Als am 22. Juni 2013 die Eröffnungsfeier der Karolingischen Klosterstadt stattfand, sei für Bert Geurten ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. "Gerne erzählte er die Geschichte, wie ihn Mitte der sechziger Jahre der St. Galler Klosterplan bei einer Ausstellung in seinen Bann gezogen hatte. Seitdem hatte er davon geträumt, den Plan in die Realität umzusetzen."

Geurten habe sich selbst als rheinische Frohnatur bezeichnet und sein Talent zu reden und zu begeistern, habe er zeitweise als Radiomoderator genutzt. "Gemeinsam mit Verena Scondo gründete er den Verein Karolingische Klosterstadt. Sie wollten eine Mittelalterbaustelle ins Leben rufen und dort das Kloster bauen, das Reichenauer Mönche vor 1200 Jahren ersonnen hatten, mit eben jenen Techniken und Materialien der damaligen Zeit. Diese Klosterstadt sollte Geschichtsmuseum und Touristenattraktion sein, und sich von den Besuchereinnahmen selbst tragen."

<p>Bert Geurten, ehemaliger Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt und Initiator des Projekts, neben dem Modell einer mittelalterlichen Klosteranlage. Das Bild entstand im März 2011 in der Stadthalle in Meßkirch. Geurten kann heute aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aktiv an der Realisierung seiner Idee mitarbeiten. <em>Bild: Marc Herwig dpa/lsw</em></p>

Bert Geurten, ehemaliger Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt und Initiator des Projekts, neben dem Modell einer mittelalterlichen Klosteranlage. Das Bild entstand im März 2011 in der Stadthalle in Meßkirch. Bild: Marc Herwig dpa/lsw

| Bild: Marc Herwig

Was viele im Vorfeld für ein nicht umsetzbares Hirngespinst hielten, habe sich in den vergangenen Jahren zu einer Touristenattraktion mit zuletzt 80 000 Besuchern im Jahr entwickelt, erinnert Napierala. Und er schreibt: "Die Idee Bert Geurtens war in Meßkirch auf fruchtbaren Boden gefallen, Bürgermeister Arne Zwick, die Gemeinderäte und nicht zuletzt die Bürger hatten sich begeistern lassen und Campus Galli auf den Weg gebracht."

Doch Geurten sei ein Visionär und kein Praktiker gewesen und so habe er sich nach der Eröffnung Stück für Stück aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. "Vereinsvorsitz und Geschäftsführung gab er in andere Hände und freute sich auf einen wohlverdienten Ruhestand. Gerne hätte er den Erfolg seiner Klosterstadt erlebt und genossen, jedoch machte ihm die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung: Im Januar 2016 erlitt er einen Schlaganfall, wovon er sich nicht mehr erholte."

Die Nachricht vom Tod Geurtens, die Verena Scondo gestern Vormittag überbrachte, habe bei Mitarbeitern und Vereinsmitgliedern sowie bei den Vertretern der Stadt Meßkirch zu großer Betroffenheit geführt. Michael Straub, der bei Campus Galli zu den Mitarbeitern der ersten Stunde zählt, ermunterte die Kollegen, aus der Trauer neue Kraft zu schöpfen und den Blick nach vorne zu richten. Napierala schreibt: „Herr Geurten hätte sich gewünscht, dass wir weitermachen, was er angefangen hat.“