Das Weihen von Kräutern an Maria Himmelfahrt hat in der katholischen Kirche eine lange Tradition und gehört zu den ältesten Bräuchen der Gläubigen. Wohl ebenso alt ist die Handhabung, die gesammelten Kräuter und Blumen zuvor kunstvoll zu einem Sträußchen zusammenzubinden.

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Kräuterbuschen, Kräuterboschen, Weihbuschel, Würzwisch oder Weihbüschel werden diese Gebinde genannt, erfuhren die Teilnehmer der Kräuterwanderung mit Anita Metz vom Schwäbischen Albverein Meßkirch am vergangenen Mittwochnachmittag.

Zutaten für den Strauß

Zur Pflege des Brauchs gehen sie und ihr Mann Jochen bereits seit drei Jahren gemeinsam mit naturinteressierten und die christliche Tradition pflegenden Wanderern einen Tag vor Maria Himmelfahrt durch Wald und Wiesen, um die Zutaten für die Weihbüschel zu suchen und zu schneiden. Zehn Teilnehmerinnen machten sich dieses Mal auf die Suche nach den Kräutlein, die der Tradition nach in dem Strauß, der am Tag darauf in der Kirche geweiht werden sollte, nicht fehlen durften.

Mitten in der Blütenpracht: Anita Metz vom Schwäbischen Albverein Meßkirch leitete zum dritten Mal eine Kräuterwanderung und das Weihbüschelbinden am Tag vor Maria Himmelfahrt an.
Mitten in der Blütenpracht: Anita Metz vom Schwäbischen Albverein Meßkirch leitete zum dritten Mal eine Kräuterwanderung und das Weihbüschelbinden am Tag vor Maria Himmelfahrt an. | Bild: Christl Eberlein

Bereits zu heidnischen Zeiten sei es üblich gewesen, im Sommer Heilpflanzen zu schneiden und zu trocknen, die man im Winter brauchen konnte, erzählte Anita Metz.

Sieben bis zwölf Kräuter enthalten

Sieben bis zwölf Kräuter kommen in den traditionellen Weihbüscheln, darunter Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Kamille, Thymian, Baldrian, Eisenkraut und die verschiedenen Getreidesorten. Je nach Region und Gefallen bindet man in die Kräuterbuschen allerdings viele weitere Pflanzen- und Blütensorten. Die sollen Menschen, Häuser und auch die Tiere auf den Höfen schützen.

Früher das einzige Heilmittel

Der Tee aus den geweihten Kräutern sei besonders heilsam, krankes Vieh werde durch geweihte Kräuter im Futter schnell gesund und zum Schutz vor Blitzschlag bei Gewitter sollten Kräuter aus dem Buschen ins offene Feuer geworfen werden, um das Schlimmste zu verhindern, so der Hintergrund.

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Anita Metz erklärte: „Früher waren Kräuter die einzigen Heilmittel. Die Weihbüschel sind neben dem Segen für Menschen, Haus und Hof auch Ausdruck der Dankbarkeit für die Geschenke der Schöpfung.“ Ihren Platz finden die gesegneten und getrockneten Sträuße bis heute oft im „Herrgottswinkel“ neben dem Kreuz im Haus und im Stall bei den Tieren.

Die Königskerze ist das Herzstück eines Weihbüschels. Sie überragt alle anderen Kräuter und Blumen, die in das traditionelle Sträußchen gebunden werden.
Die Königskerze ist das Herzstück eines Weihbüschels. Sie überragt alle anderen Kräuter und Blumen, die in das traditionelle Sträußchen gebunden werden. | Bild: Christl Eberlein

Erna Bach aus Rohrdorf hat eine andere Stelle für ihre Weihbüschel. „Der Strauß kommt bei mir auf den Boden“, berichtet die 89-Jährige. Der Brauch gehöre seit jeher zu ihrem Leben. Bereits auf dem elterlichen Bauernhof habe es stets Weihbüschel gegeben. Sie selbst pflege die Tradition weiter. Auch für ihre Kinder habe sie viele Jahre lang die Heilkräutersträußchen gebunden. Tochter Annette Bach begleitete ihre Mutter bei der Tour durch die Natur.

Sommerzeit ist Sammelzeit

Der August ist als Sammel- und Erntemonat der Zutaten für die Weihbuschen wohl gewählt. Mitten im Sommer sind die Tage am längsten. Die Sonneneinstrahlung ist intensiv und die Temperaturen hoch. Das fördere die Ausbildung von Duft-, Geschmacks- und Wirkstoffen der Pflanzen, erklärte Anita Metz. „Die Vegetation befindet sich auf dem Höhepunkt und es blühen sehr viele Heilpflanzen.“

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Aber was haben die Kräuter nun mit der Mutter Gottes zu tun? Auf diese Frage hat die Sachkundige vom Meßkircher Albverein folgende Erklärung: „Kräuterkunde, Kräutersammeln und Heilen war anscheinend schon immer eine Domäne der Frauen.“

Domäne der Frauen

Duftende Pflanzen wurden zudem schon immer mit dem Himmel in Verbindung gebracht und die Heilkraft war mit göttlicher Fügung verknüpft, ergänzt Anita Metz. Somit war es naheliegend, dass das Christentum die Mutter Jesu mit heilkräftigen, duftenden Pflanzen verband. Man findet außerdem viele Darstellungen von Maria mit Blumen.