Herr Heyden, was reizt Sie daran, das Amt des Schulleiters an der Meßkircher Grafen-von-Zimmern-Realschule zu übernehmen?

Zum einen bin ich ein Mensch, der sich gerne intensiv in Themen einarbeitet und dann auch Verantwortung dafür übernimmt. Zum anderen hat sich im Laufe meines bisherigen Berufslebens eine klare Vorstellung entwickelt, wie Schule sein könnte. Es hat sich für mich so eine Art Kompass für eine gute Schule herausgeschält, die im Miteinander von Kollegium, Schülern und Eltern angestrebt werden soll. Es geht um Möglichkeiten und Visionen, die ich gerne umsetzen möchte.

Haben Sie sich speziell auf die neue Herausforderung vorbereitet?

Durch mein Zusatzstudium "Schulmanagement" und die fünfjährige Berufserfahrung als Konrektor an der Theodor-Heuss-Realschule in Sigmaringen mit einem hervorragenden Schulleiter als Mentor fühle ich mich gut gewappnet, der neuen Aufgabe zu begegnen.

Kennt ein Konrektor bereits das gesamte Aufgabenspektrum eines Schulleiters aus eigener Praxis?

Nein, da gibt es eine geregelte Arbeitsverteilung, was der Konrektor und was der Schulleiter übernimmt. Als Konrektor hat man beispielsweise viel mehr Unterricht, ist nicht in der Schulentwicklung tätig und muss nur in Ausnahmefällen Repräsentationspflichten wahrnehmen.

Aus welchen Gründen haben es Schulen schwer, Schulleiter zu finden?

Auf Schulleiter kommt eine mehrfache Belastung zu: einerseits die Verwaltung, Weiterentwicklung der Schule und Führungsaufgaben sowie andererseits die hohe Unterrichtsverpflichtung. Um den Führungsaufgaben gerecht zu werden, wäre es sinnvoll und ein Anreiz, die Leitungszeit für Schulleiter zu erhöhen und den Lehrauftrag zu verringern. Somit könnte sich der Schulleiter stärker auf die notwendigen Führungsaufgaben konzentrieren. In welchem erfolgreichen Unternehmen steht der Chef halbtags in der Fertigung, anstatt in der Qualitätsentwicklung und -sicherung des Produkts die Verantwortung zu übernehmen und für Nachhaltigkeit zu sorgen?

Was wird Neues auf Sie zukommen?

Sehr vieles wird neu sein. Als Erstes bekomme ich ja ein neues Kollegium und neue Schülerinnen und Schüler. Diesbezüglich hoffe ich auf Unterstützung und freue mich auf die Zusammenarbeit. Mit Frau Diener, Konrektorin der Grafen-von-Zimmern-Realschule, habe ich eine sehr kompetente Schulleitungskollegin an meiner Seite. Neu wird vor allem aber die Rolle als Vorgesetzter und Hauptverantwortlicher sein.

Welche Eigenschaften haben bei Ihnen Priorität?

Aspekte wie Klarheit, Verbindlichkeit, Berechenbarkeit, Wertschätzung, Partizipation und Freiräume, aber auch Selbstorganisation und Leistungserwartung erachte ich als wichtig. Es gilt, andere für sich, seine Ideen und Vorstellungen zu gewinnen und gleichzeitig Andersdenkenden gegenüber offen zu bleiben.

Worin besteht die größte Herausforderung?

Es muss sich in der Praxis herausstellen, ob Visionen gemeinsam erarbeitet und gelebt werden können und ob diese überhaupt konsensfähig sind. Aus den mannigfaltigen Vorstellungen und Haltungen der Kolleginnen und Kollegen zur Schule und zur Schülerschaft einen gemeinsamen Weg zum Wohle der Schülerinnen und Schüler einzuschlagen, betrachte ich als die größte Herausforderung. Und um noch konkret zu werden: Auch bezüglich der Weiterentwicklung der beiden Lernniveaus sowie der unterschiedlichen Bildungsabschlüsse unter einem Dach müssen hohe Hürden genommen werden. Aber Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.

In welche Zukunft entwickelt sich die Realschule und wie kann sie sich optimal im Sinne der Schülerinnen und Schüler positionieren?

Mit dem Konzept "Stärkung der Realschule" verfolgt die Landesregierung das Ziel, Kindern mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen besser gerecht zu werden. Dafür werden zum einen im Endausbau 20 Stunden pro Klassenzug zur individualisierten Förderung bereitgestellt. Zum anderen können die Leistungsschwächeren durch die Möglichkeit zweier Schulabschlüsse an der Schule bleiben. Das kommt beides, um in Kürze nur zwei Beispiele zu nennen, den Schülerinnen und Schülern zugute. Allerdings stellt die unterrichtliche Umsetzung für alle Lehrkräfte eine immense Herausforderung dar. Die Aufgabenfelder wachsen.

Was ist Ihr größter Wunsch als Leiter der Realschule?

Mein größter Wunsch ist es, dass sich die Kinder tatsächlich auf die Schule freuen und mit Neugierde und Lerneifer in die Schule kommen wollen. Kinder bleiben auch in der Schule Kinder, denen wir Raum zur Entwicklung und zur Entfaltung bieten müssen. Nicht lexikalisches Wissen, sondern intelligentes Wissen, Wissen mit Bezug zur Lebenswelt der Kinder sollte Gegenstand von Unterricht sein. Damit das keine Worthülsen bleiben, muss gemeinsam darum gerungen werden.

Halten Sie es für wichtig, dass Lehrkräfte am Schulort wohnen?

Auf anderen Ebenen miteinander ins Gespräch zu kommen, ist ein Vorteil und die Wohnortnähe zu Meßkirch diesbezüglich hilfreich. Positive Beziehungen zu Kindern, Eltern und Interessengruppen unterstützen die Bildungsarbeit vor Ort. Daher freue ich mich über jede Lehrkraft, die vor Ort wohnt und in der Gemeinde präsent ist. Eine gute Beziehung hilft Vorurteile abzubauen und fördert die gegenseitige Akzeptanz. Das gilt selbstverständlich und zuallererst für die Schulleitung.

Wie sieht Ihr Ausgleich zur Schule aus?

Abschalten und neue Kräfte sammeln kann ich vor allem zu Hause bei meiner Familie, beim Sport oder mit den Goldberg-Variationen von Bach.

Welchen Sport betreiben Sie?

Ich spiele Badminton beim TV Meßkirch und Fußball beim SV Meßkirch. Darüber hinaus trainiere ich die G-Jugend.