Wie Bürgermeister Arne Zwick informiert, sei die Erstellung eines solchen Gutachtens ein routinemäßiger Vorgang bei Abrissvorhaben, so wie beim anvisierten Abriss des seit Jahren leer stehenden Gebäudes in der Hauptstraße 17.
Bei nebeneinanderliegenden Gebäuden werde so der Zustand der zum Abrissobjekt benachbarten Häuser dokumentiert, um damit nach einem Abriss im Schadensfall einen Beleg dafür zu haben, in welchem Zustand sich die Gebäude vor dem Beginn der Rückbauarbeiten befanden.

Die Gutachter urteilen: "Durch herabfallende Dachziegel oder Putzteile besteht aktuell die größte Gefährdung der öffentlichen Flächen."
Die Gutachter urteilen: "Durch herabfallende Dachziegel oder Putzteile besteht aktuell die größte Gefährdung der öffentlichen Flächen."

Die Aussage des Gutachtens im Bezug auf das Bären-Gebäude sei nun so eindeutig ausgefallen, dass es die Stadtverwaltung an das Landratsamt weitergeben musste, unterstreicht der Bürgermeister. Alles andere wäre fahrlässig gewesen. Franz Kunanz, der Besitzer der Immobilie, sei vorab über den Vorgang informiert worden. Das Gutachten sei am Freitagmorgen an die Sigmaringer Behörde geschickt worden und dort habe es dann eine blitzschnelle Reaktion gegeben, stellt Zwick fest. So sei noch am Freitag eine Nutzungsuntersagung verfügt worden und auf Gesuch des Landratsamts hätten Mitarbeiter des städtischen Bauhofs den Straßenbereich vor der Gaststätte abgesperrt. "Im Prinzip kann man froh sein, dass das solange gut ging", fasst Zwick zusammen.

Für Bären-Inhaber Franz Kunanz stellt sich die Sache indes anders dar. Er vermutet, dass das Beweissicherungs-Gutachten dazu benutzt werden soll, den Verkaufspreis des Bären zu drücken. 2014 habe es ein Gutachten des Gutachterausschusses gegeben, in welchem dem Gebäude bescheinigt worden sei, dass sich die oberen Stockwerke in einem schlechten Zustand befinden und eine Totalsanierung erforderlich ist. Der Gebäudewert sei mit 91 000 Euro beziffert worden. Im Zusammenhang mit diesem Gutachten habe es auch Verkaufsgespräche gegeben.

Auch ärgere es ihn, dass die Kneipe von jetzt auf gleich geschlossen wurde. "So kann man mit einer Familie nicht umgehen", sagt Kunanz. Der Bären-Wirt, der seit 18 Jahren die Kneipe betreibt, stehe vor dem Nichts. Andererseits verstehe er es aber, dass die zuständigen Stellen im Landratsamt nach Bekanntwerden des Gutachtens haben handeln müssen, da laut Gutachten Leib und Leben in Gefahr sind. Doch Kunanz möchte sich damit nicht abfinden: Er werde nun ein Gegengutachten in Auftrag geben. Dies sei ein Ergebnis mehrstündiger Gespräche am gestrigen Montag mit Vertretern des Landratsamts. So soll geklärt werden, ob sich eine Sanierung lohnt. Eine Überlegung sei auch, das Gebäude bis auf den ersten Stock abzutragen. Seitens der Landratsamts soll es am heutigen Dienstag eine Stellungnahme zu der Schließung geben.

Hauptstraße 17

Gleichzeitig mit der Schließung der Gaststätte "Bären" kommt es nun auch zu einem Stop der Planungen hinsichtlich des Abrisses des ehemaligen NKD-Gebäudes Haupstraße 17, sagt Bürgermeister Arne Zwick. Und er führt aus: "Laut dem uns vorliegenden Gutachten ist es nicht möglich, das Bären-Gebäude so zu stabilisieren, dass man das Gebäude Haupstraße 17 abreißen kann." Das seit Jahren leerstehende Gebäude mit der Nummer 17 war von der Stadt angekauft worden, um

Betreten wird nicht empfohlen

In dem statischen Gutachten von Breinlinger Ingenieure in Tuttlingen und Stuttgart heißt es zusammenfassend zum Bären-Gebäude:

"Eine ausreichende Verkehrs- und Standsicherheit ... ist derzeit nicht mehr gewährleistet. Eine dauerhafte Standsicherheit des Gebäudes kann nur durch eine komplett umfassende Sanierung wieder hergestellt werden. Diese ist mit einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand nicht darstellbar. Ein Betreten und somit eine Nutzung des Gebäudes wird nicht empfohlen, da es nicht ausgeschlossen werden kann, dass Dach- oder Deckenteile aus dem Obergeschoss, aufgrund des Feuchtigkeitszutritts, versagen. Da dieses Versagen nicht beobachtet werden kann, ist es ohne Vorankündigung. Es besteht so keine Fluchtmöglichkeit aus dem Erdgeschoss und somit Lebensgefahr. Insbesondere während dem Abriss des Gebäudes Hauptstraße 17 müssen innen liegende Abstützungen und Sicherungen angebracht werden, welche bis zur Entscheidung einer Sanierung oder Rückbau dort verbleiben müssen." Eine Alternative sei, den Rückbau der Gebäude Hauptstraße 15 und 16 gleichzeitig und weitestgehende parallel auszuführen. Durch die enge bauliche Verbindung zum Gebäude Hauptstraße 13 seien vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Lösung eventuell auch weitere Rückbau-Überlegungen erforderlich. (mos)