Wenn die Akteure der Kolpingbühne kostümiert für die Premiere ihres neuen Stücks „Es war einmal in Chicago„ proben, kann man in das Flair der 1920er Jahre eintauchen. Frauen stolzieren in Schuhen mit Pfennigabsätzen umher, tragen glänzende Stirnbänder und kurze Kleider mit schwingenden Fransen. Die Männer sehen stattlich aus in ihren Nadelstreifenanzügen oder abenteuerlich mit Knickerbockern und Schiebermützen. Allmählich kehrt in das Team, das für die Kostüme zuständig ist, Ruhe ein, da alle Darsteller mit Kleidung und Accessoires versorgt sind.

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Schwierige Suche nach Unterstützern

Vor einigen Wochen noch hatte sich Gloria Lotzer den Kopf darüber zerbrochen, wie sie Unterstützer finden könnte, die sich darum kümmern, Kostüme zu organisieren, zusammenzustellen, abzuändern oder zu flicken. „Wir haben sogar im SÜDKURIER einen Aufruf gestartet, um Helfer zu finden“, erzählt sie. Doch leider habe sich niemand gemeldet. Zum Glück habe sich Margit Klaiber bereit erklärt, mitzumachen. „Darüber bin ich sehr froh, denn sie hat ein gutes Auge dafür, was zusammenpasst.“ Seit drei Wochen gehören neben Akram Kouefati auch Rita Hafner-Degen und Isolde Frick mit ins Team.

Das Kostümteam sieht der Premiere nun gelassen entgegen (von links): Gloria Lotzer, Akram Kouefati, Margit Klaiber, Isolde Frick und Rita Hafner-Degen.
Das Kostümteam sieht der Premiere nun gelassen entgegen (von links): Gloria Lotzer, Akram Kouefati, Margit Klaiber, Isolde Frick und Rita Hafner-Degen. | Bild: Michelberger, Isabell

Korrekturen und Reparaturen

Während auf der Bühne geprobt wird und die Stimmen in den Innenhof des Schlosses dringen, hantieren sie im Kostümraum im Schloss. Mäntel, Anzüge, Kleider und Hosen reihen sich hier an langen Stangen aneinander. Schon kommt ein junger Schauspieler herein, dessen Fliege an einer Seite gerissen ist. Kein Problem für das Näh-Duo, das gerade damit beschäftigt ist, ein Kleid zu kürzen. „Wir mussten aus Sicherheitsgründen leider die Schleppe entfernen, damit auf der Bühne nichts passiert“, erklärt Isolde Frick.

Isolde Frick (links) und Rita Hafner-Degen (rechts) legen beim Kostüm von Kerstin Höre letzte Hand an.
Isolde Frick (links) und Rita Hafner-Degen (rechts) legen beim Kostüm von Kerstin Höre letzte Hand an. | Bild: Michelberger, Isabell

Im Kostümfundus sind auch Originale aus den 1920er Jahren

Die Kostüme für das Theaterstück zu besorgen sei nicht so schwierig gewesen wie bei den vergangenen Aufführungen. „Kleider und Accessoires konnten wir relativ günstig im Internet kaufen“, erzählt Gloria Lotzer. Über die Hälfte der Kostüme entstamme auch den Kleiderschränken von Großeltern und Urgroßeltern. „Teilweise haben wir Originale aus den 1920er Jahren erhalten“, sagt Margit Klaiber. Um den Fundus aufzustocken, besuchte Gloria Lotzer mit ihrem Mann Benedikt Herrmann einen Kostümverleih. Allerdings war die Ausbeute dort nicht riesig, wie sie erzählt: „Unsere Männer sind zu groß und haben zu breite Schultern.“ Auch die Hüte seien eher für kleine Köpfe gewesen.

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Langsam kehrt Ruhe ein

Bei den ersten Proben mit Kostümen habe es noch so viel zu organisieren und zu probieren gegeben, dass sie fast ihre eigenen Einsätze verpasst hätte, erzählt Gloria Lotzer. Mit wehendem Kleid sei sie davongestürzt, um noch rechtzeitig auf der Bühne zu stehen. „Mittlerweile hat sich alles beruhigt“, stellt sie gelassen fest. Alle seien mit Kleidern versorgt, es müssten lediglich noch kleinere Korrekturen vorgenommen werden. Ganz ruhig gehen auch Akram Kouefati, Rita Hafner-Degen und Isolde Frick ans Werk. Mit professionellem Auge betrachten sie die Kleider, um zu erkennen, wo am sinnvollsten eine gute Form hineingebracht werden kann.

Team blickt der Premiere entspannt entgegen

Viel Argumentationskraft sei notwendig gewesen, um die jungen Mitspielerinnen davon zu überzeugen, dass ihre Kleider im ersten Akt nicht schön, sauber und gebügelt sein dürfen. „Jede möchte natürlich auf der Bühne schön aussehen“, erzählt Gloria Lotzer verständnisvoll. Doch da das Stück in einem ärmlichen Viertel beginne, solle dies mit einem authentischen Anblick vermittelt werden. Das bedeute, dass Hosen und Kleider dreckig und verrissen sein müssen. Die Buben hätten damit kein Problem, sagt sie und schmunzelt. Die hätten einfach mal auf der Wiese miteinander gerangelt. „Und wenn das Kostüm noch zu sauber ist, hilft Heilerde“, verrät Lotzer einen Trick. Wenn nun nicht mehr viel kaputt gehe, könne das Kostümteam der Premiere entspannt entgegensehen.

Karten für 17 Euro für das Kolpingtheater sind im Komm-In in Meßkirch zu erhalten sowie online: www.kolpingbuehne-messkirch.com/tickets/