Kleine Kügelchen sprühen nach allen Seiten wie Sternenstaub davon. Dort, wo sie in der Meßkircher St.-Martins-Kirche auftreffen, verschwindet der Grau- und Schmutzschleier, der jahrzehntelang die Objekte, Gemälde sowie Wand und Decke überzog. Das Reinigungsverfahren, mit dem die Firma Bunz und Bunz seit Mai diesen Jahres die Raumschale der Kirche behandelt, gibt dem Kirchenraum nahezu seine ursprüngliche Wirkung zurück.

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Technik speziell auf St. Martin abgestimmt

Der Bauförderverein St. Martin hatte dazu eingeladen, sich die Fortschritte in der Kirche anzusehen. Auf einem Monitor konnten die Besucher mitverfolgen, wie die Restauratoren bei der Reinigung der Raumschale vorgehen. Dabei staunten sie, wie anscheinend leicht sich der Schmutz dort löst, wo die winzigen Kügelchen des Latexgranulats auf Material treffen. Dass der Vorgang nicht mit dieser Leichtigkeit geschieht, sondern auf einer intensiven Vorarbeit, Recherche und ausgeklügelter Technik basiert, das erfuhren die Besucher direkt von Restaurator Raymond Bunz aus Owingen. Er verfeinert permanent die bereits in den 1980er-Jahren von Alfred Kauder im Baden-Württembergischen Kirchheim Teck erdachte Reinigungstechnik, die sich aufgrund des technischen Aufwands noch nicht in der Restaurierung etablieren konnte.

Raymond Bunz (Dritter von links, mit schwarzer Brille) erläutert den Besuchern in der St.-Martins-Kirche, wie seine Reinigungstechnik funktioniert.
Raymond Bunz (Dritter von links, mit schwarzer Brille) erläutert den Besuchern in der St.-Martins-Kirche, wie seine Reinigungstechnik funktioniert. | Bild: Michelberger, Isabell

Verfahren auch in der Denkmalpflege beliebt

Karl Hermann vom Bauförderverein St. Martin begrüßte die zahlreichen „Freunde der St.-Martins-Kirche“, die sich vom Fortgang der Renovierungsarbeiten überzeugen wollten. Er berichtete, dass das neue Verfahren der Reinigung auch bei der Denkmalpflege hoch im Kurs stehe, da es äußerst bestandsschonend vonstattengehe. Um in jeden Winkel der Kirche vordringen zu können, habe der Restaurationsbetrieb darüber hinaus einen speziellen Hubsteiger entwickelt und bauen lassen.

Der Hubsteiger wurde speziell für diese Arbeit entwickelt.
Der Hubsteiger wurde speziell für diese Arbeit entwickelt. | Bild: Raymond Bunz

Besondere Situation in Meßkirch

„Das ist ein Verfahren mit besonderer Nachhaltigkeit“, erklärte Restaurator Raymond Bunz. Dadurch, dass der Schmutz sehr schonend entfernt werde, müsse keine Stelle übermalt und somit verändert werden. Ebenso sei es möglich, eine solche Reinigung ohne Einbußen jederzeit zu wiederholen. „In Meßkirch haben wir eine besondere Situation, dass die zuletzt 1970 restaurierte Raumfassung weitgehend dem barocken Zustand entspricht“, berichtet der Restaurator. Insofern kann durch die Reinigung nahezu der Originalzustand wieder hergestellt werden.

Wie viel Schmutz sich in den vergangenen Jahrzehnten angesammelt hat, lässt sich an den hellen Figuren gut erkennen.
Wie viel Schmutz sich in den vergangenen Jahrzehnten angesammelt hat, lässt sich an den hellen Figuren gut erkennen. | Bild: Raymond Bunz
Das Ergebnis nach der Reinigung.
Das Ergebnis nach der Reinigung. | Bild: Raymond Bunz

40 Eimer Granulat pro Tag

Das Granulat wird nach den Vorgaben des Restaurators angefertigt. Es landet bei der Reinigung auf dem Boden und wird von dort mit einem Staubsauger aufgesaugt, gereinigt und kann dann wieder eingesetzt werden. „Die Reinigung der Latexkügelchen haben wir selbst entwickelt“, berichtete Raymond Bunz. 40 große Eimer würden pro Tag benötigt.

Schmutz ließ alles hinter einem Grauschleier verschwinden.
Schmutz ließ alles hinter einem Grauschleier verschwinden. | Bild: Raymond Bunz
Nach der Reinigung kommen die Farben wieder besser zum Vorschein.
Nach der Reinigung kommen die Farben wieder besser zum Vorschein. | Bild: Raymond Bunz

Risse nach Reinigung kaum noch sichtbar

Auch der Schmutz in den Rissen werde mit dieser Methode entfernt. Nach der Reinigung seien diese dann kaum noch sichtbar. „Müssen die Risse jetzt nicht geschlossen werden?“, wollte ein Besucher wissen. In den meisten Fällen sei das nicht nötig, erklärte der Restaurator. Ein Gebäude sei ständig in Bewegung und die Risse fungierten sozusagen als Puffer. Verklebe man sie an einer Stelle, würden sich an einer anderen Stelle neue bilden.

Schmutz lagert sich besonders in den Rissen ab. Ist er entfernt, sind auch die Risse kaum mehr zu sehen.
Schmutz lagert sich besonders in den Rissen ab. Ist er entfernt, sind auch die Risse kaum mehr zu sehen. | Bild: Raymond Bunz
Das ist das gereinigte Bild.
Das ist das gereinigte Bild. | Bild: Raymond Bunz

Schimmel hat manche Stellen bereits beschädigt

Die Besucher erfuhren, dass die Reinigung der Raumschale überfällig war. „Es gibt auch schon optische Schäden“, erklärte der Restaurator. Die lang anhaftenden Schmutzpartikel hätten dafür gesorgt, dass sich Schimmelpilze bilden konnten. Manche Stellen hätten darunter bereits gelitten.