Das 500-jährige Reformationsjubiläum bildete den Anlass für den Evangelischen Kirchenbezirk Überlingen-Stockach, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Renaissance-Saal des Meßkircher Schlosses mit einem Fest zu danken. Neben einem leckeren Essen ließen sich die Gäste mit einem abwechslungsreichen Unterhaltungsprogramm verwöhnen. Ein Druckermeister (alias Michael Landgraf aus Neustadt an der Weinstraße) stimmte die Zuhörer auf die mittelalterliche Zeit um 1500 ein und der Gospelchor "Promised Land" präsentierte die musikalische Glaubensbotschaft. Als besonderer Gast dieses Abends fungierte der weithin bekannte Religionsphilosoph Fulbert Steffensky, der über den aktuellen Auftrag und das Erbe der Reformation sprach.

Gisela Bruszt, Vorsitzende der Bezirkssynode, und Dekanin Regine Klusmann begrüßten die zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Festsaal des Schlosses, dessen Tische malerisch geschmückt waren. Auf jeder dunkelroten Serviette prangte das Bildnis von Martin Luther. "Uns ist es wichtig, dass Sie sich geehrt fühlen", wandte sich Gisela Bruzt an die Gäste. "Genießen Sie den Abend, denn wir feiern erst wieder in 500 Jahren", fügte sie schmunzelnd an.

Der Theologe und Religionsphilosoph Fulbert Steffensky war Gastredner beim Fest des Evangelischen Kirchenbezirks Überlingen-Stockach. Bild: Isabell Michelberger
Der Theologe und Religionsphilosoph Fulbert Steffensky war Gastredner beim Fest des Evangelischen Kirchenbezirks Überlingen-Stockach. Bild: Isabell Michelberger | Bild: Isabell Michelberger

Nachdem Michael Landgraf, als Druckermeister der Frühen Neuzeit verkleidet, Einblicke in seinen Berufsstand und das gesellschaftliche Umfeld zur Zeit der Reformation gegeben hatte, stellte Regine Clusmann den Referenten des Abends vor. "Für mich war Fulbert Steffensky immer einer der größten theologischen Lehrer", bekennt die Diakonin, die ihm an der Universität in Hamburg begegnete, wo er Religionspädagogik lehrte. "Mich faszinierte seine Sprachkunst, mit der es ihm gelang, schwierige Dinge gut zu vermitteln", beschrieb sie.

Fulbert Steffensky führt aus, was es bedeutet, sich auf das Erbe der Reformation zu besinnen und es gewissenhaft anzunehmen. "Wenn du wissen willst, wer du bist, musst du wissen, woher du kommst", erklärte er, denn wer sich erinnere, baue an der Zukunft. Anhand des achten Kapitels des Römerbriefs und des Gedichts "Scham" von Gabriela Mistral" erläuterte er, dass sich der Mensch nicht mit seinem eigenen Blick auf sich selbst begnügen dürfe. Er sei nur das Fragment eines Ganzen. Erst in den Augen Gottes, in der Liebe Gottes, könne der Mensch seine Schönheit entdecken.

Der Gedanke der Gnade werde oft verstümmelt. Sie entbinde nicht vom Tun. Deshalb appellierte er, nicht nur an die Gnade zu glauben, sondern auch an die Werke. Der Hunger der Welt sei der Ort Gottes. Er zählte einige "schräge Dämonen" auf, die sich in den Herzen der Menschen eingenistet hätten.

Das sei die Hoffnungslosigkeit, welche die Entwicklung nur anhand von Statistiken und Zahlen betrachte, die Profilsucht, die nur um sich selbst kreise, die selbstbezogene Frömmigkeit, die sich über andere Religionen stelle, der Geist der puren Effizienz und der Dämon der Sieben-Meilen-Stiefel, welcher die kleinen wertvollen Schritte als zwecklos empfinde. Darüber hinaus sprach sich Steffensky für die öffentliche Anerkennung der verschiedenen Lebensformen aus und für die Abkehr von nationalen Identitätszwängen.

Fulbert Steffensky

Steffensky, 1933 geboren, ist einer der bekanntesten theologischen Autoren im deutschsprachigen Raum. Er studierte katholische und evangelische Theologie. Im Alter von 21 Jahren trat er in das Benediktinerkloster Maria Laach ein, das er nach dreizehn Jahren verließ. Im Jahr 1969 konvertierte Steffensky zum lutherischen Bekenntnis und heiratete die evangelische Theologin Dorothee Sölle. Von 1975 bis 1998 war er als Professor für Religionspädagogik am Fachbereich Erziehungswissenschaft an die Universität Hamburg tätig. Heute lebt er in der Schweiz.