Eigentlich hatte der CDU-Ortsverband am 27. März seine Hauptversammlung geplant. Doch die Veranstaltung wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. So ist Christa Golz noch so lange Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes, bis die Hauptversammlung nachgeholt werden kann. Dann stehen auch die Neuwahlen zum Vorstand auf der Tagesordnung. Die 67-jährige Christa Golz wollte nicht mehr als Kopf der Orts-CDU antreten, der sie 13 Jahre lang war.

2007 trat sie die Nachfolge von Karl-Heinz Kirchmaier an

Im Juli 2007 hatte sie die Nachfolge von Karl-Heinz Kirchmaier angetreten. „Ihn habe ich hoch geschätzt und er war so etwas wie mein parteipolitischer Ziehvater“, sagt Christa Golz. Bereits vor einem Jahr hatte sie angekündigt, dass sie nicht mehr für das Amt kandidieren werde. Und mittlerweile habe sie engagierte und junge Nachfolger, deren Namen sie aber noch nicht verraten möchte. „Die Luft ist hier ein bisschen raus und wenn jemand sich auf die Übernahme freut, dann muss man den Weg frei machen.“

Zu ihrer Forderung nach dem Burkaverbot steht sie immer noch

Zur CDU kam die engagierte Kommunalpolitikerin nicht über die Junge Union, sondern über ihren Vater. Außerhalb von Meßkirch war sie im Kreisvorstand der Partei tätig, sonst konzentrierte sie sich auf die Zimmernstadt. Dennoch wurde sie landesweit bekannt, als sie 2016 Innenminister Thomas Strobl aufforderte, ein Burkaverbot in Baden-Württemberg zu erlassen. Im Nachhinein sieht sie diese Forderung als einen der Höhepunkte ihrer politischen Arbeit. Sie kam ins Radio und erhielt große Zustimmung durch Mails und Anrufe, wie sie erzählt. Und wie steht sie heute dazu? „Ich habe noch die gleiche Ansicht und finde immer noch, die totale Verschleierung gehört verboten. Meine Beweggründe kamen durch eine Begegnung im Kindergarten und das hat mich auf die Palme gebracht.“

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Schlechte Wahlergebnisse für CDU sind für sie nicht nachvollziehbar

15 Jahre vertrat Christa Golz die CDU im Stadtrat und war fünf Jahre Fraktionsvorsitzende. Bei der Wahl 2019 trat sie nicht mehr an. Was waren ihre Beweggründe? „Meine Bedingung fürs Aufhören war, dass unsere CDU-Liste voll ist. Ich habe es kommen sehen, dass es nicht einfach wird mit der neuen Fraktionsvielfalt, Entscheidungen zugunsten der Stadt zu treffen.“ Und die Wahlergebnisse für die CDU sind für sie noch immer nicht nachvollziehbar. Doch das schlechte Abschneiden habe nicht nur die Meßkircher CDU getroffen. Die Parteifreunde hätten überall Federn lassen müssen. Es habe ihr auch weh getan mitzuerleben, wie engagierte Räte durch wesentlich weniger Stimmen abgestraft wurden.

Kommunalpolitik interessiert sie noch, aber „ich kann jetzt meine Nerven schonen“

Hat sie die Kommunalpolitik nun vollkommen abgehakt? Gar nicht. Sie verfolgt das Geschehen im Rat mit Interesse und wundere sich öfter über Entscheidung. Aber sie könne jetzt ihre Nerven schonen. Gern erinnert sie sich an kleine Freuden, wie ihre Vorschläge für die Bürgermedaillen. „Da muss ich besonders Wiltrudis Bechberger erwähnen“, sagt Golz. Die ehemalige Lehrerin danke ihr noch heute dafür. Für die Pädagogin sei die Verleihung der Medaille ihr Lebenshöhepunkt gewesen. Und wie ist es mit Entscheidungen, die sie im Gremium getroffen hat? Würde sie da heute vielleicht anders abstimmen? „Gar nicht“, sagt sie überzeugt.

Narrenmutter Christa Golz überreichte den Verdienstorden der Katzenzunft an den Heudorfer Ortsvorsteher Ernst Muffler (links). Rechts im Bild Manne Haug.
Narrenmutter Christa Golz überreichte den Verdienstorden der Katzenzunft an den Heudorfer Ortsvorsteher Ernst Muffler (links). Rechts im Bild Manne Haug. | Bild: Ulrich Marx

Aktiv in der Fasnet und bei der katholischen Frauengemeinschaft

Sie war aber nicht nur parteipolitisch engagiert. Auch die Fasnet hatte es ihr angetan. Manne Haug hatte sie durch ihr politisches Engagement und ihre Aktivitäten bei der Katholischen Frauengemeinschaft entdeckt und schlug sie für 2006/2007 als Narrenmutter vor. „Das war wirklich eine ganz große Ehre für mich und eine tolle Sache, die viel Spaß gemacht hat.“ Bis vor etwa fünf Jahren war sie noch im Vorstandsteam der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland für Veranstaltungen zuständig. Jetzt finden alle vier Wochen Kaffeenachmittage mit Programm im Herz-Jesu-Heim statt, wo Christa Golz dabei ist.

Hochachtung für Pflegende und Menschen, die sich um Ältere kümmern

Weil ihre Eltern beide im Alter von 59 Jahren verstarben, musste Christa Golz nie als pflegende Angehörige eintreten. Aber sie habe eine große Hochachtung vor den Menschen, die das tun oder sich sonst um Ältere kümmern. Soziales Engagement hält sie für wichtig. „Man bekommt viel zurück, und seien es nur kleine Gesten, die freuen einen mehr als alles andere.“

„Vereine sind sehr wichtig, gerade wenn man älter ist“

Christa Golz spielt nicht nur selbst begeistert Tennis, sondern ist auch im Vorstand des Tennisclubs Meßkirch aktiv. Vereine seien sehr wichtig, gerade wenn man älter ist: „Da haben wir auf dem Land große Vorteile gegenüber den Großstädten. Man ist nie allein.“ Schade findet sie, dass sich noch sehr wenige Migranten den Vereinen anschließen.

Coronavirus unterbindet derzeit Kontakt zu den Enkeln

Derzeit bestimmt das Coronavirus ihren Tagesablauf. „Mit den Enkeln was machen, das geht leider nicht“, bedauert Oma Golz. Wie wird Corona die Welt verändern? Sie kann sich vorstellen, dass die Menschen ihre Denkweise zu Reisen, Geld und dem sozialen Miteinander ändern. Und die Globalisierung zeige sich jetzt von einer negativen Seite. Corona erfordere Solidarität. Die könne man in Meßkirch deutlich spüren. „Corona ist schlimm. Vor allem auch für die Großeltern, die jetzt Abstand zu ihren Enkeln halten müssen. Das tut weh und verursacht so manches Tränchen. Aber Telefon und Skypen gleichen manches aus. Vielleicht gibt es auch Anlass, über vieles nachzudenken, was überflüssig war und ist“, sagt die überzeugte Katholikin. „Die Devise meines Vaters war, dass man auch mal zufrieden sein muss.“

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Und wer wird CDU-Bundesvorsitzender?

Darüber hinaus hält sie es mit Udo Jürgens, den sie bei mindestens zehn Live-Konzerten erlebt hat: „Und immer wieder geht die Sonne auf“ sei ein Lied, das sich immer wieder bewahrheite. Und wer wird auf Bundesebene CDU-Vorsitzender? „Mein Favorit ist Friedrich Merz. Aber man muss zugeben, dass Markus Söder derzeit seine Sache echt gut macht.“ Doch derzeit gebe es wichtigere Themen als die Führungsposition der CDU.

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