Eine kleine Gruppe von einem Dutzend Interessierten hatte sich vor Kurzem zusammengefunden, um sich von Klaus Zillner durch die Dauerausstellung in der Kreisgalerie im Meßkircher Schloss führen zu lassen. Der Kunstkenner aus Ravensburg erläuterte das Sammlungsprinzip der Galerie sowie einzelne Arbeiten. Dabei lenkte er den Blick auf Besonderheiten und animierte die Besucher zu einem regen Austausch.

Eine geometrische Bronze-Figur von Anton Hiller aus dem Jahr 1975.
Eine geometrische Bronze-Figur von Anton Hiller aus dem Jahr 1975.

Zu Beginn der Sonderführung ging Zillner auf die Geschichte der Sammlung sowie der Räumlichkeiten ein. Der Einsturz der Decke im Erdgeschoss des Südflügels habe als positiven Aspekt bewirkt, dass dort bei der räumlichen Einteilung während der Renovierung keine denkmalpflegerischen Rücksichten genommen werden mussten. Insofern ließen sich mehr Zwischenwände einziehen, um eine größere Anzahl von Werken zu zeigen. "Der Boden ist so, wie er früher mal war", beschrieb Klaus Zillner. Er lasse als historisches Relikt Rückschlüsse auf die vormalige Benutzung zu.

Besucher sollen sich Gedanken zu den Kunstwerken machen

Da er kein Kunsthistoriker sei, wie Klaus Zillner betonte, nähere er sich den Kunstwerken gerne mit philosophischen Fragen. Er ermunterte die Besucher dazu, sich Gedanken zu den einzelnen Kunstwerken zu machen und ihre Einschätzung zu äußern. Meistens ließen sich verschiedene Dimensionen in einem Werk erkennen und man könne immer wieder Neues entdecken. Vor dem Bild "Die Treppe" von Rolf Eisenburg ließ Zillner die Besuchergruppe mutmaßen, woher die Treppe komme und wohin sie führe, was auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen ist.

Klaus Zillner (links) erläuterte während der Führung durch die Dauerausstellung der Kreisgalerie im Meßkircher Schloss die verschiedenen Schaffensphasen des Bildhauers Anton Hiller, zu dessen Lieblingsmotiven Pferde gehörten. Bild: Isabell Michelberger
Klaus Zillner (links) erläuterte während der Führung durch die Dauerausstellung der Kreisgalerie im Meßkircher Schloss die verschiedenen Schaffensphasen des Bildhauers Anton Hiller, zu dessen Lieblingsmotiven Pferde gehörten. Bild: Isabell Michelberger

Am Beispiel des Ölgemäldes von Johann Baptist Pflug "Schlacht bei Ostrach im Jahr 1799" erläuterte Zillner die Vorgehensweise der damaligen Künstler. Zum einen sei Wichtiges in der Bildmitte platziert und zum anderen hell hervorgehoben wie in diesem Bild der Habsburger Erzherzog, auf einem Schimmel reitend, sowie die Stadt Ostrach im Hintergrund. Pflugs Genre-Szenen sei es zu verdanken, dass man einen Eindruck davon hat, wie das einfachere Volk gelebt hat und in welcher Weise sie ihre Bräuche pflegten. Auf die Frage, wie lange wohl die Räuberbande um den Schwarz Vere Anfang des 19. Jahrhunderts die Gegend unsicher gemacht habe, schätzten die meisten eine Zeitspanne von zehn bis 20 Jahren.

Es waren allerdings nur zwei Monate. "Daran kann man erkennen, dass eine Sache in der Vorstellung eine größere Dimension erhält, wenn sie oft erwähnt oder dargestellt wird", schmunzelte Zillner. Zillner ging ebenso auf den Sammlungsschwerpunkt der Kreisgalerie ein, der auf den Werken von Gottfried Graf, Albert Birkle und Anton Hiller liegt. Allein von Letztgenanntem besitzt der Landkreis 99 Arbeiten. Bei diesen drei Künstlern sind die Schritte ihrer künstlerischen Entwicklung anhand der größeren Anzahl der Arbeiten nachzuvollziehen. Während die Figuren von Hiller (Pferdekörper gehörten zu seinen Lieblingsmotiven) zunächst noch stark stilisiert und am Naturvorbild orientiert sind, bekommen sie in einer weiteren Phase zunehmend geometrische und stark reduzierte Körper.

Beeindruckend sind die Bilder von Albert Birkle, welche die Menschen im Berlin der 1920er-Jahre zeigen. "Man erkennt in den Gesichtern, dass keiner weiß, was die Zukunft bringen wird", beschreibt Zillner. Die Besucher hörten den Ausführungen gespannt zu und hatten Vergnügen daran, ihre eigenen Ideen und Interpretationen beizusteuern.