Im Gespräch mit Doris A. Muth vom Stabsbereich Archiv des Landratsamts Sigmaringen erläuterte der aus Göggingen stammende Kern seine Herangehensweise an das Ausstellungsprojekt sowie seine Intention und seine Gedanken.

Deformation der Bäume.
Deformation der Bäume. | Bild: Tobias D. Kern

"Ein gutes Foto sagt mehr als tausend Worte", zitierte Muth aus dem Beitrag von Jean-Yves Bainier, der im zweisprachigen, die Ausstellung begleitenden Katalog erschienen ist, und wollte die Auffassung von Kern dazu hören. Eine Fotografie sei für ihn tatsächlich viel emotionaler als ein Text, wenn man die Ebene hinter der sichtbaren Realität betrachte. Der Fotografie hafte zwar stets das Attribut des Dokumentarischen an, doch je nach Auswahl des Motivs, Blickwinkels und Bildausschnitts könne der Fotograf den Blick des Betrachters lenken und Emotionen wecken.

Tausende von Bunkern und Unterständen

"Mich haben die Bauten auf dem Hartmannsweilerkopf fasziniert", erklärte Kern. Im Gegensatz zu der weniger befestigten Anlage auf dem französischen Terrain gebe es auf der deutschen Seite Tausende von Bunkern und Unterständen, beschrieb der Architektur- und Industriefotograf. Sie seien heute noch zugänglich, doch teilweise mühselig zu erreichen und auszukundschaften. "Es erstaunt die Meisterschaft, mit welcher sie gebaut wurden", erklärte er.

Im Gespräch mit Doris A. Muth (Dritte von rechts) beschrieb Fotograf Tobias Kern (Zweiter von rechts) in der Kreisgalerie im Meßkircher Schloss seine Bilder und Eindrücke vom Hartmannsweilerkopf im Elsass.
Im Gespräch mit Doris A. Muth (Dritte von rechts) beschrieb Fotograf Tobias Kern (Zweiter von rechts) in der Kreisgalerie im Meßkircher Schloss seine Bilder und Eindrücke vom Hartmannsweilerkopf im Elsass. | Bild: Isabell Michelberger

Zunächst habe er den Berg zweimal besucht, um ein Gespür für ihn zu bekommen und auszukundschaften, welche Kamera er wählen würde. Er entschied sich für eine schwere Analogkamera, die er samt Stativ den steilen Berg hoch und herunter schleppte, um annähernd zu spüren, welche Kraftanstrengung allein die Fußmärsche den Soldaten abtrotzten. Insgesamt sei er sieben Mal auf dem Hartmannsweilerkopf gewesen. Neben den baulichen Überresten, den Wehrgängen und Gräben hätte ihn der Wuchs der Bäume interessiert. Während der Kämpfe in den ersten beiden Jahren des Krieges hätte die Artillerie den Berg so stark unter Beschuss genommen, dass er wie gerodet oder nach einem Waldbrand ausgesehen hätte.

Deformation der Bäume auf dem Hartmannsweilerkopf.
Deformation der Bäume auf dem Hartmannsweilerkopf. | Bild: Tobias D. Kern

Diese Art Verwundung der Natur wirkte sich sichtbar auf den Wuchs der Bäume aus. "Im Jahr 2015 ist mir aufgefallen, dass die Bäume schief und vielarmig gewachsen sind", erzählt Kern. Auf diesen deformierten Wuchs als Nachwirkung der erbitterten Kämpfe richtete Kern das Objektiv der Kamera. Dabei interessierten ihn die Bäume lediglich bis zu einer Höhe von zehn bis 15 Metern. Die Arbeit für die Ausstellung habe seine Sicht auf den Ersten Weltkrieg verändert. Dazu hätten auch die Dokumente in der Uffholtzer Gedenkstätte Abri memoire beigetragen. Wo früher Franzosen und Deutsche eine unterschiedliche Erinnerungskultur gepflegt hätten, gebe es heute eine gemeinsame.

Für den Frieden einsetzen

Ganz kurz konnte Kern auf die Bilder seiner französischen Kollegin Nathalie Savey eingehen. Sie habe mit ihren Bildern auf dem Hartmannsweilerkopf die Natur zum Klingen gebracht. Eine Besucherin empfand die Fotografien von Savey als überzeitlich, während diejenigen von Kern die Veränderung mit der Zeit zum Thema hätten. Alle stimmten zu, dass es sich um Ermahnungsbilder handelt, da ein solcher Krieg jederzeit überall stattfinden könne, wenn sich die Menschen nicht für den Frieden einsetzen.