22 Jahre war Armin Gmeiner alt, als er seinen Verlag gegründet hat. Vieles dabei beschreibt der gebürtige Meßkircher heute als Fügung. Als Jugendlicher hatte er sich mit der Universalsprache Esperanto auseinandergesetzt und, ohne es zu wissen, so den Grundstein für den Verlag gelegt. Eine Wörterkartei Deutsch – Esperanto sollte schließlich eines der ersten Produkte im Verlag sein. Der Diplomwirtschaftsingenieur für Druck und Verlag erstellt seit Anfang der 80er Jahre Druckerzeugnisse, damals noch von Hand. 1986 wurde der Verlag dann offiziell aus der Taufe gehoben. Was heute ein Betrieb mit 30 Mitarbeitern ist, lief zu jener Zeit nebenbei. "Im Studium gab es zwei, drei Bücher pro Jahr", erinnert sich Gmeiner beim Gespräch in seinem Büro. An den Wänden stehen Regale, vollgestellt mit Titeln aus dem Verlag.

Zwischen 170 und 180 Neuerscheinungen gibt es jedes Jahr. Am meisten Krimis. Die lieferbaren Bände hat Armin Gmeiner immer um sich. "Und die Regale sind schon voll", sagt Gmeiner und ein Lächeln umspielt seine Lippen. Am Lager sind eine Million Bücher. Auch Ehefrau Angelika und Sohn Florian lesen viel. "Wir sitzen ja direkt an der Quelle", sagt Angelika Gmeiner. Der Verlag befindet sich auf dem ehemaligen Gehöft der Familie. Angelika Gmeiner ist an diesem Nachmittag schon mit dem Aufbau für das Fest zum 30-jährigen Bestehen beschäftigt, das am gestrigen Freitag stattfand. "Bis 1990 war hier Landwirtschaft. Dann haben wir das Gehöft umgebaut", erzählt Armin Gmeiner. Auch die Geschwister von Gmeiner waren bei diesem Schritt mit dabei. 25 der Verlagsmitarbeiter sind derzeit vor Ort untergebracht.

Armin Gmeiner wohnt mit seiner Familie am Betrieb. Von der Haustür bis zum Büro sind es nur wenige Meter. Während viele Verlage in Ballungszentren sitzen, ist der Gmeiner-Verlag in Meßkirch heimisch. "Das liegt an der Historie, dass ich hier aufgewachsen bin", so Gmeiner: "Es ist schön, auf der Messe zu sein – und in der großen Stadt. Aber es ist auch schön, wieder zurückzukommen, auf dem Land zu sein."

"Regional-überregional." So beschreibt Petra Wendler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die Ausrichtung des Verlags. Dazu passt der Standort Meßkirch für alle Beteiligten gut. Beim Rundgang durch das Unternehmen berichten die Mitarbeiter nicht nur von ihren Tätigkeiten in Programm und Lektorat, Marketing und Vertrieb, Mediengestaltung und Herstellung sowie Organisation und Finanzen, sondern schwärmen ebenso vom Ausblick in die Natur. Die Lage des Verlags entspricht immer noch der eines landwirtschaftlichen Betriebs. Rundherum ist alles grün. Es arbeitet ein Kater namens Lucky mit. Natürlich gibt es eine Besonderheit bei einem ländlich gelegenen Betrieb. "Man erwartet schon, dass Lokalkolorit in den Romanen durchkommt", erklärt Petra Wendler lachend. Nicht nur Romane, Bildbände und Kalender von Autoren sowie Fotografen aus der Region werden verlegt. Die Mitarbeiter sind mit Produkten aus dem ganzen deutschsprachigen Raum – mit Schweiz und Österreich – beschäftigt. Quasi überregionales Lokalkolorit. Dazu gehören auch Ebooks und Geschenkartikel. Außerdem werden Lizenzen verkauft. Wer bei Weltbild kauft, bekommt oft Gmeiner auf den Tisch. "Es ist ganz viel Kreativität gefragt. Nicht jedes Programm gleicht dem anderen", so Petra Wendler. Außerdem sei alles schneller geworden, sagt Verleger Armin Gmeiner: Ebook und Social Media. Beides gab es vor Jahren noch nicht. Neue Herausforderungen.

 

Der Reiz der Bücher

Bücher werden nicht verschwinden, ist Armin Gmeiner überzeugt: "Die nächsten zehn Jahre werden wir noch ganz viel Papier bedrucken." Die Haptik und der Geruch eines gedruckten Buchs sind für ihn noch nicht mit einem Ebook vergleichbar, wobei Vielleser mit einem Reader (Kindle und ähnliche Marken) natürlich "viele Bücher mitnehmen können", so Gmeiner. Verlegt werden im Gmeiner-Verlag Druckerzeugnisse in den Bereichen Belletristik und Sachbuch. Vieles hat einen historischen und/oder regionalen Bezug. "Häufig kommen Autoren auf uns zu. Mit Stammautoren entwickeln wir natürlich auch Ideen", erklärt Gmeiner. Viele Dinge im Verlag haben sich auseinander ergeben: "Ich bezeichne diese Chancen schon als Fügung. Sie sind etwas Besonderes."

 

 

Hoffest im Rausch der Erinnerungen

  • Zeitreise: Mit einem Hoffest hat Familie Gmeiner das 30-jährige Bestehen ihres Verlags gefeiert. Von 1986 bis 2016. In einer Zeitreise, gefüllt mit eigenen Erinnerungen und derer seiner Wegbegleiter, hat Verleger Armin Gmeiner seine Gäste durch die Unternehmensgeschichte geführt. Begonnen hat alles Anfang der 80er Jahre. Der damalige Dekan Bernhard Eichkorn wollte Enzykliken auf Esperanto veröffentlichen. Mitte der 70er Jahre hatte er die internationale Sprache erlernt, Armin Gmeiner etwas später. Gestern Abend konnten sie sich gemeinsam erinnern. An die Anfangszeit. Von Leichtigkeit seien die anfänglichen Jahre geprägt gewesen, sagte eine Mitarbeiterin. Wegbegleiter, Mitarbeiter, Buchhändler und Verlagsvertreter sowie Vertreter aus dem Rathaus gratulierten Gmeiners. Autoren erinnerten sich an Verhandlungen um Lizenzen. Kreisarchivar Edwin Weber war ebenfalls unter den Gästen. Armin Gmeiner schritt die gelebten Jahrzehnte ab und dankte. Der erste Krimi war "Tiefenrausch" von Gunter Haug. Das war 1998, Schwabenkrimi nannte sich das damals. Und aus einem Krimi wurden über die Jahre unzählige Weitere. 2013 wurde "Steirerblut" von Claudia Rossbacher verfilmt. Seinen Stolz darüber – und seine Familie und Mitarbeiter sowieso – konnte Gmeiner am Freitagabend nicht verbergen.
  • Wegbegleiter: Einer der Wegbegleiter von Armin Gmeiner ist SÜDKURIER-Kulturredakteur Siegmund Kopitzki. "Ich kenne ihn praktisch seit 30 Jahren", sagte Kopitzki gestern Abend. Die Menschlichkeit hat sich Gmeiner laut des Redakteurs erhalten. Über Jahre und Erfolge hinweg. Mit Meßkirch im Hintergrund stellten sich Siegmund Kopitzki und Arnold Stadler gestern zum Foto auf. Der SÜDKURIER-Kulturredakteur und der Autor sind geübte Gesprächspartner. Mit "Rauchzeit", im August dieses Jahres im S. Fischer Verlag erschienen, ist der gebürtige Meßkircher für den deutschen Buchpreis nominiert. Beim Hoffest sollte es eine Lesung mit Gespräch werden. In "Eine badische Kindheit" hat Arnold Stadler das erste Mal für den Gmeiner-Verlag geschrieben. "Mit einem Vorwort von Arnold Stadler" heißt es unter dem Titel. Wichtig ist Stadler die Zusammenarbeit mit Naturfotograf Wolfgang Veeser für den Bildband "Pfrunger-Burgweiler Ried", 2015 im Gmeiner-Verlag veröffentlicht. Der Diskussion zwischen Kopitzki und Stadler kam die Geselligkeit in Form des Abendessens zuvor. Ob das Gespräch noch auf die Bühne kam, war bei Redaktionsschluss nicht bekannt. Gesagt schien aber allemal alles zwischen Gmeiner und seinen Gästen. "Berührend", sagte Armin Gmeiner in einem ruhigen Moment.