In Schnerkingen am ehemaligen Gasthaus „Sternen“ gibt es eine Türklingel. „Salon d’Art“ steht da, „Raum der Kunst“. Drückt man auf den Klingelknopf, dann öffnet Antonius Conte und bittet den Besucher mit unverkennbarem Schweizer Akzent herein. Schon die ersten Schritte in dem rund 100 Jahre alten Gebäude machen deutlich, dass hier ein ungewöhnlicher Mensch leben muss. Im Gespräch vertieft sich dieser Eindruck. Die Biografie des 64-Jährigen ist interessant. Das gilt auch für das, was der Heilpraktiker, Buchautor und Künstler so macht. „Mein Haus ist ein großes Labor.“ Ein Labor, wo Gedanken entstehen, wo über gesunde Ernährung nachgedacht wird und wo Kunst ihren Platz hat.

Antonius Conte hatte eine Galerie in Berlin, war auf der Insel Rügen aktiv und hat vor einigen Jahren die Firma Naturkraftwerke gegründet. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Schweiz und befasst sich mit gesunden Lebensmitteln. So auch mit Getreidearten, die schon seit Jahrhunderten ausgestorben sind. Conte arbeitet mit Landwirten zusammen, die Interesse haben, die alten Sorten wieder auf den Markt zu bringen.

Lebenskunst als philosophische Disziplin

Für ihn ist die klassische Lebenskunst eine philosophische Disziplin, die den Willen zu Schönheit und Wahrheit mit ökologischen und sozialen Realitäten verbindet. Antonius Conte ist sich bewusst, dass rein ökonomisches und empathiefreies Kalkulieren zwar den wirtschaftlichen Ertrag des Unternehmens optimieren könnte, aber gleichzeitig seine Lebensidee und -energie ruinieren würde. Unternehmerischer Anstand bedeutet für ihn auch, eine kritische Distanz zum weitverbreiteten neoliberalen Denken und Handeln zu bewahren.

Vergleich mit Robinson: immer von vorn anfangen

Aus einem alten Sandförmchen seiner Tochter entstehen unzählige Häuschen, von denen ein Teil im Oktober im Landratsamt zu sehen sein wird. Und jedes ist ein Unikat.
Aus einem alten Sandförmchen seiner Tochter entstehen unzählige Häuschen, von denen ein Teil im Oktober im Landratsamt zu sehen sein wird. Und jedes ist ein Unikat. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

„Eigentlich bin ich eine Art Robinson“, schmunzelt er. Der habe auf einer einsamen Insel ganz von vorn anfangen müssen. Das sei auch die Matrix seines eigenen Lebens. „Ich habe immer wieder neu angefangen“, sagt er. Alles, was er mache, sei autobiografisch. Sein Grundmaterial für die künstlerischen Arbeiten hat er in seinem Haushalt gefunden, so auch ein Sandförmchen seiner Tochter in Form eines Häuschens. Das hat er dann mit Gips ausgegossen und in ganz unterschiedlicher Weise bemalt. Die Farben kamen aus einem alten Plastikkoffer, den er gefunden hat. „Nur nichts wegwerfen“, sagt er. Man könne aus allen Dingen noch etwas machen. Eine Art „kreatives Recycling“ also. Denn wer kommt schon darauf, dass man aus dem Innenleben einer Pralinenpackung etwas Neues schaffen könnte? Sogar die ungewöhnlichen Formen aus Kunststoff oder Pappe, die Elektrogeräte beim Versand schützen sollen, sind für den Mann aus Schnerkingen ein Material, das er zu neuem Leben erweckt. Oder besser gesagt: Er macht erst etwas daraus.

Bronzen aus Verpackungsmaterial

Hyroglyphen der Mayas? Von wegen. Künstler Conte hatte eine Idee.
Hyroglyphen der Mayas? Von wegen. Künstler Conte hatte eine Idee. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

So gießt er Verpackungsmaterial aus und lässt die neue Form dann mit Bronze überziehen. Für den unbedarften Betrachter sieht das Ergebnis aus, als habe man Schriftzeichen der Maya entdeckt. Überhaupt gibt es viel zu entdecken in und ums Haus von Antonius Conte. In einer seiner Werkstätten liegt eine große Menge an Gipshäuschen. Wie viele sind es? „Keine Ahnung“, sagt Conte. Eigentlich wollte er 1000 Stück anfertigen. Das Ziel scheint erreichbar. Doch ist es möglich, dass jedes Häuschen sich wirklich unterscheidet? „Auf jeden Fall“ sagt er. Das sei kein Problem, es dauere halt etwas.

Ausstellung ab 18. Oktober

Seine Häuschen sind auch Symbole für das Dach über dem Kopf, das Menschen brauchen, wenn sie sich wohlfühlen sollen. „Heimat ohne Dach über dem Kopf geht nicht“, sagt der Künstler. Und deshalb wird am 18. Oktober im Landratsamt in Sigmaringen eine Ausstellung mit seinen Häuschen eröffnet. Hinterher gibt es eine Gesprächsrunde zum Thema Heimat.