Eines der größten kommunalen Feste der Meßkircher Stadtgeschichte war 1961 die Feier zum 700-jährigen Bestehen. Noch niemals zuvor hatte Meßkirch ein Orts- oder Stadtjubiläum gefeiert. Dem Heimatforscher Eugen Eiermann war es zu verdanken, im Generallandesarchiv Karlsruhe ein jubiläumstaugliches Dokument ausfindig gemacht zu haben. In dieser Urkunde aus dem Jahr 1261, die anlässlich eines Gütertauschs des Klosters Salem angefertigt worden war, wird Meßkirch erstmals ausdrücklich als „civitas“ und „oppidum“, also als Stadt erwähnt. Die Stadtverwaltung unter Bürgermeister Siegfried Schühle nahm dies zum Anlass, ein Jubiläumsprogramm auf die Beine zu stellen, bei dem alle Register gezogen wurden.

Beim Heimatabend stehen der damalige Bürgermeister Siegfried Schühle (links) und Martin Heidegger auf der Bühne der Stadthalle.
Beim Heimatabend stehen der damalige Bürgermeister Siegfried Schühle (links) und Martin Heidegger auf der Bühne der Stadthalle. | Bild: Stadtarchiv Meßkirch

Die Festwoche begann am 22. Juli mit der Eröffnung einer „Leistungsschau der heimischen Wirtschaft“ in der Viehmarkthalle. Gegen Abend folgte die Enthüllung eines Denkmals für den Meßkircher Ehrenbürger und Freiburger Erzbischof Conrad Gröber durch dessen langjährigen Sekretär, den aus Meßkirch stammenden Religionsphilosophen Professor Bernhard Welte an der Fassade der Johann-Nepomuk-Kapelle. Am gleichen Abend folgte in der Stadthalle ein von Meßkircher Vereinen gestalteter „Heimatabend“ mit einer Ansprache des prominentesten Meßkircher Ehrenbürgers, des Philosophen Martin Heidegger, der sich über „Meßkirch morgen“ im technischen Zeitalter kritische Gedanken machte.

Die Festansprache des Heimatabends hält Martin Heidegger (rechts). Unser Bild zeigt ihn mit Paula Sauter.
Die Festansprache des Heimatabends hält Martin Heidegger (rechts). Unser Bild zeigt ihn mit Paula Sauter. | Bild: Stadtarchiv Meßkirch

Beim Festgottesdienst am Sonntag wurde in der Stadtkirche St. Martin durch den Kirchenchor eine neu entdeckte Orchestermesse von Conradin Kreutzer aufgeführt. Im Anschluss folgte in der Aula des Progymnasiums der vielleicht größte Paukenschlag dieser Festwoche, die Eröffnung einer Ausstellung mit Werken des Meisters von Meßkirch durch Joachim Erbprinz zu Fürstenberg, den Hauptleihgeber dieser Ausstellung, und Christian Altgraf zu Salm, Oberkonservator der Bayerischen Gemäldesammlung in München, der 1950 eine Dissertation über den Meister von Meßkirch vorgelegt hatte. Nachmittags konnte im Kupferschmiedschen Haus Eugen Eiermann das neugestaltete Heimatmuseum nach langer Pause wiedereröffnen.

Eugen Eiermann bei der Eröffnung des Meßkircher Heimatmuseums.
Eugen Eiermann bei der Eröffnung des Meßkircher Heimatmuseums. | Bild: Stadtarchiv Meßkirch
Christian Altgraf zu Salm (rechts), Oberkonservator der Bayerischen Gemäldesammlung in München, der 1950 eine Dissertation über den Meister von Meßkirch vorgelegt hatte, kam 1961 zur Eröffnung der Ausstellung mit Werken des Meisters von Meßkirch in die Kreutzerstadt.
Christian Altgraf zu Salm (rechts), Oberkonservator der Bayerischen Gemäldesammlung in München, der 1950 eine Dissertation über den Meister von Meßkirch vorgelegt hatte, kam 1961 zur Eröffnung der Ausstellung mit Werken des Meisters von Meßkirch in die Kreutzerstadt. | Bild: Stadtarchiv Meßkirch

Am Montag gab es im Jahnstadion einen „Tag der Jugend und des Sports“. Am Dienstag folgte auf dem Stadthallenvorplatz ein „Tag der Landwirtschaft“ und abends in der Stadthalle ein „Bunter Landvolk-Abend“. Am Mittwoch folgte in der Viehmarkthalle ein „Tag der heimischen Wirtschaft“ und zum Ende der dort gezeigten Leistungsschau in der Stadthalle eine „Kundgebung der heimischen Wirtschaft“ unter Beteiligung von Wirtschaftsminister Leuze aus Stuttgart.

Einen weiteren großartigen und letzten Höhepunkt des Meßkircher Stadtjubiläums brachte dann das folgende Wochenende, als in der Stadthalle Conradin Kreutzers Erfolgsoper „Das Nachtlager in Granada“ zwei Mal aufgeführt wurde. Die unter Leitung des Meßkircher Chorleiters Max Kohler stehende Aufführung wurde am Samstag sowie auch am Sonntag gestaltet von Solisten des Staatstheaters in Karlsruhe, vom Bodensee-Sinfonie-Orchester Konstanz und vom Meßkircher Kreutzer-Chor, der die Chorpartien übernahm.

Die Kreutzer-Oper "Das Nachtlager in Granada" wurde zwei Mal gezeigt.
Die Kreutzer-Oper "Das Nachtlager in Granada" wurde zwei Mal gezeigt. | Bild: Stadtarchiv Meßkirch

Werke des Meisters zu sehen

Wohl der Höhepunkt zum Stadtjubiläum 1961 war eine Ausstellung mit Werken des Meisters von Meßkirch in der Aula des Progymnasiums am Kirchberg.

Zwei Wochen lang war hier ein repräsentativer Querschnitt aus dem Werk des namentlich unbekannten Meisters zu sehen, der erst jüngst durch die Große Landesausstellung 2017 in der Staatsgalerie Stuttgart auch außerhalb von Fachkreisen zu der ihm gebührenden landesweiten Bekanntheit gelangt ist. Die Meßkircher Ausstellung von 1961 war die bis dahin erste und einzige Ausstellung von Bildern des Meisters von Meßkirch.

Mehrere Hauptwerke des Meisters waren in Meßkirch zu bewundern: Als Leihgaben aus den Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen in Donaueschingen hatte man den Wildensteiner Altar sowie den Falkensteiner Altar herangeschafft, wobei letzterer zusammen mit den beiden zugehörigen Seitenflügeln aus der Staatsgalerie Stuttgart erstmalig in seinem ursprünglichen Zusammenhang zu bestaunen war. Ebenfalls erstmalig zusammengeführt wurde der ehemalige Hochaltar der Meßkircher Stadtkirche mit dem Dreikönigsbild als Mittelstück. Die zugehörigen Seitenflügel kamen ebenfalls aus Donaueschingen sowie aus der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München. Aus Donaueschingen kam schließlich auch als Einzelstück das Andachtsbild „Christus am Kreuz“ im silber-verzierten Rahmen, das seinen Platz einst im Meßkircher Schloss hatte.

Ferner waren von den zwölf Passionsaltären von St. Martin zu sehen die Mitteltafel eines Seitenaltars, darstellend die Geißelung Christi, sowie zwei Drehflügel aus der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, zwei Standflügel aus dem Besitz des Grafen Bodman, die beiden Flügelaltäre aus der Bischöflichen Gemäldesammlung St. Gallen, schließlich das Sigmaringer Hausaltärchen und zwei Drehflügel aus der Fürstlich Hohenzollernschen Galerie in Sigmaringen. Abgerundet wurde die Ausstellung durch 22 Urkunden zur Stadtgeschichte, die der damals zuständige Kreisarchivar Franz Götz zusammengetragen hatte. (ah)