Finanzdezernent Franz-Josef Schnell sorgte während seiner Präsentation des Haushaltsentwurfs für den Landkreis jüngst mit seiner Aussage, dass darin für die Ablachtalbahn keine Mittel vorhanden seien, für Verärgerung bei Bürgermeister Arne Zwick. Schnell hatte seine Aussage in der Sitzung des Kreistags nicht weiter begründet. Dabei hatte er zuvor jedoch, so wie auch die Landrätin, auf die finanziellen Belastungen durch andere, bereits beschlossene Projekte verwiesen.

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Zwick spricht im Nachgang zu der Sitzung von einer "ärgerlichen" und "unnötigen" Aussage des Kreisbediensteten und betont, dass dies einzig und allein die Ansicht des Kreiskämmerers sei und nichts mit der Meinung der Kreisverwaltung zu tun habe. Auch sei eine Finanzierung für die Ablachtalbahn noch gar nicht im Kreistag besprochen worden und es habe keinen entsprechenden Antrag gegeben. Zwick macht zudem klar, dass es beim Thema Ablachtalbahn um deutlich kleinere Beträge geht als bei den Planungen für die Elektrifizierung der Zollernbahn zwischen Sigmaringen und Albstadt. Für dieses Projekt soll für das kommende Jahr ein Millionen-Betrag in den Kreishaushalt eingestellt werden.

Keinen finanziellen Spielraum

Tobias Kolbeck, Pressesprecher des Landratsamts, sagt auf Nachfrage, dass die Kreisverwaltung ein sehr ambitioniertes Investitionsprogramm geplant habe. Die Aussage Schnells sei vor diesem Hintergrund zu verstehen und aus dessen Sicht gebe es infolge der geplanten Ausgaben eben keinen Spielraum mehr für weitere große Projekte. Dabei habe er die Ablachtalbahn beispielhaft genannt. Aufgabe des Kämmerers sei es, auch auf lange Sicht auf die Haushaltszahlen zu achten "und insofern steht auch einem Dezernenten so eine Aussage zu", sagt Kolbeck.

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Ralf Derwing von der Initiative Bodensee-S-Bahn, der unlängst gemeinsam mit Bürgermeister Zwick und der Grünen Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden in Sachen Ablachtalbahn einen positiven Termin bei Verkehrsminister Winfried Hermann in Stuttgart hatte, kann indes verstehen, dass seitens der Kreisverwaltung beim Thema Ablachtalbahn nicht "Hurra gerufen wird", wie er sagt. Klar sei aber auch, dass alle an einem Strang ziehen müssten, wolle man die Strecke reaktivieren. Und welche Vorteile eine Reaktivierung dieser Strecke mit sich brächte, sei offensichtlich. Wichtig sei es in dem Zusammenhang aber auch, darauf zu achten, wer welche finanzielle Last tragen müsste, sagt Derwing an die Adresse der Kreisverwaltung gerichtet.

Aus Stuttgart könne, wie bei dem Treffen mit dem Verkehrsminister bekannt wurde, mit einer Förderung von 75 Prozent beim Wiederbeleben der Ablachtalbahn gerechnet werden. Würden die übrigen 25 Prozent auf möglichst viele Schultern verteilt, sei er sich sicher, dass das Vorhaben finanziell gut zu stemmen sein wird. Und Derwing betont, dass die Landesförderung im Vergleich zu einer 60-prozentigen Bundesförderung die ungleich bessere Ausgangssituation darstelle. Ein großer Vorteil bei der Ablachtalbahn sei zudem, dass die Deutsche Bahn dort nicht beteiligt ist und sich Dinge so schnell umsetzen ließen, sobald Einigkeit unter den Beteiligten besteht.

Starkes Signal des Landes

Die Landtagsabgeordnete Bogner-Unden hatte nach dem Gespräch mit dem Verkehrsminister jüngst mitgeteilt, dass das Ministerium eine landesweite Potenzialuntersuchung zur Reaktivierung stillgelegter Schienenstrecken vorbereite und die Reaktivierung der Ablachtalbahn dabei untersucht werde. Damit sei es allerdings nicht getan: Es müsse möglichst bald ein Konzept erstellt werden, das aufzeigt, welche Investitionen für die Reaktivierung der Strecke notwendig sind." Und trotz des starken Signals des Landes, komme es entscheidend auf die Unterstützung und Beteiligung der anliegenden Kommunen sowie des Landkreises an, hatte Bogner-Unden verdeutlicht.

Initiative Bodensee-S-Bahn benennt die Vorteile der Ablachtalbahn

Worin sieht der Verein Initiative Bodensee-S-Bahn die Vorteile der Ablachtalbahn?

  1. Es ließen sich bei einem Wiederaufbau der Strecke Sigmaringen-Krauchenwies insgesamt drei regional und überregional relevante Zugverbindungen identifizieren, die im Falle einer Reaktivierung der Strecken bedient werden könnten: RE Radolfzell-Sigmaringen; IRE Stuttgart-Konstanz; IC Zürich-Stuttgart.
  2. Zudem könne man berücksichtigen, dass sich die Trassenführung von Gäubahn und Neckar-Alb-Bahn ab 2026 aufgrund der Einfädelung in die Neubaustrecke nach Stuttgart-Flughafen und den Tiefbahnhof noch massiv ändern wird. Während für die Verbindung über die Gäubahn eine um etwa zehn Minuten längere Fahrtzeit bis Stuttgart-Hauptbahnhof erwartet wird, sehe dies für die Verbindung über die Hegau-Ablachtalbahn anders aus: Die Umfahrung des Stuttgarter Kessels entfalle, die Züge seien von Reutlingen aus schneller im Hauptbahnhof. Nicht zuletzt wäre eine Verbindung über die Ablachtalbahn eine sinnvolle Ausweichstrecke im Falle einer Sperrung der Süd-, Gäu- oder der Rheintalbahn.
  3. Eine sehr interessante und neue Verbindung würde ein IRE Konstanz-Stuttgart über die Ablachtalbahn bedeuten. Entscheidend seien dabei nicht die Endpunkte, die bereits über die Gäubahn verbunden sind. Vielmehr rückten die großen Städte an der Strecke in den Fokus. Es sei nicht übertrieben zu behaupten, dass niemand aus Reutlingen oder Tübingen derzeit sinnvoll mit der Bahn fahren kann, wenn man an den Bodensee strebt. Auch andersherum fahre niemand derzeit aus Konstanz nach Sigmaringen oder nach Tübingen mit der Bahn, heißt es seitens der Initiative. (mos)