Während vielerorts Halloween entgegengefiebert wird, besinnt man sich in Schnerkingen auf die Tradition und geht Rübengeister-Laufen. Vergangenen Donnerstag war Erntetag: Acht Familien aus Schnerkingen und Meßkirch mit vielen Kindern packten mit an und im Nu war der Acker von Eberhard Hauff beim Schützenhaus am Hauptbühl abgeerntet. Jetzt stehen die Rüben zum Verkauf vor der Bäckerei Hauff in Schnerkingen, es gibt sie am Hauptbühl 6 bei der Familie Alber und auch im Café am Schützenhaus sollen sie demnächst verkauft werden.

Bild: Denise Alber

"Nach dem Ernten würden die Kinder natürlich am Liebsten schon an diesem Wochenende Rübengeister-Laufen gehen", weiß Denise Alber zu berichten. Denn: "Die Vorfreude ist groß." Doch traditionellerweise werde an den Tagen zur Kirbe am dritten Oktoberwochenende gelaufen und dann eben nicht an einem bestimmten Tag oder Zeitpunkt, sondern mehrmals, in kleinen Gruppen, teilweise auch mit den Eltern zusammen. Das kommt bei den Kindern bestens an.

Beim Ernsten der Dickrüben. Bild: Denise Alber
Beim Ernsten der Dickrüben. | Bild: Denise Alber

"Das Laufen macht mir am meisten Spaß", bekundet so auch die kleine Emily und Leon, der am gestrigen Freitag bei dem Treffen der Rübensammler in Schnerkingen mit dabei war, stimmt mit ein. Allerdings mache auch das Rausziehen der Rüben auf dem Acker große Freude, stellt er fest und Moritz, ein anderes Kind, das mit von der Partie ist, betont, dass auch das Schnitzen der Rübengeister klasse sei. "Da kann man schon was Cooles machen", weiß auch Denise Alber. Und einen weiteren Vorteil hätten die Rüben gegenüber den Kürbissen: Sie sähen schon von Natur aus ein bisschen gruseliger aus und individueller sowieso.

Tradition lebendig erhalten

Seit nunmehr drei Jahren kümmerten sich die Familien um den Rübenacker am Schützenhaus, um die Tradition im Ort lebendig zu halten. Hauff spricht von der "Dickrüben-Genossenschaft von Schnerkingen." Alber erinnert sich, dass Bäcker Hauff immer Rüben für die Pferde als Futter anbaute, doch dann eines Jahres keine Lust mehr dazu hatte. Da habe es plötzlich auch keine Rüben mehr für die Kinder gegeben und so sei dann der Deal zustande gekommen, dass Hauff die Rüben sät und den Acker zur Verfügung stellt und die Familien sich im Anschluss um alles Weitere, inklusive dem Unkraut jäten und der Ernte, kümmern.

Moritz freut sich schon auf das Rübengeisterlaufen und ihm hat die Ernte Spaß gemacht.
Moritz freut sich schon auf das Rübengeisterlaufen und ihm hat die Ernte Spaß gemacht. | Bild: Moser, Gregor

Mit dem Verkaufserlös wird das Saatgut für das nächste Jahr gekauft und die Rüben, die nicht zum Rübenlaufen verwendet werden, enden als Futter für die Tiere. Dafür seien die gehalt- und geschmackvollen Rüben prädestiniert, sagt Hauff. Und die Tiere seien wie wild darauf.

 

Das Licht der Kerze als christliches Symbol

Was sind das genau für Rüben, die auf dem Acker von Eberhard Hauff angepflanzt werden?

Es sind Futterrüben, auch Dickrüben genannt. Und die seien nicht zu verwechseln mit Zuckerrüben, die in der Region Meßkirch wegen des schweren Bodens nicht gut zum Ziehen seien. Im Gegensatz zur Zuckerrübe, die in die Erde hineinwächst, wächst die Dickrübe auf der Erde, wie ein Kohlrabi. Von der Form her sind sie länglich bis rund und es gebe gelbe und rote Rüben. Die Zuckerrübe sei kleiner und sie habe nur eine Pfahlwurzel.

Wie sieht das Verhältnis der Rübengeister zu den Kürbisgeistern von Halloween aus?

Anfangs verwendeten die Menschen, so wie auch in Schnerkingen und Meßkirch, keine
Kürbisse als Laternen, sondern dicke Rüben. Mit solchen Rübengeistern zogen die Kinder in
Deutschland, Österreich und der Schweiz im Herbst umher, bevor der Halloween-Brauch hier bekannt war. Verkleidet haben sie sich dabei nicht. An Halloween gibt es in den USA den so genannten "Jack O Lantern". Übersetzt heißt dies "Jack mit der Laterne". Er ist für die Amerikaner das, was für uns Kürbisgeister oder Rübengeister sind. Zündet man im Kürbis ein Licht an, soll dies böse Geister verjagen.

Und wo liegt bei uns der Ursprung der Rübengeister?

Der Kulturwissenschaftler Christof Heppeler vom Freilichtmuseum in Neuhausen ob Eck führt den Ursprung auf den Heiligen Martin zurück. Es gehe darum, das Licht, das angezündet wird, nicht zu verstecken, sondern es heraus in die Welt zu tragen. Das Licht sei dabei selbstverständlich als ein christliches Symbol zu sehen, erläutert er. Der Herbst sei mit dem Winterbeginn im bäuerlichen Leben am 11. November und dem Martinstag am 8. November schon immer eine sehr wichtige Zeit bei den Menschen der Region gewesen. Darauf verweise auch, dass der 11. November früher der Beginn einer Fastenzeit gewesen sei, die bis Weihnachten ging. Die Tradition des Rübengeisterlaufens sei in allen katholischen Gebieten Deutschlands sehr stark verbreitet gewesen.

Hat Halloween die Tradition des Rübengeister-Laufens abgelöst?

Nein. Zum einen bleibt das Rübengeister-Laufen in Schnerkingen und auch an anderen Orten noch immer lebendig. Zum anderen, gibt Heppeler zu bedenken, besage eine Interpretation, dass die Tradition des Lichterlaufens über Irland nach Amerika kam. "Aus Rübe wurde Kürbis" und dergestalt sei diese Tradition dann wieder nach Europa zurückgekommen, um sich dort jährlich in der Nacht zum 1. November zu manifestieren. Ob die Entwicklung dabei tatsächlich so war, sei dahingestellt. Doch sicher sei: Die Brauchtümer seien sich sehr ähnlich, stellt der Kulturwissenschaftler fest.

Wie lauten die Sprüche, die die Kinder in Schnerkingen aufsagen?

Einer geht so: "Hu, hu, hu. Wir sind die Rübengeister, wir haben einen Meister, der Meister hat befohlen, wir sollen Süßes holen."