Am Klosterladen war Treffpunkt zu Tanz, Musik und Schmaus. In vier Geschäften standen zudem die Türen von 19 bis 22 Uhr für die Herrschaften in den opulenten Roben und aufgetürmten Perücken sowie die Bevölkerung und Besucher offen. "Den Reiz macht aus, dass es eine völlig andere Welt ist", sagte Martin Rösler von der Rokokogruppe und erklärte am Klosterladen, wo sich Tanzfläche, Tische und Stühle befanden, die Schrittfolgen zu Menuetten, Anglaisen und Allemanden. Die zehn Tanzpaare schwebten, schritten und hüpften anschließend in ihren originalgetreuen Kostümen über den Asphalt. Getanzt wurde zu Musik aus der Zeit von Wolfgang Amadeus Mozart – am späten Abend sogar gemeinsam mit dem Publikum. Genuss für den Gaumen boten indes Wein und Häppchen. Letztere vom Restaurant Adler in Leitishofen. Auf der Karte stand unter anderem Tafelspitz auf Apfel-Meerrettich-Creme. "Es ist mal etwas ganz anderes", sagte Jennifer Bausch, Leiterin der Tourist-Information, mit Blick auf das Treiben am Klosterladen. Ab 16 Uhr hatten die städtischen Mitarbeiter dort und in der Innenstadt aufgebaut. Befürchtungen bezüglich schlechten Wetters bewahrheiteten sich zur Freude aller nicht.

Bei der Barocknacht wurde dem Publikum in der Innenstadt viel geboten. Die Zuschauer konnten die Tänze bei einem Glas Kloster-Wein und Häppchen genießen.
Bei der Barocknacht wurde dem Publikum in der Innenstadt viel geboten. Die Zuschauer konnten die Tänze bei einem Glas Kloster-Wein und Häppchen genießen. | Bild: Günther Brender
Barocke Musik an Cello und Violine ergänzte die Darbietungen der Tanzgruppe.
Barocke Musik an Cello und Violine ergänzte die Darbietungen der Tanzgruppe. | Bild: Günther Brender
Dagmar Wilbert-Heitzmann sorgte in ihrem Salon für den perfekten Halt.
Dagmar Wilbert-Heitzmann sorgte in ihrem Salon für den perfekten Halt. | Bild: Günther Brender

Die fünf Spielorte – Klosterladen und Geschäfte – waren bunt angeleuchtet, sollten wohl den Weg weisen. Doch der erhoffte Strom beschränkte sich auf einige Cliquen. "Es waren viele von der Tanzgruppe da", sagte Annette Wildmann von Optik Sauter. Ein paar Besucher seien mit ihnen gelaufen. Der große Andrang blieb aber aus. Die Optikerin schlug vor, nächstes Mal einen Verein mit einzubeziehen, der zusätzlich etwas im unteren Bereich der Innenstadt organisiert, "damit sich das ein bisschen besser verteilt". Für zukunftsfähig hält sie eine Barocknacht dieser Art auf jeden Fall. Sieglinde Hauber vom gleichnamigen Einrichtungshaus beschrieb die Atmosphäre als wunderschön. Viele Besucher erfreuten sich an dem Narrenmutterkleid ihrer Mutter Elisabeth Kuner, das sie präsentierte. Doch auch Hauber hätte mit mehr Besuchern gerechnet – selbst am Klosterladen. "Bei uns wären die Straßen voll", bedauerte Manuela Hohmann aus Pforzheim, die die Barocknacht mit ihrer Familie sehr genoss.

Das Publikum schwebte am Abend begeistert mit. Alfons Martin aus Geisingen (Mitte) ließ sich von den Damen der Rokokogruppe führen. Bunte Lichter sorgten indes für Atmosphäre.
Das Publikum schwebte am Abend begeistert mit. Alfons Martin aus Geisingen (Mitte) ließ sich von den Damen der Rokokogruppe führen. Bunte Lichter sorgten indes für Atmosphäre. | Bild: Günther Brender
Marion und Anton Guggemos sowie Gudrun Zimmer (von links) gefiel das Programm.
Marion und Anton Guggemos sowie Gudrun Zimmer (von links) gefiel das Programm. | Bild: Günther Brender

Oberschwäbische Barockstraße

Die Oberschwäbische Barockstraße hat vier Routen, die die Region zwischen Donau und Bodensee miteinander verbindet. Echt Schätze des Barock finden sich an den Wegen: vom prunkvollen Bibliothekssaal im Kloster Wiblingen über die Dorfkirche in Steinhausen bis hin zur Basilika in Ottobeuren. Mitte des 16. Jahrhunderts hatte sich die barocke Bauweise immer weiter Richtung Nordeuropa und damit auch in der Region Allgäu-Oberschwaben-Bodensee entfaltet und die bisher vorherrschenden klaren und nüchternen Strukturen der Renaissance ersetzt.