Nach vielen Vorbereitungen durch das Bildungswerk, die katholische Kirchengemeinde und die Stadtverwaltung fand am vergangenen Sonntag der Festtag zu Ehren des heiligen Heimrad (*950/965-1019) statt. Sein 1000. Todestag wurde mit einem feierlichen Hochamt und einem Empfang im und am Herz-Jesu-Heim in Meßkirch begangen.

Begegnung von Kirchengemeinde und Bürgern im Kastaniengarten am Herz-Jesu-Heim – links im Bild Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick, rechts Stadtpfarrer Stefan Schmid.
Begegnung von Kirchengemeinde und Bürgern im Kastaniengarten am Herz-Jesu-Heim – links im Bild Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick, rechts Stadtpfarrer Stefan Schmid. | Bild: Stefan Blanz

Ob Hymnus, Kyrie, Zwischengesang, Predigt, Hochgebet oder Schlusssegen: alle liturgischen Elemente des Festgottesdienstes nahmen Bezug auf den heiligen Heimrad. Die musikalische Klammer bildete dabei das Heimradslied, das vom Meßkircher Heimrad-Forscher Karl Sauter gedichtet wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

Stadtpfarrer Stefan Schmid beschrieb den heiligen Heimrad in seiner Predigt auf das Anderssein im Spannungsfeld zwischen Social Proof und authentischer Berufung. „Social Proof ist zum Beispiel, wenn der Pfarrer bekannt gibt, dass die Kollekte der Renovierung der Kirche zugedacht wird, der Erste einen 100-Euro-Schein in den Klingelbeutel wirft und daraufhin alle anderen ebenfalls einen 100-Euro-Schein hineinwerfen“, erklärte Schmid.

Heimrad ist dem nicht auf den Leim gegangen

Solche Phänomene entstünden, wenn sich die Menschen als Gemeinschaftswesen an dem orientieren, was die anderen, was alle machen. „Dem Social Proof ist Heimrad nicht auf den Leim gegangen. Er ist ein Außenseiter geworden, einer, der seiner Berufung folgt“, so Pfarrer Schmid. „Er macht aber auch nicht sein Ding, sondern er macht das Ding Jesu.“ Heimrad lebte aus seiner Beziehung zu Jesus Christus. Pfarrer Schmid endete mit der Frage: „Wie authentisch leben wir? Folge ich wirklich Jesu nach?“

Das könnte Sie auch interessieren

Im Anschluss an den Festgottesdienst hatte die Stadt zum Empfang in den Kastaniengarten eingeladen. Bürgermeister Arne Zwick hob dort die Bedeutung Heimrads für die Stadtgeschichte hervor. „Er ist doch sozusagen unser erstes Genie, der Begründer des Geniewinkels“, sagte Zwick und erklärte weiter: „Er ist deshalb von besonderer Wichtigkeit für die Stadtgeschichte. Er war auch der erste Botschafter der Stadt, indem er ihren Namen in die damalige Welt hinausgetragen hat“.

Diese Figur stellt den heiligen Heimrad dar.
Diese Figur stellt den heiligen Heimrad dar. | Bild: Stefan Blanz

Und selbst wenn es auf den ersten Anschein nicht so aussieht, kann der Bürgermeister dem Stadtheiligen auch eine politische Dimension abgewinnen: „Der heilige Heimrad war ein geradliniger Mensch, der für seine Überzeugungen eingestanden ist. Er wählte deshalb einen unbequemen Weg und hat natürlich auch für die heutige Zeit interessante Aussagen. Zum Beispiel: bleibe deinem Weg treu und bleibe authentisch. Stehe zu deiner Meinung und vertrete sie auch. Das ist heute wichtig und das hat er damals so vorgelebt“, so Zwick. Kein Wunder also, dass Heimrad auch seinen Platz im Heimatmuseum hat. Museumsleiter Armin Heim hat ein Archiv angelegt, in dem Forschungsbeiträge und Fundstücke versammelt sind.

Engagement für das Heimrad-Andenken

In seiner Ansprache hob Zwick auch die Bedeutung des Ehrenamts für die Aufarbeitung der Historie hervor. „Schön ist es, dass wir engagierte Bürger haben und hatten, die sich mit unserem kulturellen Erbe aktiv auseinandersetzen und es so vor dem Vergessen bewahren. Dieser Beitrag ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Das Ehrenamt leistet da einen unheimlich wichtigen Beitrag“, so Zwick. In diesem Zusammenhang erinnerte er an die Heimrad-Forscher Karl Sauter, Christoph Witt und Wolfgang Teyke, ohne deren Engagement das Heimrad-Andenken nicht auf dem heutigen Stand wäre.