Noch vor dem Morgengrauen kamen am Dienstag gut zwei Handvoll wackere und aufgeweckte Menschen in die Klosterstadt Campus Galli, um den keltischen Wandermönch Angus zu Beginn seiner Querung der Bodenseeregion zu begleiten und verabschieden.

Von links: Andreas Herzog, Alexander Hamann, T Egon Wohlhüter, Michael Skuppin, Hannes Napierala, Gerlinde Skuppin, Wolf vom See, Ole und Simone Napierala.
Von links: Andreas Herzog, Alexander Hamann, T Egon Wohlhüter, Michael Skuppin, Hannes Napierala, Gerlinde Skuppin, Wolf vom See, Ole und Simone Napierala. | Bild: Sandra Häusler

Im Mondlicht erwartete bereits Alexander Hamann, Tourismus-und Marketingkoordinator Campus Galli, die Wanderer mit einer heißen Tasse Pfefferminztee. "So wie früher", unterstrich Hamann. "So ruhig war es noch nie auf Campus Galli", stellte Anita Metz, die erfahrene Wanderführerin des Schwäbischen Albvereins Meßkirch, fest.

Andreas Herzog las aus der Benediktsregel eine Passage zur Gästeaufnahme vor.
Andreas Herzog las aus der Benediktsregel eine Passage zur Gästeaufnahme vor. | Bild: Sandra Häusler

"So wie der Tag hell wird, wollen wir uns aus dem 21. Jahrhundert ganz langsam verabschieden. Am Ende, falls wir das alles erreichen in neun Tagen, wollen wir mental im Jahr 820 angekommen sein und darüber berichten können", freute sich Michael Skuppin, der die Rolle des Wandermönchs Angus verkörpert. Er sei nicht auf dem Jakobsweg, unterstrich Angus.

Der fünfjährige Marlon streichelte die Esel, die zu den Wanderern gehören.
Der fünfjährige Marlon streichelte die Esel, die zu den Wanderern gehören. | Bild: Sandra Häusler

Der Wandermönch mache sich auf den Weg, von dem er das Ziel noch nicht kenne, und der Auftrag, von dem schon einige zu wissen glauben, dass dieser nach St. Gallen führe, erhalte er frühestens auf der Insel Reichenau, so Skuppin. Ihn soll eine verantwortungsvolle Aufgabe erwarten. Denn er soll den Klosterplan nach St. Gallen bringen. "Das wird sicher gut", strotzte Mitwanderer Egon Wohlhüter aus Ablach voller Vorfreude. Einen Tag konnte er die Gruppe begleiten.

Die Wandergruppe auf dem Weg durch die Meßkircher Innenstadt.
Die Wandergruppe auf dem Weg durch die Meßkircher Innenstadt. | Bild: Sandra Häusler

Nachdem Andreas Herzog das 53. Kapitel der Benediktsregel, in dem die Gästeaufnahme beschrieben wird, vorgelesen hatte, machte sich die Gruppe mit dem Wandermönch Angus, den drei Eseln Benny, Don Camillo und Peppone mit Veronika Rotthaler vom Esel-und Schafhof Boll auf den Weg. Anita Metz führte noch im Dunkeln auf einem Wanderweg, abseits der großen Straße, am Feldherrnhügel durch Wald und Flur. Nur wenige Vögel waren zu hören.

Bei Kindern, Eltern und Erziehern vom Schlosskindergarten sorgten vor allem die drei Esel für Staunen.
Bei Kindern, Eltern und Erziehern vom Schlosskindergarten sorgten vor allem die drei Esel für Staunen. | Bild: Sandra Häusler

Am Feldherrnhügel wagte die Sonne zaghaft ihren Aufgang, mit zartem Rosa zwischen den Wolken hindurch. "Dort hinten, vom Josenberg bei Deutwang, werden wir morgen den Meßkircher Kirchturm sehen", wies die Wanderführerin auf die Erhebung am Horizont hin.

Vom Josenberg bei Deutwang wird die Gruppe auf der zweiten Etappe die Aussicht auf den Meßkircher Kirchturm haben, zeigt Wanderführerin Anita Metz auf dem Feldherrnhügel.
Vom Josenberg bei Deutwang wird die Gruppe auf der zweiten Etappe die Aussicht auf den Meßkircher Kirchturm haben, zeigt Wanderführerin Anita Metz auf dem Feldherrnhügel. | Bild: Sandra Häusler

"Es gab ganz besondere Eindrücke um diese Tageszeit in einer unbekannten Landschaft", beschreibt Annette Rieger aus Waldachtal (Schwarzwald). Sie beeindruckten vor allem die Gerüche der Esel, der nassen Wiesen und Silage. Eselführerin Veronika Rotthaler vom Esel-und Schafhof in Boll erhält auf der siebentägigen Tour Verstärkung durch die befreundeten Eselführerinnen Rosmarie Gubser und Susi Gätzi aus der Schweiz.

Durch das Tor beim Adlerplatz traten Wandermönch Angus und seine Begleiter in die Innenstadt von Meßkirch. Vorne, von links: Wanderführerin Anita Metz, Wandermönch Angus, Annette Rieger, Ole Napierala, Veronika Rotthaler vom Esel-und Schafhof Boll mit den drei Eseln.
Durch das Tor beim Adlerplatz traten Wandermönch Angus und seine Begleiter in die Innenstadt von Meßkirch. Vorne, von links: Wanderführerin Anita Metz, Wandermönch Angus, Annette Rieger, Ole Napierala, Veronika Rotthaler vom Esel-und Schafhof Boll mit den drei Eseln. | Bild: Sandra Häusler

Der siebenjährige Ole Napierala wanderte die Etappe mit seiner Mutter bis Meßkirch mit und unterstützte die Frauen beim Führen der Esel tatkräftig. In Meßkirch schritten die Wanderer durch das Tor am Adlerpatz und querten dann den "Esel-Streifen" zum Meßkircher Schloss. Ein großer Bahnhof erwartete die Wanderer bei der pünktlichen Ankunft im Schlossinnenhof nicht.

Noch beleuchtete nur der Mond die mittelalterliche Klosterstadt Campus Galli.
Noch beleuchtete nur der Mond die mittelalterliche Klosterstadt Campus Galli. | Bild: Sandra Häusler

Für einen kleinen Auflauf sorgten die Kinder, Eltern und Erzieherinnen vom Schlosskindergarten. Sie waren von den freundlichen Eseln vom Esel-und Schafhof in Boll begeistert. Harry Knoll bewirtete mit einem Weißwurstfrühstück, Brezeln, Getränken und Obst und wurde dabei von Leiterin Jennifer Werner von der Tourist-Information unterstützt. Vorbei am Rathaus setzten die Unermüdlichen die Etappe in Richtung Wald fort.