Für das neue Kreiskulturschwerpunktthema Handwerk und Industrie des Kreiskulturforums entwickelt die Künstlerin Carola Riester zusammen mit der Theaterpädagogin Lilo Braun eine kreative Idee. Sie planen einen Film mit den Mitarbeitern der Oberschwäbischen Werkstätten für Behinderte (OWB) in Sigmaringen. Im Rahmen des Filmprojekts sollen Menschen in den Fokus gerückt werden, die Teil des Produktionsgewerbes sind, aber kaum Beachtung finden, Menschen am Rande des Wirtschaftslebens. Die eigentliche Arbeit beginnt für die beiden Frauen im Herbst, aber schon jetzt machen sie sich intensiv Gedanken zur Herangehensweise.

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Frauen schildern Eindrücke ihres Besuchs bei den OWB

Ausschlaggebend für die Idee, mit den OWB ein Projekt zu starten, war die Bekanntschaft von Carola Riester und Lilo Braun zu Simone Dufner. Sie arbeitet dort als Sozialpädagogin. Die beiden Kulturschaffenden hatten bereits ein Vorstellungsgespräch bei den Verantwortlichen der OWB, bei dem sie ihr Projekt erläuterten. „Was uns gut gefiel, ist, dass sie genau wissen wollten, was passiert und dass ihre Leute bei uns in guten Händen sind“, erzählt Lilo Braun. Carola Riester fügt an: „Man spürte, dass sie bedacht sind und uns erst einmal prüften, ob wir uns dazu eignen, mit ihren Mitarbeitern professionell umzugehen.“

Entspannte Atmosphäre und respektvoller Umgang

Weiter erzählt die Künstlerin von ihren Erlebnissen bei der Besichtigung der Werkstätten: „Uns beeindruckte ebenso, wie viel Wertschätzung die Behinderten in ihrem Tun erfahren und ihr Selbstbewusstsein daraus gewinnen, ein Teil im Wirtschaftsgeschehen zu sein.“ Darüber hinaus habe die beiden Frauen die entspannte Atmosphäre und der respektvolle Umgang untereinander positiv überrascht.

Bei den OWB arbeiten Menschen mit leichten und mit schweren Behinderungen. Viele von ihnen sind durch Unfall oder Krankheit aus dem profitorientierten Wirtschaftsleben herausgefallen. „Es wird einem deutlich bewusst, dass das Schicksal, an den Rand der Gesellschaft katapultiert zu werden, jeden treffen kann“, betont Carola Riester.

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Menschen sollen in ihrer Individualität gezeigt werden

Wie das Filmen im Herbst vonstattengeht, das können Carola Riester und Lilo Braun noch nicht abschätzen, denn bisher arbeitete noch keine von ihnen intensiver mit Menschen mit Behinderung zusammen. Es solle jedoch kein Image-Film über die OWB werden, so viel stehe fest. Vielmehr sollen die, die in der Werkstatt arbeiten, zu Wort kommen. „Wir möchten den Menschen in seiner Individualität zeigen und nehmen auf, was er mitbringt“, erklärt Carola Riester das Vorgehen. Dabei wollen sie berücksichtigen, was für den jeweiligen Mensch passt, wie er gerne seine Visionen und seine Träume äußert.

Ein Film habe normalerweise ein Konzept, bei ihnen beiden hingegen entstehe das erst im Tun. „Als Künstlerinnen sind wir es gewohnt, intuitiv zu arbeiten“, ergänzt Riester. Sie hätten bei anderen Projekten gelernt, dass Erwartungen, die vorab formuliert sind, oftmals nicht erreicht werden können. Die Kreativität brauche genügend Raum, damit sie Überraschendes hervorbringen könne.

Gemeinsamer kreativer Prozess als Herausforderung

Eine besondere Herausforderung für Carola Riester und Lilo Braun ist der gemeinsame kreative Prozess. Sie verstehen sich als gleichwertige Partnerinnen, die jeweils ihre eigene künstlerische Sprache entwickelt haben. Insofern sind sie äußerst gespannt darauf, ob diese verschiedenen Sprachen gut miteinander harmonieren. „Ich hoffe, es klepft nicht“, sagt Lilo Braun und lacht. Carola Riester kontert amüsiert: „Es darf schon mal klepfen. Deswegen zerbricht nichts.“

Arbeitsprozess soll offen gestaltet werden

Obwohl sie der Situation viel Freiraum lassen wollen, haben sie Vorstellungen von Szenen und wollen eine Stimmigkeit erreichen, die nicht auf Kosten der Authentizität geht. Es sei die Suche nach der Machbarkeit, die sich mit technischer Perfektion gestalten lasse, erklärt Carola Riester: „Wir möchten auf alle Fälle im Arbeitsprozess beweglich bleiben und Veränderungen gegenüber offen sein.“ Davon erwarte sie sich eine Leichtigkeit im Umgang.

Über genauere Ideen möchten sich die beiden Kulturschaffenden noch nicht äußern, das bedeute eine zu große Festlegung vorab. Sie seien aber beide höchst gespannt und froh, dass sie dann, wenn es in die aktive Phase geht, die Sozialpädagogin Simone Dufner an ihrer Seite haben.