Meßkirch – Zum Abschluss der Ausstellung "Was mir heilig ist" haben fünf Leihgeber in der Kreisgalerie im Meßkircher Schloss ein Galerie-Gespräch geführt, das Kurator Edwin Ernst Weber moderierte. Teilnehmer waren Ekkehard Baumgartner, katholischer Pfarrer in Sigmaringen, der Beuroner Benediktiner und Eremit Bruder Jakobus Kaffanke OSB, Online-Autor Johannes F. Kretschmann, der mennonitische Pastor Martin Schnegg sowie die Muslima Semanur Yilmaz. Sie sprachen darüber, welche Bedeutung der Glaube für sie persönlich hat und ob Religionen in der heutigen Gesellschaft noch gebraucht werden. Zahlreiche Besucher hörten der Runde zu.

"Warum ist Ihnen Ihr Glaube wichtig oder unwichtig?", richtete sich Weber an die Teilnehmer der Gesprächsrunde. Ekkehard Baumgartner erklärte, dass es beim Glauben auch darum gehe, die eigene Mitte zu finden und auf sein Herz zu hören. "Die Berge sind für mich ein geistlicher, spiritueller Ort, in denen ich Gott sehr nah bin", beschrieb er. In Martin Schneggs Zentrum des Glaubens steht der Gott der Bibel, der Schöpfer. Für Schnegg muss der Glaube jedoch immer Bezug zum Leben haben.

Als junger Erwachsener, nach Abitur, Studium und Bundeswehr, sei er, wie Bruder Jakobus Kaffanke erzählte, auf der Suche nach etwas Geistigem gewesen, mit dem er sich habe ganz verbinden können. "Dann habe ich plötzlich den roten Faden gesehen", beschrieb er seine erste intensive Begegnung mit dem Glauben. Er habe dann den Deutungszusammenhang begriffen.

Semanur Yilmaz führte der frühe Tod ihres Mannes dazu, mehr über Religion und Glauben zu lernen. Sie habe vieles gelesen, gehört und gedacht. "Es hat mir Türen geöffnet, als ich an etwas geglaubt habe", erzählte sie. Um möglichst viel zu verstehen, habe sie den Koran in Arabisch und in Türkisch gelesen.

"Ich war nie sehr fromm, aber sehr interessiert", beschrieb Johannes F. Kretschmann seine katholische Phase bis zum Alter von 18 Jahren. Für ihn persönlich spiele ein religiöser Glaube keine große Rolle, sondern er empfinde es als Segen, eine humanistische Bildung genossen zu haben.

Die Frage nach dem Nutzen oder der Gefahr von Religionen für die Gesellschaft beleuchtete die Runde aus verschiedenen Blickwinkeln. Vieles lasse sich besser verkraften, wenn man durch einen Glauben gestärkt werde, meinte Ekkehard Baumgartner. In diesem Sinne äußerte sich auch Martin Schnegg. Er erklärte jedoch, dass er das Wort Religion nicht so möge, denn der Glaube habe dem Einzelnen etwas zu bieten, er brauche die Gemeinschaft nicht. Alle stimmten darin überein, dass der Glaube beziehungsweise die Religion dann gefährlich sei, wenn sie extrem und einem anderen aufgezwungen werde. Unter anderem in Bezug auf die Religionskriege betrachtete es Kretschmann als kritisch, wenn die Sphären von Politik und Religion sich überschneiden. Die Gewalt habe beim Christentum dann Einzug gehalten, als es zur Staatsreligion wurde. Baumgartner fand im Evangelium aber keine Rechtfertigung von Gewalt. Der Geist der Schrift atme die große Freiheit.

Die Teilnehmer sprachen sich für Toleranz aus. Bruder Jakobus Kaffanke erläuterte: "Religionen sind mit verschiedenen Sprachen, Bild- oder Deutungssystemen vergleichbar." Man solle die Sprache des anderen lernen, um sich gegenseitig zu verstehen. Eine Zuhörerin ergänzte, dass sie den Glauben als Geschenk empfinde und erinnerte an die friedliche Revolution in der DDR, die von den Kirchen ausgegangen sei. Weber formulierte: Wenn die Ausstellung dazu beigetragen habe, das Interesse an anderen Religionsgemeinschaften zu wecken und anderen Glaubenshaltungen mit Respekt zu begegnen, habe sie ihren Zweck erfüllt.

Der Katalog

Zur Ausstellung ist der Katalog "Was mir heilig ist. Zeitgenössische Glaubensbekenntnisse von Menschen aus dem Landkreis Sigmaringen" erschienen. Er umfasst farbige Abbildungen aller Exponate der Ausstellung mit dazugehörigem Text. Er ist gegen eine Spende in der Kreisgalerie erhältlich.