Jedes Jahr am dritten Sonntag im Oktober gibt sich die auf internationalen Bühnen gastierende Pianistin Henriette Gärtner in Meßkirch die Ehre. Bei sehr vielen Fans steht diese Veranstaltung fest im Terminkalender, denn wie stets füllte sich der Festsaal im Meßkircher Schloss im Nu mit Zuhörern. Henriette Gärtner wuchs in Schwandorf auf, ging ins Martin-Heidegger-Gymnasium und startete im Alter von fünf Jahren ihre Konzerttätigkeit, weshalb sie als Wunderkind galt. Es folgten viele Auszeichnungen und erste Preise bei diversen Klavierwettbewerben im In- und Ausland. Ihr diesjähriges Programm in Meßkirch „miniaturen“ widmete Gärtner der Komponistin und Pianistin Clara Wieck-Schumann (1819-1896), die in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag feiern könnte, und deren Ehemann Robert Schumann (1810-1856).

Auf großer Leinwand Hände der Pianistin zu sehen

Bürgermeister-Stellvertreterin Insa Bix begrüßte die Gäste und die Pianistin, die ein unglaublich vielseitiges Talent sei. Das Publikum empfing Henriette Gärtner ebenfalls äußerst herzlich mit großem Applaus, woraufhin sie versicherte, dass sie sich immer sehr freue, im Schloss aufzutreten. „Fast nichts ist in Meßkirch unmöglich“, erklärte sie strahlend in Bezug auf die technischen Raffinessen. Seit einigen Jahren gibt es die Besonderheit, dass das Publikum von jedem Sitzplatz aus über eine große Leinwand die Hände der Pianistin beim Spiel mitverfolgen und beobachten kann, wie geschmeidig, elegant und kraftvoll sie auch schwierigste Passagen souverän und sicher meistert.

Henriette Gärtner erklärt Lebensalltag von Clara Wieck-Schumann

Als Auftakt spielte Henriette Gärtner eine Glückwunsch-Kantate von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Danach folgten vier Stücke von Clara Wieck-Schumann. Das Scherzo op. 14 Nr. 2 in c-moll schrieb die Komponistin im Alter von 26 Jahren, als sie jung verheiratet war. Das Stück sprüht vor Temperament und Energie. Diesen kraftvollen Elan musste sie wohl auch in ihrem Lebensalltag benötigt haben, denn, wie Henriette Gärtner ausführte, habe es die Komponistin nicht leicht gehabt mit einem nicht einfachen Ehemann, den Kindern und dem Haushalt. Zudem habe sie sich verpflichten müssen, dem Komponieren ihres Ehemanns stets Vorrang einzuräumen. Die beide hätten sich jedoch auch gerne gegenseitig musikalisch zitiert und angeregt. Die Romance variée op. 3, die die Komponistin im Alter von 12 oder 13 Jahren schrieb, kündigt bereits ihre Kreativität und Virtuosität an.

Voller Dramatik und Virtuosität

Zu jeder Komposition gab Henriette Gärtner zuerst eine kleine Beschreibung, bevor sie sich konzentriert an den Flügel setzte und ohne Notenblätter spielte. Das Publikum war stets mitgerissen von der Impulsivität und Perfektion der Pianistin, welche in beeindruckender Geschwindigkeit die Hände über die Tastatur führte und dennoch mit feiner Akzentuierung die Tasten anschlug. Wie gebannt wanderten die Blicke der Zuhörer vom Flügel zu der Videoübertragung auf dem Bildschirm. Manchmal schienen sie fast den Atem anzuhalten, bei so viel Dramatik und Virtuosität.

Den Carnaval gibt‘s (fast) zum Schluss

Einen kleinen Eindruck des Notenbildes erhielt das Publikum im zweiten Teil des Konzerts, in dem Henriette Gärtner den Carnaval op. 9 von Robert Schumann spielte und die einzelnen Charaktere wunderbar herausarbeitete. Jede der 21 Szenen wurde auf der Leinwand parallel zu ihrem Spiel mit Bildern und drei Notenzeilen visualisiert.

Zur Person

Kaum war der letzte Ton des Carnaval erklungen, hallten Bravo-Rufe durch den Saal. Viele Konzertbesucher standen während dem Applaus spontan auf, um der Pianistin ihre Begeisterung und ihren Respekt zu zeigen. Dafür bedankte sich Henriette Gärtner freudestrahlend mit einer Zugabe.