Rund zwei Millionen Euro investiert das Schreinerei-Unternehmen Keller in einen Neubau am Firmensitz im Meßkircher Industriegebiet West nahe Heudorf. Im Frühjahr kommenden Jahres soll das Gebäude nach den bisherigen Planungen fertig sein. Voraussichtlich Ende Februar 2019 soll der Neubau bezugsfertig sein, sagte Andreas Keller am Montag vor einem symbolischen Spatenstich auf dem Firmenareal im Industriegebiet auf eine entsprechende Frage von Bürgermeister Arne Zwick. Dieser hatte gesagt, dass es das Unternehmen Keller im dritten Anlauf erfolgreich geschafft habe, an Fördermittel aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) des Landes Baden-Württemberg zu kommen. Durch die Verlagerung der Produktion aus Heudorf in den Neubau im Industriegebiet erfülle dieses Projekt eine der Anforderungen des ELR-Programms, sagte Zwick in einer kurzen Ansprache. Für die Nutzung der künftig leeren Produktionsräume gebe es noch keine Pläne, sagte Andreas Keller am Rande des Spatenstichs in einem SÜDKURIER-Gespräch.

Stephan (links) und Andreas Keller, gleichberechtigte Chefs des gleichnamigen Heudorfer Unternehmens, vor einem Waschbecken aus einem modernen Feinstein-Werkstoff.
Stephan (links) und Andreas Keller, gleichberechtigte Chefs des gleichnamigen Heudorfer Unternehmens, vor einem Waschbecken aus einem modernen Feinstein-Werkstoff. | Bild: Dieterle-Jöchle, Manfred

Er hatte in seiner Rede deutlich gemacht, dass er gemeinsam mit seinem Bruder Stephan – beide teilen sich die operative Geschäftsführung – weiter auf Wachstum und damit auch auf mehr Arbeitsstellen im Unternehmen setzt. Aktuell werden ein Küchenfachberater und zwei Schreiner gesucht. Obendrein gibt es auch noch eine offene Ausbildungsstelle für einen zukünftigen Schreiner. Zurzeit arbeiten im Betrieb 21 Männer und Frauen – darunter vier Azubis. Erst unter den künftigen räumlichen Bedingungen am Standort im Industriegebiet sei ein Personalaufbau gut zu organisieren. Mit dem „lichtdurchfluteten“ Neubau will Andreas Keller das Unternehmen attraktiver für neue Mitarbeiter und auch für den Nachwuchs machen. So wird es dort einen neuen Aufenthalts- und Sozialraum geben. Und die neuen Räume sollen auch mehr Möglichkeiten schaffen, um eine projektbezogene Ausbildung anbieten zu können. Andreas Keller dankte seiner Belegschaft, dass sie ihm zurzeit den Rücken freihalten würde, sodass er sich um das Neubau-Projekt kümmern könne. Vor allem im Bereich Logistik erhoffen sich Andreas und Stephan Keller Verbesserungen durch den Neubau. Die Abläufe sollen auch durch eine große Garage optimaler gestaltet werden.

So soll der Neubau von der Straße in Richtung Heudorf aus aussehen. <em>Animationen: Architekturbüro Mauch Offner</em>
So soll der Neubau von der Straße in Richtung Heudorf aus aussehen. Animationen: Architekturbüro Mauch Offner | Bild: Architekturbüro Mauch Offner

Neben gehobenen Laden-Einrichtungen und dem Bau von Küchen oder Bädern würden auch weiter die üblichen Aufträge für eine Schreinerei angenommen, versicherte Andreas Keller. „Wir werden die Dorfschreinerei bleiben“, sagte er. Und dabei spiele es keine Rolle, wie groß der Auftrag sei. Daneben setzt Keller darauf, dass im Betrieb nicht nur Holz, sondern auch Glas und Metallim Betrieb verarbeitet werden kann. Und bisher sehr erfolgreich war nach den Angaben von Andreas Keller die Zusammenarbeit mit einem Materialhersteller aus Rehau. Das Unternehmen trägt den Namen des Ortes, wo sich der Firmensitz findet. Eng arbeite das Meßkircher Unternehmen Keller mit Rehau in einem Segment der Materialentwicklung zusammen. Bei Keller werden aus dem Werkstoff auf Feinsteinbasis beispielsweise Duschwannen oder Waschbecken hergestellt. Daneben haben Fachleute des Meßkircher Unternehmens solche Materialien im VIP-Bereich eines bekannten Münchner Bundesliga-Vereins eingebaut. Und zunehmend mehr würden entsprechend hochwertige Laden-Einrichtungen von bekannten Lebensmittelkonzernen nachgefragt, wie Andreas Keller und sein Bruder Stephan am Rande des Spatenstichs sagten. Zurückblicken können sie auf ein 120-jährige Firmengeschichte – ihr Urgroßvater hatte die Schreinerei gegründet, auf der das heutige Unternehmen fußt. Ihr Vater Siegfried ist als Seniorchefin aktiv, die Übergabe an die Söhne wurde begonnen und erfolgt weiter Schritt für Schritt.

So soll der Neubau aus Sicht aus dem Industriegebiet Heudorf aussehen.
So soll der Neubau aus Sicht aus dem Industriegebiet Heudorf aussehen. | Bild: Architekturbüro Mauch Offner

Alexandra und Anita Hofmann, die Meßkircher Schlagerstars, waren auch Gäste des Spatenstichs. Alexandra Hofmann sagte auf Nachfrage, schließlich sei Andreas Keller ihr Trauzeuge gewesen. Die Hofmannn-Schwestern mussten allerdings nur wenige Minuten nach dem symbolischen Spatenstich schon wird los.

Dreimal Zuschüsse vom Land

Das Schreinerei-Unternehmen Keller ist der dritte Betrieb im Industriegebiet West, der einen Zuschuss aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) erhält:

  • Geld vom Land: Mit 200 000 Euro bezifferte Bürgermeister Arne Zwick die Höhe des ELR-Zuschusses für das Neubau-Projekt der Keller Innenausbau GmbH. Jeweils deutlich über eine Million Euro investieren die beiden Meßkircher Unternehmer Manuel Nabenhauer sowie Jürgen Alber in ihre Firmensitze, die sich ebenfalls im Industriegebiet West nahe Heudorf finden. Beide wollen ebenfalls ihre Betriebe erweitern und haben dafür einen Landeszuschuss aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) beantragt. Und beide haben den Zuschlag für einen Zuschuss in Höhe von zehn Prozent der förderfähigen Kosten erhalten, wie sie im März während eines Pressetermins im Rathaus gemeinsam mit Bürgermeister Zwick bekannt gaben. Wie Zwick am Montag sagte, fließen insgesamt 530 000 Euro an ELR-Mitteln nach Meßkirch. Bezuschusst wird auch der Umzug des Bestattungsunternehmens Stoll aus der Altstadt.
  • Die Planungen: Der Keller-Neubau mit einer Fläche von 2000 Quadratmetern wird ein Niedrigenergie-Gebäude, dass heiztechnisch völlig autark sein wird. „Wir brauchen kein Heizöl mehr“, sagte Andreas Keller am Montag. Zum einen werden Holzreste und Holzteile beispielsweise von ausgebauten Küchen verheizt, zum anderen wird die Energie der Abluft genutzt. In einem zweistöckigen Neubau mit einer Grundfläche von 300 Quadratmetern will Diplomingenieur Manuel Nabenbauer vor allem Platz für Arbeitsplätze der Verwaltung schaffen. Bisher seien die bestehenden Arbeitsbedingungen sehr beengt, sagte er im März. Ferner sollen neue Parkplätze für das Sanitär- und Heizungsunternehmen geschaffen werden. Und obendrein ist vorgesehen, den Altbau zu sanieren. Im Neubau soll ein Großraumbüro geschaffen werden, das aber sehr wohl auch Rückzugsmöglichkeiten für die Beschäftigten biete. Bisher beschäftigt Manuel Nabenhauer 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Planungen für die Erweiterung gehen von künftig bis zu 50 Beschäftigten aus, wie er sagt. Beim Holz- und Treppenbau-Unternehmen Alber ist die geplante neue Halle vor allem nötig, um für die Fertigung beider Unternehmensteile mehr Platz zu schaffen. Zunehmend mehr Elemente, beispielsweise für Gewerbebauten, würden in den Hallen im Weidenäcker vorgefertigt, erklärt Ingenieur Jürgen Alber. Zurzeit beschäftigt Alber 65 Menschen. (dim)