Alle zwei Jahre im Herbst lassen Vater und Sohn Bücheler vom „Adler-Leitishofen“ ihre Kontakte spielen. Und da beide sehr gut vernetzt sind, gelingt es ihnen immer wieder aufs Neue, Köche, mit denen sie früher gemeinsam am Herd standen, nach Meßkirch-Menningen zu locken. Gemeinsames Kochen macht bekanntlich Spaß und das durften die etwa 150 Gäste beim Küchenfest hautnah miterleben. Denn die meisten der neun Gänge mussten in der Küche abgeholt werden. Und wenn dann noch die „Schlegele Kings“ in der Küche aufspielen, dann konnte es teilweise schon ganz gehörig eng am Herd werden. Und danach kam für die Gäste der zweite Teil des Spaßes, das Genießen. Denn was das Team des „Adler-Leitishofen“ mit ihren kochenden Gästen auf die Teller zauberten, das konnte sich sehen und vor allem schmecken lassen.

Wenn neben den zahlreich Köchen und den Gästen auch noch die „Schlegele Kings“ in der Küche aufspielten, wurde es zwar eng, aber stimmungsvoll.
Wenn neben den zahlreich Köchen und den Gästen auch noch die „Schlegele Kings“ in der Küche aufspielten, wurde es zwar eng, aber stimmungsvoll. | Bild: Jürgen Rössler

Den Auftakt machten die Auszubildenden mit Aperitif-Häppchen, gefolgt von Stubenküken und Kalbsbries auf Topinambur und roter Zwiebel, kreiert von Tobias Kneissl, der normalerweise für den Autobauer Porsche kocht. Spätestens zum Anschluss des ersten Drittels, bei der Hummersuppe mit Safran-Täschchen, war klar: Das Team in der Küche harmoniert, von wegen „viele Köche verderben den Brei“.

Die Töchter des Hauses, hier Elena Bücheler, mischten sich unter die Gäste. Hubert Neidhart kümmert sich um den Feinschliff des Ganges.
Die Töchter des Hauses, hier Elena Bücheler, mischten sich unter die Gäste. Hubert Neidhart kümmert sich um den Feinschliff des Ganges. | Bild: Jjürgen Rössler

Weiter ging die kulinarische Reise auf die Halbinsel Höri, wo sich Genussbotschafter Hubert Neidhart vom „Grünen Baum“ in Moos ganz besonders mit Fisch und Bülle, einer regionalen Zwiebel, auskennt. Das Zusammenspiel von Bodensee-Fisch und Höri-Gemüse servierte er unter dem Titel „Moosi-Goreng“. Nicht nur die Köche, die ja pro Gang 150 Portionen zubereiten mussten, auch den Gästen wurde „konditionell“ einiges abverlangt. Denn weiter ging es mit der „kleinen Schweinerei“ von Mick Verheijen („See Park Janssen“ in Geldern) gefolgt von Wild aus dem Schwarzwald, einem in Kräuter gebratenen Rehrücken von Koch, Jäger und Sommelier Johannes Dünnebacke (Haus Schledorn in Altglashütten). Dass „Arme Ritter“ alles andere als eine Resteverwertung in der Küche sein kann, bewies Joel Hardegger vom „Brauwerk“ in St. Gallen mit einer herzhaften Variante.

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Und da die Menüfolge jeder der Gäste auf seiner Schürze stehen hatte, war klar, dass bis Mitternacht noch zwei Gänge auf dem Programm standen. Dominik Enderle, Küchenchef der Stiftung Transfair, überzeugte mit einem „Duo vom heimischen Rind“. Für das Finale, Nougat Gateau und Cassismacaron, war dann Max Darstein vom Hotel Darstein in Altrip verantwortlich.

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Enderle ließ bei der Vorstellung seines Ganges durchblicken, was sich im Laufe des Abends in der Küche abspielt, wenn zwei Köche-Generationen am Werk sind. „Hubert Neidhart hat uns gezeigt, wie man vor 50 Jahren gekocht hat – Merci dafür!“, schilderte er mit einem Schmunzeln, ehe Neidhart, der mit der Anzahl der Jahre nicht ganz einverstanden war, ergänzte: „Und wir haben gezeigt, wie man vor Jahren in der Küche für Ordnung gesorgt hat!“

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Ohne zu lange Pause und mit angemessenen Portionsgrößen sowie den passenden Weinen wurden die Leckereien serviert, ein runder Ablauf. Die Gastgeber Guido und Frederik Bücheler unterstützten dabei in der Küche ihre Gäste, während Marianne Bücheler den Abend moderierte. Für die gute Stimmung, aber auch dafür, dass einige Kalorien gleich wieder durch tanzen abgebaut wurden, sorgte wieder einmal die „Schlegele Kings“ aus Radolfzell.

Fazit: Das Konzept, alle zwei Jahre etwas ganz Besonderes im „Adler-Leitishofen“ zu präsentieren, kam wieder einmal sowohl bei den etwa 150 Gästen, als auch bei den Gästeköchen, denen man ihre Begeisterung für ihren Beruf beim Gang durch die Küche anmerkte, sehr gut an.

Traditionshaus

Das heutige Gebäude wurde 1758 errichtet und um 1800 als Gastwirtschaft Adler bekannt. Landwirtschaft dürfte über Jahrhunderte hinweg der Hauptlebenserwerb gewesen sein. Auch die Krieger aus Napoleons Zeiten um 1800 ließen sich im Adler verköstigen. Mit dem Ausbau eines Festsaales in den 1930er-Jahren wurde der Adler als Treffpunkt sehr beliebt. Erntetanz, Hochzeiten, Fastnachtsveranstaltungen wurden gefeiert, die Wirtsleute waren trotz der geführten Landwirtschaft immer für ihre Gäste da: 1864 Anton Bücheler, 1884 Fidel Bücheler, 1910 Anton und Sofie Bücheler. 1953 dann die Eltern des jetzigen Besitzers Anton und Maria Bücheler. Um- und Neubauten im Ökonomieteil des Gebäudes erfolgten mit der Übernahme von Guido und Marianne Bücheler im Jahre 1981. Neben Seniorchef Gudio Bücheler steht heute dessen Sohn Frederik Bücheler in der Küche.