Wie sehr ein Thema bewegt, lässt sich manchmal an ganz banalen Dingen bemerken: Schon zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn gab es keinen freien Platz mehr. Der Andrang war riesig, als die Bürgerinitiative Mobilfunk Meßkirch am Donnerstagabend zur Informationsveranstaltung „Mobilfunk und seine Wirkung auf unsere Gesundheit“ mit Schwerpunkt 5G einlud, dem neuen Mobilfunkstandard, der derzeit flächendeckend ausgebaut werden soll.

Die Folgen der Mobilfunkstrahlung

Es waren nicht nur Zukunftszenarien, die der Referent und Mediziner Wolf Bergmann aus Freiburg dem Publikum erklärte. Seine Thesen sind nicht neu: Die Folgen der Mobilfunkstrahlung – überwiegend biologische Fehlinformationen im Körper, die durch die technischen Informationen ausgelöst würden – werden bereits seit Jahren von Kritikern über die früheren Mobilfunkstandards Bluetooth, UMTS, LTE, 3G, 4G, Wlan und andere genannt.

Nach Angaben von Bergmann greifen alle diese Strahlungen tief in die Lebenssteuerung ein und zerstören die Selbstregulierung des Körpers. Das führe zu sogenannten Multisystemerkrankungen mit Symptomen wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen. Auch Immunschwäche, Unfruchtbarkeit, neurobiologischen Erkrankungen und Krebs zählen zu den Folgen der Strahlungen.

Außerdem werde die Blut-Hirn-Schranke geöffnet, womit schädliche Substanzen und Eiweiße im Blut wie etwa Schwermetalle in das empfindliche Gehirn gelangen könnten.

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„5G wird zum Brandbeschleuniger“

Die Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G allerdings wird laut Bergmann alles bisherige in den Schatten stellen. Denn ihm zufolge soll dann flächendeckend alle 100 bis 150 Meter eine Sendestation eingerichtet werden, damit jedes Funkloch geschlossen wird. Hinzu kämen Tausende von Satellitenantennen. Diese sollen auch an Ampeln oder Straßenlaternen festgemacht werden.“5G wird zum Brandbeschleuniger und Klimakiller“, sagte Bergmann. Seiner Meinung nach müsse es heißen „Gesundheit zuerst, dann Digitalisierung.“ Es wäre wichtiger, erst die Risiken von 5G abzuklären, dann zu entscheiden.

Wolfgang Bergmann, Facharzt für Allgemeinmedizin und Referent am Donnerstagabend.
Wolfgang Bergmann, Facharzt für Allgemeinmedizin und Referent am Donnerstagabend. | Bild: Julia Lutz

Bürgerinitiative sammelt Unterschriften

Am Ende des Abends waren sich die etwa 60 Anwesenden fast einig: Auf allen Ebenen wollen sie Widerstand gegen den Ausbau leisten, denn sie eint die Sorge um die Auswirkungen, die diese Strahlung mit sich bringen kann. Die Bedenken reichen von gesundheitlichen Folgen und Umweltschäden über Bienensterben und Ressourcenausbeutung bis hin zum Datenmissbrauch.

Bergmann ermutigte die Besucher des Vortrags, sich zu wehren. In Freiburg habe das Aktionsbündnis „5G“ durch eine Unterschriftensammlung die Einberufung einer Einwohnersammlung erreicht. Dadurch sei das Thema Mobilfunk in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Die Meßkircher Bürgerinitiative sammelt derzeit Unterschriften, damit die Stadt Meßkirch ein kommunales Mobilfunk-Vorsorgekonzept in Auftrag gibt.

Arne Zwick, Bürgermeister der Stadt Meßkirch.
Arne Zwick, Bürgermeister der Stadt Meßkirch. | Bild: SK

Das sagt Bürgermeister Arne Zwick

„Ich halte von einem solchen Konzept gar nichts. Die Stadt würde einen Plan erstellen lassen der keinerlei Verbindlichkeit besitzt und ordentlich Geld kostet“, sagte Bürgermeister Arne Zwick auf Anfrage gegenüber dem SÜDKURIER. „Solange die gesetzlichen Vorgaben von allen Beteiligten eingehalten werden, sollten wir uns über den Ausbau der Infrastruktur freuen, ansonsten verlieren wir den Anschluss und das will ja auch niemand wirklich haben“, so der Bürgermeister weiter. Neben dem Standort in Rengetsweiler sind ihm zwei weitere Interessenbekundungen für Masten auf der Gesamtgemarkung Meßkirch bekannt. Die Verfahren seien jedoch noch ganz am Anfang.

Das Smartphone, so empfiehlt es Bergmann, sollte nicht direkt an den Kopf gehalten werden.
Das Smartphone, so empfiehlt es Bergmann, sollte nicht direkt an den Kopf gehalten werden. | Bild: Caroline Seidel

Tipps für den Alltag

Wolfgang Bergmann gab bei seinem Vortrag einfache Tipps zum Schutz vor Mobilfunkstrahlungen für den Alltag:

  • Den Wlan-Router und das Smartphone in der Nacht komplett abschalten, da der Flugmodus nicht ausreichend schützt
  • Im Zug, Auto und Fernbus auf das Smartphone verzichten. Weil sich das Smartphone regelmäßig ein neues Netz suchen muss, ist hier die Strahlenbelastung besonders hoch.
  • Das Internet über eine Kabelverbindung nutzen
  • Auf Funk-Tastaturen oder Mäuse verzichten
  • Regelmäßig Ausgleich in der freien Natur schaffen und das Handy zu Hause lassen
  • Beim Telefonieren das Smartphone mindestens einen Zentimeter vom Kopf entfernt halten oder über den Lautsprecher telefonieren

Renate Haidlauf ist Sprecherin der Bürgerinitiative Mobilfunk in Meßkirch.
Renate Haidlauf ist Sprecherin der Bürgerinitiative Mobilfunk in Meßkirch. | Bild: Julia Lutz

Die Bürgerintiative Mobilfunk Meßkirch

Renate Haidlauf lebt mit ihrer Familie in Rengetsweiler und ist Sprecherin der Bürgerinitiative Mobilfunk in Meßkirch und Umgebung. Sie engagiert sich in der Aufklärung zu gesundheitlichen, umweltbezogenen und sozialen Folgen der Belastung durch Mobilfunk. Derzeit hat sie sechs weitere Mitstreiter.

Seit wann gibt es die Bürgerinitiative Mobilfunk in Meßkirch?

Die Bürgerinitiative Meßkirch gibt es seit Juli letzten Jahres. Wir haben uns zusammengetan, weil in Rengetsweiler ein neuer Mobilfunkmast aufgestellt werden sollte. Bisher treffen wir uns unregelmäßig alle paar Wochen, da wir bisher nur sieben Mitglieder haben.

Was ist das erklärte Ziel ihres Engagements?

Wir möchten die Menschen in der Region aufklären, informieren, aber auch warnen über die Auswirkungen des Mobilfunks. Wir sammeln Unterschriften mit dem Anliegen, dass die Stadt Meßkirch ein kommunales Mobilfunk-Vorsorgekonzept im Raum Meßkirch durchführen lässt. Dabei wird untersucht, welcher Standort für eine Anlage effizient und gesundheitsverträglich ist.

Nutzen Sie selbst das Handy?

Ich habe ein altes Handy, um für meine Jungs erreichbar zu sein, nicht um andere zu erreichen. Zuhause sind alle Räume für das Internet verkabelt. Wir nutzen möglichst wenig das Wlan und sind achtsam im alltäglichen Umgang. Ich mache das Wlan deshalb gerne aus.

  • Ansprechpartnerin für die Bürgerinitiative Mobilfunk Meßkirch ist Renate Haidlauf in Rengetsweiler, Telefon 0 75 78/93 38 48.

Fragen Julia Lutz