Um es gleich zu sagen: Die den beiden Bürgermeisterkandidaten zugeteilte Redezeit wurde von beiden voll ausgeschöpft. Hatte es im Vorfeld so noch die Diskussion gegeben, ob 45 Minuten nicht zu viel seien, wurde bei der Vorstellung der Stadt am Donnerstagabend in der Stadthalle das Gegenteil unter Beweis gestellt: Sowohl beim amtierenden Stadtoberhaupt Arne Zwick, wie auch bei seiner Herausforderin Anna Cisek, musste die Fragerunde nach dem Erreichen des Zeitlimits abgebrochen werden. Dabei verhielten sich die Bürger bei Cisek zunächst zögernd und die Kandidatin wandte sich mehrfach an die Zuhörer mit der Aufforderung, mit den Fragen nicht hinterm Berg zu halten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mit seiner Erfahrung aus den vergangenen 16 Jahr im Amt zeichnete Zwick während seiner Redezeit ein Panorama des Erreichten und zeigte auf, wo der Weg mit ihm in den kommenden acht Jahren hingehen sollte. Da die Kandidaten nach dem Eingang ihrer Bewerbung an die Reihe kamen, war es der amtierende Bürgermeister, der zuerst die Gelegenheit erhielt, zu sprechen. Cisek wurde durch Mitarbeiter der Stadtverwaltung während dessen in die nebenliegende ehemalige Viehhalle gebracht, damit sie den Beitrag ihres Konkurrenten nicht mitverfolgen konnte. Im Anschluss an seinen Vortrag wurde dann Zwick nach nebenan geleitet.

Amtsinhaber Arne Zwick.
Amtsinhaber Arne Zwick. | Bild: Günther Brender

Stichwörter bei seinem Ausblick auf eine etwaige dritte Amtszeit waren die flächendeckende Versorgung mit Glasfaserhausanschlüssen, die Sicherstellung des Kindergartenangebots, die Sanierung des Rathauses und die Erweiterung in das nebenliegende Löwengebäude, das Starkregen-Riskomanagement, die Innenstadtaufwertung sowie den Tourismus-Ausbau und die schrittweise Wiederinbetriebnahme der Ablachtalbahn für die Öffentlichkeit. Zwick erinnerte daran, dass er seine Kandidatur bereits beim Neujahrsempfang angekündigt hatte und sagte, dies sei als klares Signal zu verstehen, dass er auch bei einer dritten Amtszeit nicht vorhabe, zwischendurch aufzuhören. Die Lage der Stadt sei ernst gewesen, als er vor 16 Jahren an ihre Spitze als Bürgermeister trat, stellte er fest und legte Wert darauf, dass man es gemeinsam geschafft habe, sie wieder auf Kurs zu bringen. Jetzt gehe es darum, das Erreichte auszubauen.

Herausforderin erhält das Wort

Herausforderin Anna Cisek bezeichnete sich aufgrund ihrer fehlenden Verwaltungserfahrung als die nicht klassische Kandidatin; dennoch sei sie überzeugt, die Richtige zu sein. Für sie sei es ein Privileg gewesen, eine so schöne Stadt wie Meßkirch nach ihrem Zuzug vor zwei Jahren kennenlernen zu dürfen. Umso trauriger mache es sie daher, "dass es kein Leben auf dem Marktplatz gibt, die Läden leer stehen und der Hofgarten nur eine Wiese ist". Dabei sei sie nicht der Mensch, der nur meckert und nichts unternimmt. Sie wolle gemeinsam mit den Bürgern Lösungen suchen und diese umsetzen, warb Cisek, die sich als parteilos und als unabhängig vorstellte.

Herausforderin Anna Cisek.
Herausforderin Anna Cisek. | Bild: Günther Brender

Als Ziele nannte sie die Schaffung neuer Arbeitsplätze, die Senkung des Gewerbesteuerhebesatzes, die Förderung des Miteinanders in der Stadt und die Einbeziehung der Jugend, etwa durch die Schaffung eines Jugendgemeinderats, die dauerhafte Ansiedlung eines Kinderarztes, eine Aufstockung der Busverbindungen, keine Diskriminierung von Mensch und Tier, eine moderne städtische Verwaltung ohne bürokratische Hürden, die Nutzung des Internets zur Kommunikation mit den Bürgern, angepasste Öffnungszeiten des Bürgerbüros und der Touristinformation sowie regelmäßige Bürgersprechstunden in der Kernstadt und in den Stadtteilen.

Schlude appelliert an die Bürger

Bürgermeisterstellvertreter Thomas Schlude, der die Veranstaltung gemeinsam mit Hauptamtsleiter Matthias Henle moderiert, verabschiedete die Besucher am Ende des Abends und rief dazu auf, am 23. September an die Wahlurne zu gehen. Denn durch eine hohe Wahlbeteiligung werde das Amt des Bürgermeisters gestärkt und die Stadt könne so ein wichtiges Zeichen in die Region hinausschicken.

Nahversorgung
und Demokratie

Die Bürger nahmen die Gelegenheit bei der Kandidatenvorstellung wahr, Fragen zu stellen. Hier eine Auswahl:

  • Amtsinhaber Arne Zwick wurde gefragt, ob er eine Nahversorgung mit Lebensmitteln für ältere Bürger im Stadtbereich installieren realisieren könne. Er entgegnete, die Möglichkeit eines Einkaufsbusses wäre zu prüfen. Alles andere sei nicht realistisch. Weiter wurde gefragt, ob es noch zeitgemäß sei, sich Ortsvorsteher zu leisten, die teils nur als Briefträger fungierten. Zwick antwortete, dass sich das System der Ortsverwaltungen bewährt habe und es gut investiertes Geld sei. Es brauche jemanden, der sich vor Ort kümmert. Dabei könnte es auch einmal zum Austragen von Briefen kommen. Bei anderer Gelegenheit wandte sich Zwick gegen den Vorwurf des Flächenverbrauchs und sagte, dass die Stadt bei innerstädtischen Grundstücken überwiegend kein Vorkaufsrecht besitze und das Problem aus seiner Sicht nicht existiere.
  • Herausforderin Anna Cisek hielt fest, dass sie ansiedlungswilligen Ärzten einen Praxisraum zur Verfügung stellen und Gespräche führen wolle, um Ärzte nach Meßkirch zu bringen. Auf die Frage, ob sie in den Kreistag möchte, entgegnete sie, dass sie Bürgermeisterin werden wolle und noch nicht wisse, ob sie auch in den Kreistag möchte. Die Frage nach ihrem Demokratieverständnis beantwortete sie mit der Aussage, sie wolle die Bevölkerung um ihre Meinung fragen und diese dann auch akzeptieren. Sie wolle gemeinsam mit den Bürgern, Dinge in Bewegung setzen. Auf andere Fragen antwortete sie, dass sie für Sicherheit und Ordnung in der Stadt stehe. (mos)