Eigentlich stand nur "3. Änderung des Flächennutzungsplans 2025 VVG Meßkirch-Leibertingen-Sauldorf" auf der Tagesordnung der jüngsten Gemeinderatssitzung. Dahinter verbarg sich aber eine faustdicke Überraschung: Auf der Anhöhe Hauptbühl im Dreieck Meßkirch-Schnerkingen-Rengetsweiler soll ein Hotel mit Restaurant gebaut werden. 60 Zimmer soll es umfassen, dazu 120 Sitzplätze im Restaurant, eventuell einen Biergarten und natürlich einen Kinderspielplatz. Und es soll ein echtes Schmuckstück werden, wenn es nach dem Willen von Herbert Alber aus Rengetsweiler geht.

Der Unternehmer will in Meßkirch kräftig investieren und das komplette Ensemble dann verpachten. Mit ersten Vorplanungen wurde die Architektengesellschaft Mauch/Offner aus Meßkirch betraut. "Da wird es sicher noch Änderungen geben", sagt Alber. Aber die große Richtung stimme. Die örtliche Gastronomie ist immer wieder ein Thema im Gemeinderat. Die Besucherzahlen auf dem Campus Galli steigen. Immer wieder trifft man Besuchergruppen auch in der Innenstadt, die nach Einkehrmöglichkeiten suchen und beklagen, dass es in dieser Hinsicht "schon etwas mehr" sein könnte. Busgesellschaften tun sich schwer. Dem will Alber nun abhelfen.

"Aus planerischer Sicht ist da oben nichts", stellte Bürgermeister Arne Zwick fest. Deshalb könne man da auch nicht "einfach was dazustellen". Im Klartext: Ohne einen Flächennutzungsplan und einen daraus folgenden Bebauungsplan geht nichts. Gemeinderat Joachim Bach von den Freien Wählern ging das alles zu schnell. "Das ist ein großes Projekt. Sollten wir nicht erst die Grundlagen erarbeiten?", stellte er in den Raum. Ungeklärt sei auch, ob das Schützenhaus weiter bestehen könne. Investor Alber sieht darin kein Problem, wie er gegenüber dem SÜDKURIER deutlich machte. "Ich gehe davon aus, dass nach 20 Uhr nicht mehr geschossen wird. Und das Schützenhaus wäre ja auch hinter dem Hotel. Die Zimmer sind aber alle nach vorne in Richtung Schloss ausgerichtet."

Insa Bix (CDU) hatte sich bei der Gemeinderatssitzung dafür ausgesprochen, keine Zeit zu verlieren. "Das ist eine großartige Chance für die Stadt. Wir müssen das so schnell wie möglich auf den Weg bringen." Angela Andres (SPD) war für vertagen. Sie hätte sich gerne über seine Vorstellungen mit dem Investor unterhalten. Thomas Nuding (Frei Wähler) brachte dann auf den Punkt, um was es überhaupt geht: "Um eventuelle Probleme aufzuzeigen, brauchen wir einen Flächennutzungsplan." Dessen Aufstellung wurde dann auch bei nur zwei Gegenstimmen beschlossen.

"Grundsätzlich begrüßen wir jede neue Attraktivierung an touristischen Angeboten für die Region", sagt Manuela Kiemer vom Hotel Donaublick in Scheer. Sie ist beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) die Fachgruppenvorsitzende Hotel und Tourismus im Landkreis Sigmaringen und kennt den Hotelbetrieb aus der täglichen Praxis. In Meßkirch habe der Investor bestimmt ein gewisses Potenzial erkannt, nicht zuletzt durch die über viele Jahre hinweg entstehende Klosterstadt Campus Galli. Die tue der Region im kulturellen Bereich sehr gut. Bei einem Hotel handle es sich aber insbesondere um eine Betreiberimmobilie. Für einen Unternehmer sei es einfach, ein Hotel zu bauen, für den Betreiber jedoch eine große Herausforderung. Beim Dehoga gehe man davon aus, dass dies dem Investor bewusst sei. Das bestätigte Herbert Alber auch gegenüber dem SÜDKURIER. Er werde entsprechende Gespräche führen. Das Vorhaben sei ein Gewinn für die ganze Region und für Meßkirch sowieso. Angestrebt ist ein Drei-Sterne-Hotel mit gehobenem Standard, damit Gäste auch mal ein paar Tage bleiben.

 

Flächennutzungsplan

Dass man in Deutschland nicht einfach so bauen kann, das ist bekannt. Die Kommunen weisen Flächen für Wohn- und Gerbegebiete aus, es gibt Industrieflächen und auch solche, die nur für die Landwirtschaft genutzt werden dürfen. Was wo und wie genutzt werden darf, das ist einem Flächennutzungsplan festgeschrieben, der in der Regel von Verwaltungsgemeinschaften erstellt wird. Meßkirch, Leibertingen und Sauldorf bilden eine solche Verwaltungsgemeinschaft.

Der Flächennutzungsplan (FNP) stellt die beabsichtigte städtebauliche Entwicklung einer Gemeinde dar und ist dabei nicht parzellenscharf angelegt. Er ist Bestandteil der im Baugesetzbuch definierten zweistufigen Bauleitplanung und wird als „vorbereitender Bauleitplan" bezeichnet. Er hat keine Rechtsverbindlichkeit für die Gemeinde oder Privatpersonen. Er hat jedoch Bindungswirkung gegenüber den Trägern öffentlicher Belange (Behörden, Verbände oder gemeinnützige Vereine) und den Gemeinden, besonders bei der Aufstellung von Bebauungsplänen. Diese haben Rechtsverbindlichkeit und werden daher als „rechtsverbindliche Bauleitpläne" bezeichnet. (kf)