"Was für mich derzeit noch das Schwierigste ist, ist das Umstellen im Kopf", beschreibt die gelernte Sozialarbeiterin ihre bisherige Erfahrungen im Dienste zweier Kommunalverwaltungen. Sie versuche, die Themen voneinander zu trennen aber das gelinge nicht immer, da vieles auch beide Orte betrifft. "Was mir hilft, ist, wenn ich die Leute einmal kennengelernt habe und der persönliche Kontakt zustande gekommen ist", sagt sie. Damit das möglichst reibungslos funktioniert habe sie sich für Meßkirch eine Liste aufgestellt mit Personen, die sie besuchen möchte. Diese Woche, beispielsweise, habe sie Gabriele Weiß, der Leiterin der Conradin Kreutzer Grund- und Werkrealschule ihren Antrittsbesuch abgestattet.

Und es bahnt sich dieser Tage auch die erste größere Veranstaltung an, die zwar schon vor ihrer Zeit über die Stadtverwaltung, Caritas und Flüchtlingshilfe Meßkirch angestoßen worden sei, die sie nun aber mitbegleitet. Dabei werde es um Flüchtlinge und deren Potenziale in Arbeit und Ausbildung gehen. Die Initiatoren haben es dabei bewerkstelligt, dass ihr Projekt mit Mitteln des Landesprogramms "Demokratie stärken" und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg finanziert wird. "Aufgrund der allgemeinen guten Konjunktur bleiben offene Stellen, speziell im Handwerk unbesetzt", heißt es so in einer von Gernot Fischer von der Flüchtlingshilfe Meßkirch mitunterzeichneten Erklärung. Da aktuelle Umfragen diesen Trend bestätigten, sei es das Ziel der Initiative Flüchtlingspotenziale, den Arbeitskräftebedarf wenn möglich mit dem vorhandenen Potenzial der Flüchtlinge zu verbinden. Dazu laden Flüchtlingshilfe, Caritas und Eisele auf den 5. Juli in den Seminarraum von Schloss Meßkirch ein. Referenten von Arbeitsagentur, Jobcenter und Flüchtlingshilfe sollen dort informieren. Der SÜDKURIER wird über diese Veranstaltung noch im Detail berichten.

In der täglichen Arbeit von Eisele geht es neben dem Bereich "Arbeit", mit dem sie auch befasst ist, indes derzeit vor allem um das Thema "Ehrenamt". "Ich versuche in beiden Orten die Arbeit der Ehrenamtlichen zu unterstützten", sagt sie. Fakt sei in dem Zusammenhang aber eben auch, dass es nicht mehr so einfach sei, die Reihen der ehrenamtlich tätigen Helfer geschlossen zu halten und Nachwuchs zu gewinnen. "Mit einem Aufruf im Amtsblatt ist es da nicht mehr getan." Über gezielte Aktionen wolle sie versuchen, hier Abhilfe zu schaffen. Ein anderes Thema, das sie in der Heideggerstadt derzeit beschäftige, sei das Multikulti-Café im Paul-Gerhardt-Saal der evangelischen Kirchengemeinde Meßkirch, das derzeit eingeschlafen sei. Das wolle sie wieder ändern. "Es ist ein wichtiges Angebot für die Stadt und ich versuche, es so aufzustellen, dass es nicht mehr an einer ehrenamtlichen Person hängt."

Insgesamt sei sie eher für die Vernetzung zuständig und, was nicht vergessen werden dürfe, nicht nur für Flüchtlinge sondern insgesamt für Migranten, die in der Stadt lebten. Das unterscheide ihre Aufgabe beispielsweise von der der Caritas-Migrantenberatung, die derzeit im Klösterle untergebracht ist und in der es eher darum gehe, Hilfestellung beim Ausfüllen von Formularen zu leisten und darum aufzuzeigen, welche Leistungen in Anspruch genommen werden könnten. Weiter berate sie, sie sei in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv, sei Ansprechpartnerin bei Konflikten in Kindergärten, Schulen oder Vereinen, sei in politischen Gremien und in Gremien der Flüchtlingshilfe tätig und arbeite daran, neue Projekte und Maßnahmen aufzustellen.

Nach rund zwei Monaten im Amt, zieht Eisele dabei ein positives Fazit, der in Meßkirch und auch in Ostrach vorgefundenen Bedingungen: "Es gibt hier keine Probleme", sagt sie doch fügt an: "Es gibt aber auch Menschen, die wir nicht erreichen."

Zwei Aktionen sind derzeit in Vorbereitung

Im Rahmen der Interkulturellen Wochen 2018 im Landkreis Sigmaringen hat die Integrationsbeauftragte Martina Eisele zwei Veranstaltungen in Meßkirch vorbereitet:

  1. .Ausstellung: Unter dem Titel „So ein goldenes Land“ soll es eine Ausstellung und Hörinstallation im Turmzimmer von Schloss Meßkirch geben in der Zeit von Freitag bis Sonntag, 14. bis 30. September, jeweils freitags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr. Das Kunstprojekt von Karolin Bräg in Zusammenarbeit mit Brunhilde Raiser, evangelisches Bildungswerk Oberschwaben, befasse sich mit dem Thema Flucht. Als "Goldenes Land" sei Deutschland von vielen Flüchtlingen angepriesen worden. Aber wie sehen es die Menschen, die schon lange oder schon immer hier leben? Wie sehen es Menschen, die freiwillig und ehrenamtlich Flüchtlinge begleiten oder ihnen im Kontext ihrer Arbeit begegnen? Darum solle es in der Ausstellung gehen und: "2016 hat für viele eine Neubewertung stattgefunden. Ist unser Land so goldstrahlend, weil so viele unterschiedliche Menschen hier Raum zum Leben finden können und sollen? Oder ist unser Land so golden und daher ein so wertvoller Schatz, den es vor allem zu schützen gilt, der nicht geteilt werden sollte, damit er nicht an Wert verliert?" Eisele sagt, sie wolle versuchen, unter der Woche für Gruppen Führungen durch die Ausstellung anzubieten, die auch im Rahmen der Langen Museumsnacht in Schloss Meßkirch geöffnet sein werde.
  2. .Gesprächsangebot: Unter der Überschrift "Typisch deutsch, typisch syrisch, typisch italienisch…" werde ein Erzählcafé im Multikulti-Café am Dienstag, 2. Oktober, ab 19 Uhr bei der evangelischen Kirchengemeinde Meßkirch im Paul-Gerhardt-Saal angeboten. Einheimische und Zugezogene sollten sich dort zum Gespräch und zum Austauschen treffen. "Das Multikulti-Café lädt ein zum Gespräch bei Tee, Kaffee und Gebäck." Da die Ehrenamtliche, die das Café in den zurückliegenden Monaten maßgeblich betreute, diese Aufgabe aus privaten Gründen nicht mehr weiter wahrnehmen kann, ruht das Angebot des Multikulti-Cafés derzeit. Martina Eisele ist derzeit bestrebt, das Multikulti-Café, über diese Veranstaltung im Oktober hinaus, wieder mit Leben zu erwecken. (mos)