Der Firmenname Dual stand einst in Meßkirch für Fortschritt, Wohlstand und gute Zukunftsaussichten. "Die 50er Jahren waren für Meßkirch bedeutsam, als die Gebrüder Steidinger mit Dual und die Gebrüder Kraut mit Bizerba Zweigwerke aufbauten. Das war für unser Kreutzerstädtle ein großer Fortschritt. Nun konnten viele Bürger in der Heimatstadt ihr tägliches Brot verdienen und brauchten nicht mehr nach Stockach oder Singen fahren, um Arbeit zu finden." Diese Zeilen schrieb Rosa Groß im Juli 2017 in einem Brief an Rainer Jäckle. Dessen Vater leitete einst das Meßkircher Dual-Werk.

Jäckle hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Dual-Geschichte zu dokumentieren. In einer erweiterten Auflage seines Buches "Einfach Dual" lässt er nun Zeitzeugen zu Wort kommen, die den Aufstieg, aber auch den Niedergang des Meßkircher Dual-Werks schildern. Daneben setzt sich der Meßkircher Andreas Martin dafür ein, dass in der Stadt ein Dual-Museum eingerichtet wird. "Es ist mir ein großes Anliegen, die Erinnerungen an die Firma Dual lebendig zu erhalten", wird er von Jäckle zitiert.

Die Produktion im ersten Meßkircher Zweigwerk des St. Georgener Unternehmens wurde im Juni 1956 gestartet. Schallplattenspieler mit dem Namen Dual hatten damals weltweit einen sehr guten Ruf. Ab 1960 wurden in Meßkirch die ersten Plattenspieler gebaut.

Die bekannte Meßkircherin Lilo Braun absolvierte 1974 einen sechswöchigen „recht gut bezahlten“ Ferienjob bei Dual.
Die bekannte Meßkircherin Lilo Braun absolvierte 1974 einen sechswöchigen „recht gut bezahlten“ Ferienjob bei Dual. | Bild: Archiv Rainer Jäckle

Zehn Jahre später war Dual mit Unterhaltungselektronik immer noch auf Erfolgskurs und beschäftigte in Meßkirch 420 Menschen – der Frauen-Anteil lag bei 70 Prozent. "Aus Gründen der Personalknappheit wird auf dem Meßkircher firmeneigenen Gelände ein Gastarbeiterwohnheim gebaut. Außerdem werden in Meßkirch zusammen mit einer Wohnungsbaugesellschaft 22 neue Wohnungen erstellt." Diese Textpassage findet sich in Jäckles Buch als Eintrag zum Jahr 1969. Die Wachstumskurve des Schwarzwälder Hifi-Unternehmens sollte noch bis ins Jahr 1978 deutlich nach oben zeigen.

Konkursverfahren miterlebt

Doch ab dann regieren rote Zahlen die Bilanzen. Und Rosa Groß, die gemeinsam mit ihrem Mann 15 Jahre lang für Dual gearbeitet hat, erlebt das Aus für die traditionsreiche Marke unmittelbar. Als Betriebsrätin ist sie in St. Georgen mit dabei, als das Konkursverfahren am 2. Januar 1982 eröffnet wird. Der Konkursverwalter sagte damals: "Das Meßkircher Werk war aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht mehr zu halten, aber es war von seiner Funktion her eines der besten."

Rosa Groß erinnert sich: "...ich hatte mit dem Konkursverwalter ... zu tun. Dieser wollte noch schlichten und den Konkurs vermeiden, doch die Eigner waren so zerstritten und wollten nur noch sicherstellen, dass ihr 'Erbe' ausbezahlt wird. Nur einer von den Eignern, Dr. Anton, wollte Dual retten, doch er konnte alleine nichts ausrichten." Helmut Jäckle, der damalige Chef des Meßkircher Dual-Werks, "wollte für seine ehemaligen Arbeiter kämpfen", schrieb Rosa Groß in ihrem Brief an dessen Sohn Rainer Jäckle. "Als dann die Firma Develop bei Dual einzog und ihr Vater wie ein gewöhnlicher Arbeiter abstempeln musste, wo er doch vorher der Chef war, dies war zu viel für ihn und so durfte er nicht einmal seinen 60. Geburtstag feiern."

Den Ablauf des Konkurses hat Rosa Groß in einem kleinen Taschenkalender protokolliert – auch davon finden sich Auszüge in dem Buch von Rainer Jäckle: Unter dem 1. Dezember 1981 findet sich der Eintrag: "....standen die Bänder kurz still. Es wurde in den Abteilungen geputzt und die Arbeiter waren sehr unruhig." Unter dem Datum 11. Dezember 1981 notiert sie: "Es geht ein Gerücht durch den Betrieb, dass wir am 31. 12. gekündigt werden." Unter 4. Januar 1982 notiert sie: "Der Betrieb wird geschlossen. Kündigung aller Mitarbeiter." Und unter dem 11. März 1982: "Betriebsratssitzung in Schnerkingen. Die Firma Develop übernimmt das Werk in Meßkirch... Develop stellt vorerst 40 Mitarbeiter ein. Arbeiter über 53 Jahren haben keine Chance."