Mit stehenden Ovationen belohnte Meßkirchs Narrenvolk am Samstag den neuen Petter Letzkopf für seine glanzvolle Antrittsrede. Bis zuletzt war es ein gut gehütetes Geheimnis, welche Person in der Gestalt des Meßkircher Erznarren aufgehen darf. Es ist ein Ur-Meßkircher. Matthias Zembrod ist 30 Jahre alt und wohnt seit zwei Jahren in Stahringen im Kreis Konstanz. Seine Antrittsrede war gespickt mit Lokalkolorit und verriet eines – die zwei Jahre Stahringen haben dem Meßkircher Narren nichts anhaben können. Bei der Versammlung gab Narrenvater Bernd Schank das neue Motto bekannt: "nei-gschifft". Und noch ein Geheimnis wurde gelüftet. Vor dem Nasenschleifergericht muss sich Stefanie Bürkle, die Landrätin, verantworten.

Er hatte ihn dabei. Bei der Kassenprüfung durch Klaus Weber (rechts) fehlte bei Säckelmeister Alfred Gmeiner (links) noch ein Beleg, den er angeklebt an einem Meterstab bei der Versammlung präsentierte. In der Bildmitte ist Narrenchef Martin Birk zu sehen.
Er hatte ihn dabei. Bei der Kassenprüfung durch Klaus Weber (rechts) fehlte bei Säckelmeister Alfred Gmeiner (links) noch ein Beleg, den er angeklebt an einem Meterstab bei der Versammlung präsentierte. In der Bildmitte ist Narrenchef Martin Birk zu sehen. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Bevor Petter Letzkopf sein Meisterstück als Erznarr abliefern durfte, musste er zunächst aus dem Schloss befreit werden. Bei teilweise dichtem Schneetreiben blieben die Rufe der zahlreich im Schlosshof versammelten Narren, "Letzkopf raus", nicht ungehört. Viele erwarteten gespannt, wer denn nun als Petter Letzkopf am Fenster erscheinen wird. Auf dem Saumarkt war dann der Schauplatz der ersten Letzkopf-Amtshandlung. Er befreite das Kätzle, den dreieinhalbjährigen Maximilian Lang, aus dem Sack. Danach ging es zum Interview mit dem SÜDKURIER ins Zunfthaus. Gestärkt durch die Narrensuppe der Jungnarren war die Hauptversammlung im Herz-Jesu-Heim die nächste Station.

Zunftmeister Martin Birk (links) ehrte Claudia Rockweiler, Gerd Steffen Rockweiler und Michael Zellner mit Verdienstorden.
Zunftmeister Martin Birk (links) ehrte Claudia Rockweiler, Gerd Steffen Rockweiler und Michael Zellner mit Verdienstorden. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Nein, zunächst musste sich Petter Letzkopf im Herz-Jesu-Heim noch in Geduld üben. Zunächst galt es, für die Katzenzunft dem Vereinsrecht Genüge zu tun und die Regularien einer Hauptversammlung abzuwickeln. Im Mittelpunkt dabei standen die Ausführungen von Zunftmeister Martin Birk. Zu den erfreulichen Aspekten des Narrenalltags gehört, dass die Darlehen für das Zunfthaus abbezahlt sind. Aber ab jetzt gelte es, so Birk, Rücklagen für Instandsetzungsaufgaben zu bilden. Ein wichtiger Schwerpunkt wird in diesem Jahr erneut die Nachwuchsarbeit sein. Die aktiven Jungmaskenmeister treten, so Birk, "mangels interessierter Jugendlicher" auf der Stelle. Der Zunftmeister appellierte: "Unser Fasnachtsbrauchtum mit Kinder- und Zunftball muss lebendig bleiben und attraktiv gestaltet werden." Im Bereich der Jugendarbeit arbeiten die Katzen intensiv mit der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN) zusammen. Eine Hommage an Manne Haug richtete Martin Birk in Zusammenhang mit dem Fasnetsmentig-Umzug, der nach 15 Jahren Aufbauarbeit zu einem "überregionalen Ereignis" geworden sei. Bisher hätten sich für den bevorstehenden Umzug bereits 60 Zünfte angemeldet.

Als erste Amtshandlung befreite Petter Letzkopf bei dichtem Schneefall das Kätzle Maximilian Lang aus dem Sack.
Als erste Amtshandlung befreite Petter Letzkopf bei dichtem Schneefall das Kätzle Maximilian Lang aus dem Sack. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Bei den Finanzen hatte Säckelmeister Alfred Gmeiner viele gute und eine schlechte Nachricht. Die guten Nachrichten betrafen die Kassenlage. Unter anderem würdigte Gmeiner die Rolle des Fördervereins. Den Mitgliedsbeiträgen der 732 eingeschriebenen Narren von etwas mehr als 10 000 Euro stünden 12 000 Euro als Zuweisung des Fördervereins gegenüber. Die schlechte Nachricht bestand darin, dass Gmeiner sein Amt so bald wie möglich zur Verfügung stellen möchte.

Endlich war dann Petter Letzkopf an der Reihe. Mit jugendlichem Elan schilderte Matthias Zembrod die unendlich schweren Prüfungen, um in die Gestalt des Petter Letzkopf schlüpfen zu dürfen. Dabei ging er Narrengilde für Narrengilde durch und verknüpfte seine Darstellung mit lokalen Ereignissen, Personen und den Vermesser-Kollegen. Diese Mischung kam prima an.

 

Verdiente Narren geehrt

Vier scheidende Mitglieder der Meßkircher Katzenzunft wurden für ihr jahrelanges Wirken gewürdigt. Die höchste Auszeichnung, den Großen Verdienst­orden, erhielt Gerd Steffen Rockweiler. Er gehört seit 1999 zur Fledermaus-Gilde und wirkte 17 Jahre aktiv in der Gildenführung mit. Unter anderem war er sechs Jahre lang, von 2005 bis 2010, Gildenmeister. Claudia Rockweiler und Michael Zellner erhielten den Kleinen Verdienstorden, ebenso wie Bernd Jäger, Madeleine Faschian und Maximilian Lipp. Der bisherige Petter-Letzkopf-Darsteller Florian Haid hatte sich aus beruflichen Gründen entschuldigt.

Den Gesellen­orden bekamen Jürgen König, Susanne Fecht, Bernd Müller, Franziska Schmid, Peter Lotzer, Mathias Brellochs, Magdalena Lauer, Karin Haid, Seline Maier, Benjamin Kissner, Cyntia Bellochs, Isolde Lotzer, Jürgen Guggenmos und Stephan Vonnier überreicht. Mit dem Meisterorden zeichnete die Meßkircher Katzenzunft die Mitglieder Bernd Malkow, Gertrud Dreiß und Sandra Kempf aus. (hps)

 

 

Der neue Petter Letzkopf ist ein vielfältig geprägter Fasnachter

 

Matthias Zembrod (30/Bild) wohnt in Stahringen, arbeitet als Steuerberater und ist seit Samstag in der Gestalt von Petter Letzkopf nun das Sinnbild der Meßkircher Fasnet.

Zembrod Matthias alias Petter Letzkopf.
Zembrod Matthias alias Petter Letzkopf. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Herr Zembrod, ein Stahringer als Petter Letzkopf?

„Ich lebe erst seit zwei Jahren dort. Natürlich bin ich ein echter Meßkircher, ein echter Meßkircher Narr. Meine Mutter und meine Schwestern sind Katzen, der Lebensgefährte meiner Mutter ist Rotkittel, also Katzenrat, und meine Tante, die Schwester meiner Mutter, ist aktiv in der Katzengilde.“

So eine närrische Familie ist ja schön, aber hat der neue Petter Letzkopf auch eigene Fasnetserfahrungen?

„Das will ich meinen. Ich bin aktiver Vermesser und habe bei den Handballern auch schon als Narhalla-Sprecher für Stimmung gesorgt. In der Schnerkinger Fasnet gehen diverse Auftritte beim Dorfball auf mein Konto.“

Wie wird man eigentlich Petter Letzkopf?

„Indem man nicht intensiv genug Nein sagt. Als mich Holger Schank nach den Sommerferien 2017 fragte, ob ich diese Aufgabe übernehmen möchte, sagte ich wohl nicht deutlich genug Nein. Aber nach der dritten Anfrage war aus dem Nein ein Ja geworden.“

Die Feuertaufe erlebt Letzkopf ja wohl mit seiner Rede?

„Allerdings, ich arbeite an dieser Rede seit Herbst und habe sie gefühlt hundert Mal umgeschrieben. Noch heute Morgen fügte ich letzte Korrekturen ein.“

Wer so engagiert an eine Aufgabe herangeht, macht das wohl nicht aus purem Pflichtbewusstsein?

„Das stimmt. Für mich geht mit der Rolle als Petter Letzkopf ein Bubentraum in Erfüllung. Ich hätte allerdings bis vor einem knappen halben Jahr nicht daran gedacht, dass dieser Traum jemals in Erfüllung gehen könnte.“

Wird daraus eine Lebensaufgabe?

„Da heißt es abwarten, was die Zukunft bringt. Zunächst muss die Periode bis Aschermittwoch vorübergehen.“

Hat die neue Aufgabe auch Nachteile?

„Ich habe mir im vergangenen Jahr mangels Kristallkugel einen neuen Vermesser-Kittel gekauft. Der hängt jetzt nutzlos im Schrank. Dieses Geld hätte ich mir sparen können!“

Fragen: Hermann-Peter Steinmüller