Zum Abschluss der Ausstellung "Priester gegen Nazi-Herrschaft" im kleinen Saal des Herz-Jesu-Heims lud das Bildungswerk Meßkirch unter der Federführung seines Leiters Waldemar Gorzawski zu einer Gesprächsrunde mit Franz Hauber, Heinrich Heidegger und Josef Joos, drei Meßkircher Zeitzeugen, ein. Referent Helmut Weißhaupt, der sich intensiv mit der Meßkircher Nazi-Vergangenheit befasst, rekapitulierte an die wichtigsten Informationen zu Pfarrer Otto Meckler aus seinem Vortrag "Meßkircher Priester im Konflikt mit dem Nationalsozialismus". Die Gesprächsrunde moderierte der Historiker und pensionierte Gymnasiallehrer Werner Fischer.

Helmut Weißhaupt, der die Biografien und das Auftreten der 13 Meßkircher Pfarrer und Vikare während der Nazi-Herrschaft recherchierte, stellte fest, dass zwölf von ihnen in Konflikt mit dem Machtapparat gerieten. Otto Meckler habe sich von Anfang an als Gegner der Nationalsozialisten gezeigt, indem er verbot, in Uniform in die Kirche zu kommen, politisch kritische Predigten hielt, die Kirchenglocken läuten ließ und Prozessionen veranstaltete, auch wenn es verboten war. "Er wollte, dass in Meßkirch Religion ausgeübt werden kann", erklärte Weißhaupt. Sogar nachdem er in Schutzhaft genommen worden sei, habe er weitergemacht. Er sei offensichtlich ein Vorbild für seine Vikare geworden, die ebenfalls mit der Nazi-Diktatur in Konflikt gerieten, als auch für die Meßkircher Bevölkerung.

Die damaligen Ministranten Franz Hauber, Heinrich Heidegger und Josef Joos erzählten, wie die katholischen Schüler zum Pfarrunterricht im Herz-Jesu-Heim zusammen kamen. Dabei habe es keinen Konflikt mit der Hitlerjugend (HJ) gegeben. "Wenn wir wegen des Ministrantendienstes zu spät zur HJ kamen, war dies kein Problem", versicherte Hauber. Ein Zuhörer erstaunte sich darüber, dass Ministrant sein und HJ-Zugehörigkeit zusammenpasste. "In der HJ hat es uns natürlich Spaß gemacht, aber wir haben nicht vergessen, dass wir in die Kirche müssen", erzählte Franz Hauber.

Die Gesprächsrunde diskutierte über die Definition des Begriffs "Märtyrerpriester". Nur Kritik an einem totalitären System zu üben, würde nicht genügen, um als Märtyrer bezeichnet zu werden, waren sich alle einig. "Wem steht ein Urteil darüber zu?", gab ein Zuhörer zu bedenken. Offiziell bezeichne die Kirche jemanden als Märtyrer, wenn dieser für seinen Glauben einen gewaltsamen Tod sterben muss, so Weißhaupt. "Ich finde, nicht der Begriff ist wichtig, sondern entscheidend ist, dass jemand Position bezieht, mutig und aufrichtig ist", äußert sich ein Besucher. Weißhaupt betonte, dass er den Begriff in Bezug auf die vorgestellten Pfarrer ebenfalls kritisch betrachte. Seiner Meinung nach brauche Meckler kein Märtyrertum. Das würde dessen Mut nicht schmälern. Er sei tapfer und aufrichtig gewesen. Man müsse berücksichtigen, dass der Begriff einen Bedeutungswandel erfahren habe. Heutzutage würde er in Bezug auf die Selbstmordattentäter genannt, die sich selbst als Märtyrer verstehen, kam der Hinweis aus dem Publikum.

Conrad Gröbers Verhalten wurde ebenfalls kontrovers diskutiert. Die Teilnehmer der Gesprächsrunde betonten dessen positives Verhalten, kritisierten jedoch auch, dass er politisch nicht weit gehen wollte. "Man hätte aber aus heutiger Sicht von der Kirche erwartet, dass Gröber deutlicher Stellung bezieht", erwähnte eine Zuhörerin. Wenn die Kirche von der Spitze her mutiger gewesen wäre, hätte sie Widerständlern moralische Unterstützung geben können, meinte sie. Doch auch der Papst habe bis zum Krieg geschwiegen.

Ebenso unterstrichen die meisten, dass es von großer Bedeutung sei, sich noch heute mit der Nazi-Diktatur zu beschäftigen. Doch solle der Fokus nicht nur auf die Täter gerichtet werden, sondern auf die Mutigen, die sich widersetzt hatten. "Warum verstecken wir unsere Helden", äußerte Waldemar Gorzawski sein Unverständnis und regte das Anbringen von Gedenktafeln und Stolpersteinen an. Warum eine solche Gesprächsrunde ein Gewinn darstellt, darauf gab ein Zuhörer eine Antwort: "Aus den Biografien haben wir erfahren, dass kein System so totalitär ist, dass nicht Widerstand möglich wäre." Das zu sehen, sei ermutigend.

 

Priesterblock

Als Priester- oder Pfarrerblock werden drei Baracken im Konzentrationslager Dachau bezeichnet, in denen die Nationalsozialisten Pfarrer gefangen hielten. Bis 1940 wurden nur vereinzelt reichsdeutsche Priester ins Lager eingeliefert und nur für kurze Zeit. Ab dem Ende von 1940 hingegen überstellten sie alle arrestierten Geistlichen, unabhängig von ihrer Konfession, in diese Baracken in Dachau.