Im Rahmen der Ausstellung „Priester unter Nazi-Herrschaft – Der Märtyrerpriester Dr. Metzger, Pfarrer Meckler und andere mutige Priester unserer Heimat“ im kleinen Saal des Herz-Jesu-Heims stellte Christian Heß den Pfarrer Max Josef Metzger vor. Der Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars Freiburg ging auf die Biografie Metzgers ein, auf seine Glaubensauffassung sowie auf das daraus resultierende politische und gesellschaftliche Handeln. Dem Vortrag schloss sich eine angeregte Diskussion an.

Christian Heß, der über Max Josef Metzger promoviert hatte, stellte den Priester als mutigen Menschen, Visionär und intelligenten Denker vor. Dessen Freund Wilhelm Baumeister habe ihm eine „geradezu fantastische Universalität in allen Dingen des Lebens und der Wissenschaft“ bescheinigt. Er sei Lehrer, Prediger, Organist, Komponist, Schriftsteller, Verleger, Organisator und anderes gleichzeitig gewesen.

Seine Christkönigsverehrung habe Metzger zu einem unermüdlichen Kämpfer für den Frieden werden lassen. Er habe sich sowohl für die Erneuerung des Christentums als auch für die Ökumene eingesetzt. Angesichts der Herausforderungen im Nationalsozialismus habe er gezeigt, dass „wir nur als ganze Menschen – mit Herz, Verstand und Tatkraft – Zeugnis für Christus ablegen können“. Außerhalb wie innerhalb der Kirche sei er durch seine Unangepasstheit immer wieder angeeckt.

Metzger hatte sich in vielfältiger Weise für eine Friedensbewegung engagiert. Er habe 1919 die „Missionsgesellschaft vom Weißen Kreuz“ gegründet und sei an der Gründung des „Friedensbundes deutscher Katholiken“ beteiligt gewesen, aus der Pax Christi hervorging. Er habe Ende der 1920er Jahre karitative Einrichtungen aufgebaut und in jener Zeit zu den Ersten in der katholischen Kirche gezählt, die sich für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung eingesetzt hatten. „Metzger bezog sich auf das Bild des Friedenskönigs Christus, der ausgehend von der Bergpredigt alle Menschen zum Verzicht auf Gewalt und zur Förderung des Friedens aufruft“, beschrieb Christian Heß.

Ebenso deutlich habe er sich gegen die Vertreter von Militär und Rüstungsindustrie gewandt. Seine Vision von Frieden war ihm so wichtig, dass er ihr sein eigenes Leben opferte. Als sein Memorandum, in welchem er die Möglichkeit einer friedlichen Zukunft eines demokratischen Deutschlands in einem geeinten Europa entwickelte, in die Hände der Nazis geriet, wurde er wegen „Hochverrats und Feindbegünstigung“ angeklagt, inhaftiert und 1944 hingerichtet. Auf Nachfrage erläuterte Heß, dass das Verhältnis von Metzger zur Kirche angespannt gewesen sei. Er sei zwar ein loyales Mitglied gewesen, habe sich jedoch gegen verkrustete Strukturen gewehrt. Doch da sie sich für Metzgers Seligsprechung einsetze, beweise sie, dass sie sein Leben als vorbildlich und nachahmenswerte betrachte.

Conradin Gröber habe Metzger von Kindesbeinen an gekannt und ihn als aufmüpfigen Schüler wahrgenommen. „Zwischen beiden muss ein tiefgreifendes Missverständnis bestanden haben“, erläuterte Heß. Später, als Metzger in Haft saß, habe sich Gröber für ihn eingesetzt, allerdings in einer Nazi-Terminologie. Heß geht davon aus, dass Gröber eingesehen habe, dass er viele Fehler während der Naziherrschaft begangen habe. Später habe er sich jedoch integrativ für die Gesellschaft eingesetzt. „Ich halte die Idee für gut, eine Fachtagung über Conradin Gröber abzuhalten“, bestätigte er.

Denn Erinnern heiße ja, aus der Geschichte zu lernen. Personen sollten nicht unkritisch aufs Podest gesetzt werden, es sollten jedoch eine Entwicklung und ein Lerneffekt berücksichtigt werden. Er riet, auch angesichts der heutigen Kriegsbedrohungen, sich gut zu informieren und sich zu positionieren. Die Christen müssten mit offenen Augen glauben.

Christkönigsgesellschaft

1919 gründete Metzger die „Missionsgesellschaft vom Weißen Kreuz“, die 1927 in Christkönigsgesellschaft umbenannt wurde und in Meitingen als Christkönigsinstitut fortbesteht. Das Ziel der ersten Gemeinschaft bestand darin, die Erneuerung des Christentums auf Basis des Evangeliums und der Arbeit für den Frieden anzustreben. Die ordensähnliche Gemeinschaft stand unter dem Leitwort „Christus muss König sein“ und sollte dazu beitragen, dass Christus in Kirche und Gesellschaft den wichtigsten Platz einnimmt.

Das sagen Zuhörer über den Vortrag und Max Josef Metzger

Doris Muth: "Mir hat der Vortrag sehr gut gefallen. Er war klar strukturiert und auch für jemanden verständlich, der sich mit der Kirchengeschichte nicht so gut auskennt. Ich hätte allerdings gerne mehr zur Verhaftung von Metzger sowie zu den Gründen, die dazu führten, erfahren sowie zu seiner Rolle während des Nationalsozialismus."

Anton Walz: "Den Lebensweg von Max Josef Metzger kannte ich nur grob. Deshalb war es sehr interessant für mich, mehr von ihm zu erfahren und wie er zum Staat stand. Was mir an dem Vortrag auch gut gefallen hat, ist, dass Dr. Christian Heß betonte, dass man das Verhalten von Erzbischof Conradin Gröber im Lichte seiner Zeit sehen muss. Übrigens wird in den Zeitungen immer wieder geschrieben, dass beim Conradin-Gröber-Straßenschild in Freiburg ein Zusatz angebracht sei. Das stimmt aber nicht."

Theresia Löchel-Gittel: "Der Vortrag war sehr gut. Gefehlt hat mir das Verhalten der Amtskirche im Nationalsozialismus. Man hat den Eindruck, die Pfarrer, die sich gegen die Nazis stellten, wurden allein gelassen. Dabei hätte die Kirche doch eine gewisse Macht gehabt. Menschen, die sich wie Metzger verhielten, sind zu bewundern."

Klaus Löffler: "Die Ausführungen von Christian Heß waren sehr aufschlussreich. Ich hatte zwar schon von Max Josef Metzger gehört, doch nicht in einem solchen Umfang. Es war interessant zu hören, wie er sich gegenüber dem Staat und der Kirche verhalten hat. Die Ausstellung zu den Priestern, die in Meßkirch waren und sich nicht den Nazis anpassten, möchte ich mir jetzt noch anschauen."