind schon einige Jahre. Seit 2002 führen Thomas Schlude und ich gemeinsam Regie für das Freilichttheater der Kolpingbühne. Wir suchen immer gemeinsam die Stücke aus. Dabei orientieren wir uns an anderen Freilichtbühnen, was die spielen oder gespielt haben – wie ist die Besetzung, ist das Stück von den Gegebenheiten her auch bei uns umsetzbar? Da wird die Liste dann immer kleiner. Man denkt an Filme, die einem selbst und natürlich dem breiten Publikum gefallen und recherchiert, ob es so was als Theaterstück gibt. Ich fand den Film „Der Clou“ schon immer interessant und „Es war einmal in Amerika“ oder „Die Unbestechlichen“. Leider gab es für eine große Freilichtbühne bis dato nichts Passendes.

Was gab den Ausschlag, es in diesem Jahr nun in Szene zu setzen?

Seit den „Drei Musketieren“ 2007 arbeiten wir mit Volker Ullmann, damals Fechtchoreograph, zusammen. Er ist Autor und Regisseur, kommt zwei- bis dreimal für ein paar Tage zu uns und unterstützt uns bei der Regiearbeit. Bei seinem Besuch 2015 fragte er uns, ob wir denn schon eine Vorstellung haben, was wir als nächstes spielen wollen. Da habe ich ihm von meinen Vorstellungen erzählt, aber dass ich nichts in dieser Richtung finden konnte. Dies bestätigte er mir, da es sich bei diesen Filmen um Welterfolge handelt, die geschützt sind und die man nicht so einfach kopieren kann. Da war mein Traum erst einmal begraben. Eher aus Spaß sagte ich dann zu ihm: „Dann wird es Zeit, dass du auch mal einen Welterfolg schreibst!“ Er nahm es mit Humor und so trennten sich unsere Wege. Zwei Jahre später kamen wir wieder auf das Thema und er bot uns an, zusammen mit seinem Co-Autor Roland Mörchen ein Treatment zu schreiben. Diese Vorlage hat uns gut gefallen, sodass wir gesagt haben, das setzen wir um.

Was ist für Sie der ganz besondere Reiz an diesem Stück?

Dass wir mal in einer anderen Zeit angelangt sind. Mantel und Degen haben riesigen Spaß gemacht und ich denke, keiner der da mitgemacht hat, möchte die Zeit missen. Aber es war mal Zeit für ein anderes Thema und da kommen die „Goldenen 20er“ gerade recht. Ein besonderer Reiz ist auch die Tatsache, dass wir hier die Uraufführung des Stücks haben und noch kein Mensch die Geschichte kennt. Ich kann nur so viel sagen: einzelne Szenen aus verschiedenen großartigen Filmen („Der Clou“, „Es war einmal in Amerika“, „The Sleepers“, „Die Unbestechlichen“, „Good Fellas“) sind zu einem neuen Theaterstück mit eigener Geschichte zusammen gestellt.

Welche Rolle hat es Ihnen besonders angetan?

Ich möchte hier keine einzelne Rolle hervorheben. Es geht uns immer nur um das Stück als Gesamtes. Es sind sehr viele kleinere Rollen und die müssen „stechen“. Da legen wir großen Wert drauf und bemühen uns, das mit den Schauspielern auch so umzusetzen.

Welche Meßkircher Besonderheiten gibt es im Stück?

Im Stück selbst gibt es keine Besonderheiten in Bezug auf Meßkirch. Das Stück steht für sich allein. Die größte Besonderheit sind die vielen Freiwilligen aus Meßkirch und der näheren Umgebung und die zahlreichen Firmen, die uns unterstützen. In diesem Jahr konnte ja noch keiner wissen, zu was man sich anmeldet, da es das Stück noch nicht gab. Die einzigen Infos waren: Kolping spielt wieder Theater, Thema: 20er Jahre, Chicago, Charleston, Prohibition und Bandenkriege. Da haben wir bei den Mitwirkenden wohl den Nagel auf den Kopf getroffen. Wenn man dann sieht, wie viele alte und vor allem neue Gesichter sich angemeldet haben, ist das schon überwältigend.

Sie sind als Spielleiter auf das Engagement einer großen Schar an Ehrenamtlichen angewiesen. Welche Reaktion gab es bisher von diesen auf die Inhalte des Stücks?

Wie schon erwähnt, allein das Thema hat schon viele angesprochen. Und jetzt, wo die Textbücher verteilt sind, die ersten Leseproben und Szenenbesprechungen waren, der Bühnenbau in vollem Gang ist, da merkt man, wie der Zug ins Rollen kommt. Wir begeben uns auf eine gemeinsame Reise, in jedem Abteil gibt es gute Stimmung und alle haben ein gemeinsames Ziel, vor vollen Zuschauerrängen das Publikum zu begeistern.

"Die Schlacht um Mößkirch", dieses Stück zeigte die Meßkircher Kolping-Bühne 1996 und 2002. Auch hier stand Benedikt Hermann auf der Bühne.
"Die Schlacht um Mößkirch", dieses Stück zeigte die Meßkircher Kolping-Bühne 1996 und 2002. Auch hier stand Benedikt Hermann auf der Bühne. | Bild: Kolpingfamilie

Wie viele Akteure werden bei der Aufführung zu sehen sein?

Nie alle gleichzeitig. In gewissen Szenen sind um die 50 Akteure auf der Bühne. Insgesamt sind es knapp über 100, je nachdem, wie die Besetzung der Bigband ausfällt.

Wie viele Helferinnen und Helfer sind hinter den Kulissen aktiv, damit das Stück gelingt?

Bei Maske, Frisuren, Kostümen, Catering und Bewirtung sowie Bühnenbauer sind es vermutlich zwischen 70 und 80 Personen.

Die bisherigen Stücke der Kolpingbühne zeichneten sich immer durch Actionszenen aus. Was können die Zuschauer dieses Jahr erwarten?

Action ist natürlich auch wieder dabei: Kämpfe, Schlägereien und Messerkampf. Einen Chor haben wir in verschiedenen Szenen. Es gibt Livegesang mit Background- Sängerinnen und eine Bigband. Und was in einer ordentlichen Speak-easy-Bar natürlich nicht fehlen darf, sind verschiedene Showtänze attraktiver Bardamen.

Ein ganzer Straßenzug wird als Kulisse für das Stück aufgebaut. Wie aufwendig sind die nötigen Arbeiten dafür?

Es ist schon ein wahnsinniger Aufwand, den wir da betreiben. Aber es ist auch unser Anspruch, ein Stück so authentisch wie möglich aufzuführen und da gehört die Kulisse einfach dazu. Bei den Darstellern legen wir auch großen Wert darauf, dass es von den Haaren bis zu den Schuhen passt. Also großer Aufwand in allen Bereichen.

Welche besonderen Herausforderungen gibt es beim Kulissenbau?

Bei anderen Stücken kann man ja mal bei anderen Bühnen abspicken, wie die das umsetzen. Das hier ist aber neu. Da steht dann mal im Textbuch: Sie geht die Treppe rauf ins Büro. Es ist die Rede von einer Bar, Polizeirevier, Ballettschule, Börse, auf der Straße, er geht in die Küche oder kommt aus dem WC. Da überlegt man dann, wie kriegt man das alles unter beziehungsweise wie ordne ich das an, wenn jemand hier abgeht, dann in der nächsten Szene da drüben wieder auftritt. Dann kommt die Fantasie ins Spiel und es läuft ein Film im Kopf ab. Die Menschen bewegen sich und gehen durch die Häuser. Die Szenen werden lebendig. Die Schauplätze verschieben sich, bis der Film im Kopf mehrfach ohne Unterbrechung durchläuft. Dann setze ich mich hin und fange an zu zeichnen – vom Entwurf bis zum fertigen Plan mit Grundriss und Ansichten. Und dann die Umsetzung. Material und Helfer spielen da eine große Rolle. Zu unserem Glück haben sich 20 Mann für den Bühnenbau angemeldet und keiner ist sich für keine Arbeit zu schade. Eine wirklich tolle Truppe haben wir da beisammen.

Wie schaffen Sie es, die aufwändigen Vorbereitungen für die Inszenierung neben ihrem Arbeitsalltag zu bewältigen?

Das frag ich mich manchmal selbst. Ich befasse mich schon mehr als ein Jahr mit dem Stück. Da fällt einem über den Tag verteilt immer wieder etwas dazu ein. Es sind lauter einzelne Bausteine, die jetzt nach und nach zusammengesetzt werden. Und da mir ein Theater zu inszenieren so viel Spaß macht wie meine eigentliche Arbeit sonst auch, läuft es einem leicht von der Hand. Aber es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, es bleibt nichts liegen. Mein Tag hat auch nur 24 Stunden und die sind in der Phase schon etwas knapp.

Fragen:
Manfred Dieterle-Jöchle