Die Varroamilbe ist nach wie vor der größte Feind der Honigbienen. In dieser Einschätzung sind sich Imker Walter Loes sowie der stellvertretende Vorsitzende Peter Frech und der Vorsitzende des Bezirksimkervereins Meßkirch Christian Vetters einig. Derzeit geht es nach Einschätzung der drei Fachleute den summenden Honigproduzenten im und um das Donautal sehr gut. Die Bienenhalter kümmern sich jedoch nicht nur um ihre Honigbienen. Ihre Sorge gilt auch den Wildbienen und den Hummeln.

Wildbienen und Hummeln nicht vernachlässigen

Walter Loes aus Meßkirch ist seit 45 Jahren Imker. Der heute im Ruhestand lebende frühere Mitarbeiter der Sigmaringer Kreis-Landwirtschaftsverwaltung macht im SÜDKURIER-Gespräch deutlich, dass die Natur zur Bestäubung der Pflanzen sowohl auf die Wild- als auch auf die Honigbiene angewiesen sind. "80 Prozent der Bestäubungsarbeit leisten zwar die Honigbienen, die restlichen 20 Prozent der Wildbienen und Hummeln sind aber in keinem Fall zu vernachlässigen", sagt Loes. Zur Arbeit der Honigbienen erklärt der Meßkircher Bienenfachmann: "Die Honigbienen können schon im zeitigen Frühjahr fliegen und die ersten Blüten überhaupt aufsuchen." In dieser Zeit seien die Wildbienen und Hummeln noch nicht einsatzfähig. "Bei den Wildbienen überwintert nur eine Königin. Erst nach Beendigung der Winterstarre können sie anfangen, ein neues Volk aufzubauen."

In direkter Nachbarschaft zu Walter Loes Bienenstöcken sorgt ein Feld mit Sonnenblumen und anderen Blühpflanzen für Nachschub an Pollen und Nektar.
In direkter Nachbarschaft zu Walter Loes Bienenstöcken sorgt ein Feld mit Sonnenblumen und anderen Blühpflanzen für Nachschub an Pollen und Nektar. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Was aber alle Insekten brauchen, um überleben zu können, ist ein ausreichendes Nahrungsangebot vom Frühjahr bis in den Herbst hinein. In dieser Beziehung sieht es in der Region gut aus. Walter Loes fasst zusammen: "Unsere Bienen haben vom Frühjahr bis in den Herbst hinein einen voll gedeckten Tisch." Das ausdrückliche Imkerlob gilt den Landwirten. Auf ihren stillgelegten Flächen fänden die Insekten ein vielfältiges Blumenangebot. Loes: "Der Anbau der gelbblühenden Silphie, die für die Biogasanlagen gebraucht wird, stellt eine zusätzliche Bereicherung für die Bienen- und Insektenwelt dar."

Sehr bewusster Umgang mit Spritzmitteln

In den vergangenen Jahren sind Landwirte insgesamt sehr bewusst mit den Spritzmitteln umgegangen. Walter Loes meint, es sei auffallend, dass zuletzt keine Bienenschäden durch die Agrarchemie aufgetreten seien. Bleibt als Problem die Varroamilbe. Trotz intensiver Forschungen sei es bislang nicht gelungen, ein nachhaltig wirksames Mittel gegen diesen Schädling zu entwickeln. Auch haben, erläutert Loes, bislang die Versuche, eine varroastabile Bienenart zu züchten, nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Die Milbe verbringt ihre Jugendzeit als Parasit in der befallenen Biene. Die Imker setzen zur Bekämpfung der Milbe keine Chemie ein, sondern 60-prozentige Ameisensäure, wie Peter Frech beschreibt. Ebenfalls angewendet wird die seit 1760 in der Imkerei bekannte Oxalsäure. Mit beiden Mitteln gelinge es, die Varroamilbe unter Kontrolle zu halten.

Imker Christian Vetters über die Varroamilbe

Christian Vetters aus Beuron-Langenbrunn ist Vorsitzender des Bezirksimkervereins Meßkirch. In dem Interview nimmt er Stellung zur Lage des Vereins und zur Situation der Bienen in der Region.

Herr Vetters, seit wann sind Sie Imker und wie viele Völker betreuen Sie derzeit?

Ich habe mich seit 2005 der Imkerei verschrieben und betreue derzeit 30 Völker. Damit ist die Kapazitätsgrenze für mich als Freizeitimker erreicht.

Was sind aus Ihrer Sicht die aktuellen Gefahrenpunkte für die Bienen in der Region?

Das lässt sich in drei Stichworten ausdrücken: die Varroamilbe, die ausgeräumten Landschaften und die Agrar- und Gartenchemie. Im Augenblick macht mir die Varroamilbe am meisten Sorgen.

Warum?

Wir Imker haben diesen Bienenschädling momentan im Griff, weil wir uns sehr um unsere Völker kümmern. Würden wir das nicht tun und die Milbe bekäme die Überhand, würden wir uns mit einem gewaltigen Bienensterben auseinandersetzen müssen. Die ausgeräumten Landschaften sind eher ein beispielsweise norddeutsches Problem. Der Bienenschutz-Ausschuss beim Sigmaringer Landwirtschaftsamt hatte in den vergangenen Jahren keinen Fall durch Schäden wegen Agrarchemie zu behandeln.

Wie sieht die Situation im Bezirksimkerverein Meßkirch aus?

Auch da bin ich ganz zufrieden. Wir konnten in den vergangenen Jahren unseren Mitgliederbestand von 70 auf 118 Imker steigern. Davon sind 112 Mitglieder mit 699 Völkern aktiv. Das Durchschnittsalter liegt bei 55 Jahren.

Fragen: H.-P. Steinmüller