Die Strafe von Sisyphos in der Unterwelt bestand bekanntlich darin, einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen wobei ihm der Stein kurz vor Erreichen des erlösenden Gipfels jedes Mal wieder kurz zuvor abhandenkam und er nochmals von ganz vorne anfangen musste. Eine Endlosschleife – und was für eine. Heute bezeichnet man deshalb eine Aufgabe, die trotz großer Mühen nie abgeschlossen werden kann, auch als eine Sisyphusarbeit und eine solche hat der Walder Heimathistoriker Falko Hahn in den vergangenen Wochen und Monaten geleistet. Seine Aufgabe bestand dabei darin, die Werke des Meisters von Meßkirch – nicht in realer Form, denn das wäre tatsächlich aussichtslos – in bildlicher Form nach Meßkirch zurückzubringen und das in möglichst großer Zahl. Nachdem er von der Staatsgalerie in Stuttgart keine Erlaubnis erhielt, die dort versammelten Werke während der Landesausstellung abzufotografieren, wandte er sich kurzerhand an 78 Museen im In- und Ausland, die für die Ausstellung Werke des Meisters zur Verfügung gestellt hatten. An ein Museum in den Niederlanden gewandt, schrieb er beispielsweise: "Seit zehn Jahren versuche ich, die Altäre des unbekannten Meisters wieder an den Ursprungsort Meßkirch zurückzuführen, wenn auch nur als virtuelle Kunstwerke zum Zweck von religiösen wie künstlerischen Vorträgen im Raum Meßkirch. Inzwischen erhielt ich Bilder aus allen, von mir angeschriebenen Museen Deutschlands, aus den Niederlanden und der Schweiz, die Andachtsbilder des Meßkircher Meisters ausstellen. Zu den wenigen mir fehlenden Bildern aus europäischen Museen zählt 'Die Verspottung Christi'. Ich bitte Sie hiermit höflich um die Überlassung dieses Bildes. Ich habe keinerlei Verlangen nach gewerblichem Gebrauch der Kunstwerke." Auch an den Louvre und das Bistum St. Gallen wandte sich der unermüdliche Hahn. "Der Bitte entsprachen die Museen fast augenblicklich und kostenfrei." Anders sei es nur beim Museum des Vatikans gewesen, denn von dort sei eine Rechnung über 50 Euro gekommen, sagt Hahn. Andere Werke mussten indes ausscheiden, da sie sich in Privatbesitz befinden. Der Schöne bei der Sache: Zwar wird Hahn ganz so wie im Fall des Sisyphos seine (in diesem Fall aber sich selbst gestellte) Aufgabe wohl nie ganz erfüllen können doch ist bei ihm auch schon das bis jetzt Erreichte ein großer Erfolg. Denn das Ergebnis seiner Arbeit möchte er der Stadt Meßkirch zur Verfügung stellen und auch schon einige Museen hätten ihr Interesse an einer Powerpointpräsentation bekundet, die er auf Grundlage der gesammelten Bilder erstellt hat. Seine Zähigkeit hat der unermüdliche Kulturarbeiter dabei auch schon früher bewiesen: "Ich bin wohl der einzige Mensch, der die Zimmerische Chronik per Hand abgeschrieben hat", sagt er. Und auch darauf blieb er nicht sitzen. Im Gegenteil: Er verschenkte seine Abschrift, beispielsweise an das Kreisarchiv.