Löchle und Meier-Wichmann sind Mitglieder der Salemer Briefmarken- und Münzfreunde. Sie haben mit ihren Exponaten wesentlich zum Gelingen der Ausstellung beigetragen. "Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele." Dies sei Raiffeisens Lebensmotto gewesen, führte Karl Springindschmitten aus. Diese Idee habe nicht nur Karriere gemacht, sondern Raiffeisen habe mit seinem Wirken das Leben und Wirtschaften der Menschen spürbar verbessert. "Seine zwei Prinzipien Solidarität und Hilfe zur Selbsthilfe waren der Schlüssel zum Erfolg vieler Menschen", erklärte der Vorstand. Das Umsetzen dieser Idee in Genossenschaften sei ein Erfolgsmodell und so seien bis heute über ein Milliarde Menschen in Genossenschaften organisiert.

Da sich der Geburtstag Raiffeisens am 30. März zum 200. Mal jährt, wurde 2018 zum Raiffeisenjahr ausgerufen, für das Bundespräsident Frank Walter Steinmeier die Schirmherrschaft innehat. Seinen quasi ersten genossenschaftlichen Zusammenschluss bildete Raiffeisen als Bürgermeister von Weyerbusch im Westerwald im Jahr 1846. Um gegen die Armut der Landbevölkerung vorzugehen, gründete er zusammen mit wohlhabenden Bürgern den "Weyerbuscher Brotverein".

In der Ausstellung erfährt der Besucher Informatives zum Leben von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und zu der genossenschaftlichen Idee. Ebenso sind Münzen und Postkarten zu bestaunen, die einen Genossenschaftsbezug aufweisen. Aus ihrem eigenen Archiv steuerte die Volks- und Raiffeisenbank Meßkirch typische Utensilien der Genossenschaftsbank bei wie eine Walther-Kurbelrechenmaschine aus dem Jahr 1948, eine Zweispezies-Rechenmaschine aus den 1950er Jahren, ein Verzeichnisbuch der Genossen, Protokollbücher und einiges mehr.

Karl Springindschmitten, Vorstand der Volks- und Raiffeisenbank Meßkirch, (von rechts) überreichte Joachim Löchle und Ulf Meier-Wichmann von den Salemer Briefmarken- und Münzfreunden eine silberne Gedenkmünze.
Karl Springindschmitten, Vorstand der Volks- und Raiffeisenbank Meßkirch, (von rechts) überreichte Joachim Löchle und Ulf Meier-Wichmann von den Salemer Briefmarken- und Münzfreunden eine silberne Gedenkmünze. | Bild: Isabell Michelberger

"Als die Idee und Praxis der Genossenschaft im Jahr 2016 in die Unesco-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde, kam ich auf die Idee, meine Sammlung zu diesem Thema zu erweitern", erzählte Joachim Löchle von den Salemer Briefmarken- und Münzfreunden im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Er sei dann auf die Meßkircher Volks- und Raiffeisenbank zugegangen, um dem Vorstand die Idee einer Ausstellung zu unterbreiten. Innerhalb von zwei Jahren habe er zusammen mit den weiteren Mitgliedern des Vereins den Bestand zu einer umfassenden Übersicht ergänzt.

Was für Meßkircher besonders interessant sein wird, sind die zahlreichen historischen Stadtansichten von Meßkirch, die sich sowohl im Schalterbereich als auch auf der Galerie befinden.

Genossenschafts-Idee

In Genossenschaften schließen sich Menschen zusammen, um sich gemeinsam Waren oder Dienstleistungen zu beschaffen. Die drei Prinzipien der Genossenschaften lauten: Selbstversorgung: Menschen nehmen ihre Versorgung in die eigene Hand; Selbstverwaltung: Jedes Mitglied hat das gleiche Stimmrecht; Selbstverantwortung: Alle Mitglieder haften für ihre Genossenschaft. Heute im Finanzgeschäft eine Genossenschaft zu gründen, sei wegen der Kontrollmechanismen unvergleichlich schwieriger als früher, sagt Vorstand Markus Herz. Was Raiffeisen seiner Meinung nach jedoch den Großbanken raten würde: Sie sollten zu den Wurzeln ihres Geschäfts zurückkehren und wieder die Idee der Hilfe zur Selbsthilfe in das Zentrum stellen. Im Vordergrund sollte die Frage stehen: Wo kann ich Nutzen stiften, der auch beim Kunden ankommt, so Herz. (imi)