Wegen gefährlicher Körperverletzung hat das Amtsgericht Sigmaringen eine 19-jährige Auszubildende aus Meßkirch zu einem Schmerzensgeld von 1040 Euro an das Opfer und den Kosten des Verfahrens einschließlich der Nebenklage verurteilt. Aus der Anklage ging hervor, dass die 19-Jährige am 11. November 2017 gegen 2 Uhr in einer Diskothek in Meßkirch einer 24-jährigen Frau zunächst einen Wodka ins Gesicht geschüttet und dann das leere Glas an den Kopf geworfen haben soll.

Schädelprellung und Platzwunde

Das Glas ging in die Brüche und das Opfer erlitt dabei eine Schädelprellung sowie eine Kopfplatzwunde, die genäht werden musste. Hintergrund dieser Auseinandersetzung war vermutlich Eifersucht, denn die Angeklagte sagte vor Gericht aus, dass sie eigentlich nur mit ihrem Ex-Freund habe sprechen wollen. Das Opfer habe sich hier eingemischt.

Angeklagte hatte reichlich Alkohol getrunken

Die Angeklagte sagte aus, nach einem Umtrunk bei Freunden sei die Gruppe zunächst in eine Bar und danach in die Diskothek gegangen. Hier habe sie acht Wodka-Red-Bull getrunken. Mit dem Glas habe sie jedoch nicht das Opfer treffen wollen. Sie habe das Glas auf den Boden werfen wollen – wie sie dabei vorgegangen sei, könne sie nicht mehr sagen.

Die als Zeugin geladene 24-Jähriger erklärte, dass sie mit dem Ex-Freund der Angeklagten auf der Eckbank bei der Bar gesessen habe. Die Angeklagte sei direkt zu ihr gekommen, habe sie beschimpft und aufgefordert, sich von ihrem Freund fernzuhalten.

Glas zersplittert am Kopf des Opfers

Dann habe sie den Wodka ins Gesicht bekommen und das Glas an die linke Kopfseite. "Das Glas ist dabei zersplittert." Sie habe eine stark blutende Wunde erlitten, die im Krankenhaus genäht werden musste. Drei Tage lang habe sie Kopfschmerzen gehabt, Schwindelanfälle bekommen und sei deswegen eine Woche krank geschrieben gewesen. Eine kleine Narbe sei zurückgeblieben.

Der als Zeuge geladene Ex-Freund der Angeklagten berichtete, dass die 19-Jährige an diesem Abend zwei Mal das Gespräch mit ihm suchen wollte, was er jedoch abgelehnt habe. Seine Ex-Freundin habe das Glas gezielt nach der 24-Jährigen geworfen.

"Vorfall war jugendtypisch"

Wolfgang Renn von der Jugendgerichtshilfe erklärte, die Angeklagte habe ihrer Mutter den Vorfall so geschildert, wie er in der Verhandlung zur Sprache gekommen sei. Entwicklungsverzögerungen könne er bei der 19-Jährigen nicht ausschließen. Er plädierte dafür, das Jugendstrafrecht anzuwenden, da der Vorfall jugendtypisch gewesen sei.

Die Staatsanwältin erklärte, für die Angeklagte spreche, dass sie teilweise geständig sei und sich in der Verhandlung beim Opfer entschuldigt habe. Die Schwere der Verletzungen spreche jedoch gegen sie.

Verteidiger plädiert für Verwarnung

Der Anwalt des Opfers verwies darauf, dass die Angeklagte das Glas ohne Grund geworfen habe. Der Verteidiger der 19-Jährigen hielt es jedoch für möglich, dass seine Mandantin bei dem Wurf die Richtung verfehlt haben könnte. Dafür spreche auch der Alkoholgenuss der jungen Frau. Schon fünf bis sechs Wodka-Red-Bull hätten sich auf die Schuldfähigkeit seiner Mandantin ausgewirkt. Er beantragte eine Verwarnung.

Richterin: Angeklagte kann froh sein, dass keine Blutprobe genommen wurde

Das Gericht verurteilte die 19-Jährige nach Jugendstrafrecht zur Zahlung von zwei Netto-Monatseinkommen als Schmerzensgeld an das Opfer. In ihrer Urteilsbegründung betonte die Richterin mit Blick auf den Alkoholkonsum der 19-Jährigen an jenem Abend, dass diese froh sei müsse, dass ihr nach der Tat keine Blutprobe entnommen worden sei. Sonst hätte sie womöglich Probleme mit dem Landratsamt beim derzeitigen Erwerb des Führerscheins bekommen.