Der Büchner-Preisträger und in Rast bei Meßkirch aufgewachsene Schriftsteller Arnold Stadler liest am Montag, 10. Dezember, um 14 Uhr, im Meßkircher Schloss aus Texten, in welchen er sich mit der hiesigen Region befasst. Im Anschluss bietet sich die Möglichkeit eines Gesprächs, welches Thomas Schmidt vom Deutschen Literaturarchiv Marbach moderiert. Vor der Lesung, um 13.30 Uhr, führt Werner Fischer durch das Heidegger-Museum mit Archiv. Diesen Nachmittag organisiert das Literaturnetzwerk Oberschwaben für die Öffentlichkeit anlässlich seines Treffens im Schloss.

Acht literarische Orte

Das Literaturnetzwerk Oberschwaben trifft sich zu seinen Versammlungen stets an einem der acht literarischen Orte, die als Ankerpunkte des Projekts gelten. Die Besprechungen haben zum Ziel, die jeweilige Person und ihr Umfeld (in Meßkirch ist es im besonderen Martin Heidegger) einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um ihre Bedeutung für die Gegenwart herauszustellen.

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Das Literaturnetzwerk Oberschwaben wird unterstützt von der Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb, Leader Oberschwaben und „Trafo – Modelle für Kultur im Wandel“, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes. Alle Interessierten und Institutionen, die mit Kultur und Literatur befasst sind – wie Tourist-Informationen, Museen, Gedenkstätten, Verlage, Büchereien und Buchhandlungen – sind eingeladen, sich zu vernetzen, um neue Ideen in der Vermittlung von Kultur zu entwickeln.

Der Büchner-Preisträger und in Rast bei Meßkirch aufgewachsene Schriftsteller findet Netzwerke wichtig, um Literatur zu vergegenwärtigen.
Der Büchner-Preisträger und in Rast bei Meßkirch aufgewachsene Schriftsteller findet Netzwerke wichtig, um Literatur zu vergegenwärtigen. | Bild: Isabelle Michelberger

Zum Netzwerk gehören mittlerweile acht literarische Orte. Dazu zählen Obermachtal und Dieterskirch mit dem Kanzelredner, Prediger und Schriftsteller Sebastian Sailer (1714-77), Oberstadion mit dem Philosophen und Theologen Christoph von Schmidt (1768-1854), Riedlingen mit dem Germanisten, Romanisten und Musikwissenschaftler Werner Dürrson (1932-2008), Rottenacker mit dem Maler und Hofschauspieler Franz Carl Hiemer (1768-1822), Wilflingen mit dem Schriftsteller Ernst Jünger (1895-1998), Kreenheinstetten mit dem Barock-Prediger Abraham a Sancta Clara (1644-1709) und Meßkirch mit dem Philosophen Martin Heidegger (1889-1976).

Nicht nur für kleine elitäre Gruppe

„Diese Netzwerke sind wichtig, um Literatur zu vergegenwärtigen, und zwar als lebendige Erfahrung an Orten, die erlebbar und zu besichtigen sind“, meint Arnold Stadler. Literatur sei nicht für eine kleine elitäre Gruppe geschrieben, sie wolle nicht museal daherkommen, sondern Bedeutung in der Gegenwart haben, beschreibt der Büchner-Preisträger. In Oberschwaben gibt es zahlreiche Orte der Literatur, die besucht werden können, und bei Lesungen sind Begegnungen mit Schriftstellern und ihren literarischen lokalen Bezügen möglich. Dies unterstreiche, dass Literatur nichts hermetisch Abgeschlossenes ist.

Arnold Stadler in seinem Heimatort Rast, im Hintergrund die Raster Kirche.
Arnold Stadler in seinem Heimatort Rast, im Hintergrund die Raster Kirche. | Bild: Isabelle Michelberger

Nach der Diskussion im Schloss, gegen 15.30 Uhr, erfolgt der Ortswechsel nach Kreenheinstetten mit einer Führung durch die Abraham-a-Sancta-Clara-Ausstellung und einer Gesprächsrunde. Zu allen Veranstaltungen an diesem Nachmittag sind Besucher eingeladen.

Hemmschwelle für Museumsbesuch senken

Jennifer Werner ist Leiterin der Tourist-Information in Meßkirch und Mitglied im Literaturnetzwerk Oberschwaben.

Frau Werner, seit wann sind Sie Mitglied im Literaturnetzwerk Oberschwaben?

Von Anfang an. Die Bewilligung der Unterstützenden erfolgte im März dieses Jahres.

Welchen Nutzen sehen Sie hierin für die Stadt Meßkirch?

Der Nutzen ist mehrschichtig. Wir hoffen, mit neuen Anknüpfungspunkten eine größere Zielgruppe zu erreichen. Alle Gemeinden, die sich momentan am Netzwerk beteiligen, haben eine ähnliche Herausforderung, denn sie befinden sich mit ihrer berühmten Person, wie bei uns Heidegger, in einer Nische. Der Kreis der Interessierten ist nicht groß. Zusammen können wir mehr Projekte und Aktionen realisieren. Dazu entwickeln wir in drei Werkstätten neue Angebote für den Kulturtourismus, suchen neue Wege, um Jugendliche anzusprechen und bieten dem heimischen Dialekt einen „Spielplatz“.

Haben Sie nach einem Jahr Netzwerk schon wichtige Aspekte für Meßkirch entdecken können?

Nicht direkt, weil wir in dieser Phase in Workshops viel Vorarbeit geleistet haben. Wir haben herausgearbeitet, welche Richtung das Projekt einschlagen soll und welche Ziele wir verfolgen. Doch zunächst steht auch das gegenseitige Kennenlernen auf dem Programm, weshalb wir uns vierteljährlich an den verschiedenen Orten treffen. Der Kontakt mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, das im Projekt beratend tätig ist, ist neu erblüht und sicher auch für Meßkirch wichtig.

Bezieht sich das Engagement in Meßkirch nur auf Heidegger oder auch auf andere Berühmtheiten der Stadt?

Heidegger beziehungsweise das Heidegger-Museum ist einer der acht Ankerpunkte, die im Netzwerk der literarischen Orte das Projekt tragen. Insgesamt wollen wir aber mehr Aufmerksamkeit für alle Literaten der Region, auch für zeitgenössische.

Welches Ziel haben Sie formuliert?

Ich möchte, dass die Literaten mehr ins Bewusstsein dringen. Dann stellt sich die Frage, wie die Museen interessanter gestaltet werden können, damit sie ein breiteres Publikum anziehen. Wir möchten erreichen, die Hemmschwelle für einen Museumsbesuch zu verringern und den Menschen mit neuen Ideen und Angeboten dabei entgegenzukommen.

Fragen: Isabell Michelberger