Wie gehe ich mit Menschen um, die an einer Demenz erkrankt sind? Um diese Frage ging es in dieser Woche zwei Tage lang bei einem Fortbildungsseminar der Meßkircher Nachbarschaftshilfe (NBH). Zum Abschluss des Seminars konnte Christine Marx die entsprechenden Teilnahmezertifikate an zwölf Frauen und einen Mann überreichen. Es war bereits die zweite Informationsveranstaltung zum Thema „Demenz„ in diesem Jahr.

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Wie die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe erläuterte, gehören solche Seminare zu den neuen Pflichtveranstaltungen für die ehrenamtlichen Helfer der NBH. Pro Jahr müssen jetzt von den Einsatzhelfern 60 Stunden Fortbildung in den verschiedensten Bereichen nachgewiesen werden.

Seit Januar war das für die Meßkircher die sechste Weiterbildungsveranstaltung. Für die Nachbarschaftshelfer sind diese Seminare in der Regel kostenlos. Lediglich für das Erste-Hilfe-Training beim DRK musste jeder Teilnehmer 45 Euro aus der eigenen Tasche bezahlen. Die zweitägige Fortbildung zum Umgang mit an Demenz erkrankten Personen wurde von der AOK finanziert. Die Nachbarschaftshilfe Meßkirch gehört zum „Caritativen Förderverein für soziale Aufgaben“ der Caritas. Dieser Förderverein ist wiederum Mitglied im überregionalen Netzwerk „Nachbarschaftshilfe“ mit der Zentrale in Freiburg. Von dort aus werden auch die Meßkircher Fortbildungstermine organisatorisch begleitet und die entsprechenden Referenten vermittelt. Das Netzwerk sei, so erläutert Marx, eine Einrichtung der katholischen Erzdiözese. Die Nachbarschaftshilfe vor Ort arbeite jedoch überkonfessionell.

Ulrike Ott, Teilnehmerin: „Ich pflege gerne soziale Kontakte zu alten Menschen, beispielsweise beim Plätzchenbacken oder bei Spaziergängen“
Ulrike Ott, Teilnehmerin: „Ich pflege gerne soziale Kontakte zu alten Menschen, beispielsweise beim Plätzchenbacken oder bei Spaziergängen“ | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Christine Marx betonte im SÜDKURIER-Gespräch, dass die Mitarbeiter der Nachbarschaftshilfe keine pflegerischen Arbeiten übernehmen, das sei Sache der Sozialstation. Warum sich die Helfer dann über den Umgang mit und die Alltagsgestaltung für demenzkranke Personen informierten, erklärte die Vorsitzende so: „Selbst bei unseren niedrigschwelligen Alltagsangeboten wie bei der Mithilfe im Garten oder der Erledigung bestimmter Hausarbeiten kommen wir mit Demenz-Patienten und deren Angehörigen in Kontakt.“ Deshalb sei es wichtig zu wissen, wie man mit diesen Menschen begegnet und wie die Demenzkranken in bestimmten Situationen reagieren.

Referentin vermittelt grundlegendes Wissen

Die vom Netzwerk vermittelte Referentin Andrea Orth erläuterte an beiden Seminartagen grundlegendes Wissen über die bisher nicht heilbare Gehirnerkrankung. Als ehemalige Leiterin eines Pflegeheims und als Pflege-Ausbilderin konnte sie ihren Zuhörern neben der Theorie über die Krankheit auch zahlreiche Tipps aus der Praxis mit auf den Weg geben. Christine Marx: „Besonderes Gewicht legte unsere Referentin auf die Wertschätzung gegenüber dem Demenzkranken.“ Durch die fortschreitende Erkrankung werde der Patient nicht auf einmal zum unmündigen Kind: „Er ist weiter ein Erwachsener, der sich aber an viele Dinge nicht mehr erinnern kann,“ brachte Marx das Kernanliegen der Referentin auf den Punkt.

Das Helferteam der NBH hat 55 Helfer, die Mehrzahl Frauen. Pro Jahr werden rund 80 Personen betreut, so Einsatzleiterin Sonja Beil.

Soziale Kontakte im Vordergrund

Irene Brenner
Irene Brenner | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Irene Brenner aus Rengetsweiler stellt seit fünf Jahren einen Großteil ihrer Freizeit in den Dienst der Meßkircher Nachbarschaftshilfe. Sie ist 59 Jahre alt und Hausfrau. „Als die Kinder aus dem Haus waren, dachte ich, ich müsse mich irgendwie nützlich machen“, begründet die Russlanddeutsche ihr Engagement. Zwei Mal pro Woche leistet sie in Meßkirch und Umgebung praktische Hilfe. Brenner zählt auf: „Ich koche, leiste Haushaltshilfe und pflege soziale Kontakte beim Spazierengehen.“ Sie habe gerne Kontakt mit alten Leuten. Zu den eher negativen Erfahrungen gehört, dass die Menschen, zu denen sie Kontakt aufgebaut hat, sterben. Irene Brenner lässt sich deshalb nicht beirren. Gerade dadurch habe sie einen neuen Umgang mit dem Tod gelernt.

Transportfahrten für Hilfsbedürftige

Albert Weinbörner
Albert Weinbörner | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Albert Weinbörner verbringt wöchentlich als Mitarbeiter der Nachbarschaftshilfe viele Stunden auf der Straße. Der 67 Jahre alte Senior aus Rengetsweiler hat sich und sein Auto dem Fahrdienstangebot der NBH zur Verfügung gestellt. Der Rengetsweiler beschreibt seine Aufgabe so: „Ich fahre die Leute seit fast drei Jahren zum Arzt, ins Krankenhaus, zur Krankengymnastik oder zum Einkaufen.“ Dabei kommen so manche Kilometer zusammen. Denn zu den regelmäßigen Zielen gehören auch Einrichtungen in Tuttlingen, Pfullendorf und Ravensburg. Früher kümmerte sich der Rentner noch um andere Aufgaben und übernahm beispielsweise das Rasenmähen. Aus Altersgründen beschränkt sich der Rengetsweiler auf die Fahrdienste. Was ihn für seinen Dienst immer wieder neu motiviert, seien die vielen positiven Rückmeldungen.

Fachliche Beratung im Alltag

Ursula Schwelling
Ursula Schwelling | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Ursula Schwelling aus Meßkirch ist gelernte Altenpflegerin und war während ihres Berufslebens Heimleiterin. Die 70-Jährige steht der Meßkircher Nachbarschaftshilfe als „beratende Fachkraft“ zur Seite. Diese Funktion füllt die Seniorin jetzt seit fast einem Jahr aus und es macht ihr, wie sie sagt, Freude. Ihr Aufgabenbereich ist es, im Alltag der NBH als Beraterin zur Seite zu stehen, wenn einer der Helfer mit einer Situation nicht klar kommt. In den letzten Monaten gab es einen solchen Fall. Ein Helfer der Nachbarschaftshilfe kam mit dem Transfer eines Seniors in den Rollstuhl nicht klar. Schwelling: „Ich kam vor Ort, habe die notwendigen Handgriffe gezeigt und konnte noch einige Tipps geben.“ Damit sei das Problem gelöst gewesen. Das Fortbildungsseminar fand die Fachfrau interessant. Sie habe Neues erfahren.