Der „Lichtermacher“ Ralf Doms aus Reutlingen konnte am Wochenende auf der Klosterbaustelle Campus Galli bei vielen Besuchern ein Vorurteil ausräumen. Denn oft hört er, wenn jemand seine Nase über das helle Fett hält: „Der Talg stinkt ja gar nicht.“ Dass dem ausgelassenen Tierfett eine solch negative Eigenschaft anhaftet, daran sei meist das Fernsehen schuld. In den historischen Filmen werde Talg häufig in Verbindung mit Gestank gebracht. Die Ausstellung auf seinem Marktstand befasst sich nicht nur mit der mittelalterlichen Beleuchtung, sondern zeigt eine Art Geschichte des Lichtmachens. „Deshalb stehe ich mit meinem Stand auch nicht an einer Station der Baustelle, sondern auf dem Marktplatz“, erklärt der Lichtermacher.

Die Entwicklung der Beleuchtungsmöglichkeiten sei, wie in anderen Bereichen auch, eine Geschichte der Erfahrungen. „Schon in der Steinzeit beobachteten die Menschen, dass harzhaltiges Holz besser brennt als anderes“, beschreibt Ralf Doms. Seit etwa 15 Jahren befasse er sich mit dem Thema, zu dem es nahezu keine mittelalterlichen Dokumente gebe. „In Museen schau ich mir gerne alte Bilder an, um irgendwo einen Hinweis auf Lampen zu finden“, erzählt er von einem Aspekt seiner Recherche. Die Suche nach Exponaten führte ihn auch schon bis nach Südfrankreich, wo er eine Schiebelampe fand, die etwa um 1800 in Gebrauch war. Von der Öllampe über Wachsstöcke, Nachtlichter, Kienspäne und deren Halterungen bis zu Talglichtern, Schusterkugeln, Glasschalen- und Petroleumlampen reicht die Exponatenvielfalt des Lichtermachers. Und zu jeder Art der Beleuchtung kann er erzählen, wann sie in Gebrauch war, zu welchem speziellen Zweck und wie sie funktioniert.

Die Kinder freuten sich darüber, selbst Kerzen ziehen zu können. Das obere Teil des Dochts war um den kleinen Finger gewickelt, den sie knapp über das flüssige Wachs halten mussten, damit der Docht in der Flüssigkeit verschwindet. Dann hieß es, eine Runde laufen, damit das Wachs abkühlt, bevor es wieder eingetaucht werden kann. 15 bis 20 Runden ergaben eine schöne Kerze und strahlende Kindergesichter.