"Er bringt die Fasnacht und das Brauchtum aus den Regionen ins Fernsehen", heißt es auf der Internetseite des SWR und die Rede ist dabei von keinem Geringeren als von Treffpunkt-Redaktionsleiter Gerd Motzkus, der erst vor wenigen Tagen das letzte Mal vor seinem Ruhestand die Live-Sendung der Konstanzer Fasnacht aus dem Konzil verantwortet hatte. Mit anderen Worten: Ein Medien-Profi durch und durch, den die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee und der Langensteiner Fasnachtsmuseumsverein 2015 mit der Heinrich-Rehm-Medaille ausgezeichnet hatte, um ihn damit für seine herausragenden Verdienste als Fernseh-Pionier für die Vermittlung der Fasnacht an ein Millionenpublikum zu würdigen.

Doch ausgerechnet Motzkus ist es nun, der die Meßkircher Katzenzunft ganz offenbar versetzt hat und der mit seinem Verhalten eine gewaltige Missstimmung in den Reihen der Zunft auslöste. Dazu kam es wie folgt: Die Verantwortlichen der Zunft hatten den bekannten Moderator im Vorfeld des Landschaftstreffens in Bad Waldsee am vergangenen Wochenende angefragt, ob er für die Rolle des Delinquenten beim Nasenschleifen zur Verfügung stünde. Wie Holger Schank, Brauchtumsmeister der Katzenzunft, berichtet, hatte er in der Sache seit dem 18.

Das Archivbild vom Lindauer Narrentreffen 2015 zeigt, wie es Gerd Motzkus, wäre er denn gekommen, ergangen wäre und zeigt Schönheitschirurg Werner Mang nach erfolgreichem Nasenschleifen. <em>Bild: Archiv</em>
Das Archivbild vom Lindauer Narrentreffen 2015 zeigt, wie es Gerd Motzkus, wäre er denn gekommen, ergangen wäre und zeigt Schönheitschirurg Werner Mang nach erfolgreichem Nasenschleifen. Bild: Archiv | Bild: unbekannt

Januar per Email und SMS mehrfach Kontakt mit Motzkus wegen der ihm zugedachten Rolle des Delinquenten – einer närrischen Tradition also, der sich unter anderen schon Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Schönheitschirurg Werner Mang unterzogen hatten und die beim Zunftball am Schmotzigen in der kommenden Woche von Landrätin Stefanie Bürkle ausgefüllt werden wird. Nachdem Schank die Anklageschrift verfasst und sie dem SWR-Mann übersandt hatte, sagte Motzkus seinen Delinquenten-Aufritt zunächst ab, berichtet Schank. Er habe nicht gewusst, worum es beim Nasenschleifen geht und keine Zeit, eine vernünftige Gegenrede zu schreiben, ließ er wissen. Darauf hin, berichtet Schank, habe er Motzkus geschrieben und ihm mitgeteilt, dass er ihn verstehe, da das Ganze sehr kurzfristig sei und eine Absage keine Probleme bereiten würde. Zugleich aber habe er selbst Motzkus eine Verteidigungsrede auf den Leib geschrieben und dem prominenten Moderator angeboten, dass der diese Rede – sofern sie ihm denn gefallen sollte -, einfach nur vorlesen müsse und der Programmpunkt beim Landschaftstreffen in Waldsee wäre somit gerettet. Falls er das nicht wolle, bat ihn Schank darum, ihm die Absage nochmals kurz zu bestätigen. Darauf hin habe er dann eine Mail von Motzkus erhalten, in der er ihn für den Text beglückwünscht habe und in der er seinen Auftritt als Delinquent zusagt habe.

Doch dann kam doch alles anders: Am Brauchtumsabend kam Motzkus nämlich nicht. "Wir standen hinter der Bühne, die Katzen hatten schon ihre Rüschen angelegt, die Masken aufgesetzt und der Ansager hatte uns angekündigt", erinnert sich Schank. Motzkus sei via Smartphone nicht zu erreichen gewesen. Ein anderer Programmpunkt wurde vorgezogen und wie der Delinquent danach immer noch nicht da war, musste Holger Schank auf die Bühne, um das Nasenschleifen abzusagen.

Auch Zunftmeister Martin Birk war mit vor Ort und sagt: "Wir waren alle parat und wer nicht da ist, war Motzkus." Er bestätigt, dass mehrfach versucht worden sei, den Delinquenten telefonisch zu erreichen. "So mussten wir unverrichteter Dinge wieder abziehen." Doch es kam noch dicker: Tags darauf erfuhren die Meßkircher, dass Motzkus zu der Zeit, während sie hinter der Bühne auf ihn warteten, in einem Nachbarort in einem Restaurant zum Essen war. Und beim Zunftmeisterempfang habe Motzkus den schwarzen Peter wegen des ausgefallenen Programmpunkts am Vorabend dann den Meßkirchern in die Schuhe geschoben. Das bestätigt auch Franz Mosch, Zunftmeister der Narrenzunft Waldsee, die das Landschaftstreffen ausgerichtet hatte. Und Mosch stellt klar: "Ich kenne Gerd gut, aber so geht es nicht." Über die Gründe für diesen Gang der Dinge könne er nur spekulieren. Genauso geht es auch der Meßkircher Zunft. "Ein Fauxpas kann passieren. Aber dann versucht man doch, die Wogen zu glätten", sagt Birk. Doch noch nicht einmal das sei geschehen. Bis dato habe die Zunft keine Reaktion von Motzkus erhalten und es habe folglich auch keine Entschuldigung gegeben, bedauert er.

"Grandioses Missverständnis"

Auf SÜDKURIER-Nachfrage zu den Vorwürfen gegen ihn äußert sich Gerd Motzkus vom SWR wie folgt zu den Vorkommnissen in Waldsee:

„Bei der Sache handelt es sich schlicht um ein kommunikatives Missverständnis, das mir ehrlich leidtut.“ Er habe dem Nasenschleifen am Donnerstag vor dem Narrentreffen zwar zugesagt, dann aber weder am Freitag noch am Samstag eine Bestätigung erhalten, dass der Act nun auch wirklich stattfindet, teilt er mit. „Deshalb bin ich davon ausgegangen, dass sich die Sache erledigt hat. SMS und Anrufe vom Samstagabend habe ich dann erst spätabends gesehen, als ich ins Hotel zurückkam, wo man Handy lag. Da war es natürlich zu spät. Dass ich beim Zunftmeisterempfang über die Katzenzunft ‚hergezogen’ haben soll, ist mir unverständlich. Ich habe auf Nachfragen lediglich obigen Sachverhalt geschildert – und das meines Erachtens ganz sachlich.“ Er bedauere dieses Missverständnis außerordentlich und auch, dass die Zunft den organisatorischen Aufwand vergeblich betrieben hat.

„Insofern verstehe ich, dass die Katzen sauer auf mich sind.“ Das sei um so mehr schade, als dass seine allererste Fastnachtssendung 1983 just aus dem schönen Ratssaal von Meßkirch kam. „Ich würde mir deshalb wünschen, dass meine närrische Verbundenheit mit Meßkirch durch diese dumm gelaufene Sache keinen Schaden nimmt. Ich entschuldige mich deshalb nochmals ausdrücklich für dieses grandiose Missverständnis“, schreibt Motzkus. (mos)