„Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“ lautet ein bekanntes Zitat und Lied von Matthias Claudius. Wenn die Stadtkapelle und die Jugendkapelle Meßkirch am Sonntag, 1. Dezember, um 18 Uhr in der Stadthalle Meßkirch von „Zsombors Reisen“ erzählen, tun sie dies vor allem musikalisch spannend und hochkarätig. Wie Holger Schank auf den Konzerttitel gekommen ist, kann Dirigent Zsombor Rethy nicht erklären.

Der 40-jährige Familienvater mit ungarischen Wurzeln vermutet, dass es damit zusammenhängt, dass er seit Jahren jede Woche zwischen Deutschland und Ungarn unterwegs ist, um das Wochenende mit seiner Familie zu verbringen, und dabei wöchentlich rund 2000 Kilometer zurücklegt.

„Nur schöne Stücke“, hat Zsombor Rethy für die Stadtkapelle ausgewählt, verrät er beim Probenwochenende der Stadtkapelle im Probelokal. Stücke, die das Publikum unterhalten, an denen die Musikanten Spaß haben und mit denen sich die Kapelle musikalisch weiterentwickelt, erläutert er. Das Konzertprogramm spannt einen weiten Bogen vom rockigen „Highway to hell“ von AC/DC, Bearbeitungen der „West Side Story“ für symphonisches Blasorchester, Swing und Bigbandsound mit Klassikern von Frank Sinatra. Beim Probenwochenende arbeitete der Dirigent intensiv mit den Musikern am Klang und der Dynamik der Konzerttitel. Damit das Saxofonsolo in „My way“ zur Geltung kommt, schraubte der Dirigent an der Lautstärke der Begleitung und widmete sich danach der Interpunktion, bis die Punktierungen und Triolen exakt passten und Rethy dies mit einem „Jawohl, danke“-Ruf in die Runde belohnte. Danach widmete er sich der Dynamik im Finale des Stücks. So wie eine Reise auch einen Beginn, eine Rückkehr und Abschied beinhaltet, steht dieses Jahreskonzert auch unter diesen Abschnitten.

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Die dreizehnjährige Klarinettistin Lena Rauser freut sich sehr auf ihr Debüt in der Stadtkapelle. Nach sieben Jahren studienbedingter Pause in der Stadtkapelle kehrte die Altsaxofonistin Alexandra Kuhnle zurück und sagt: „Es hat etwas gefehlt.“ Für Günther Groß, der zehn Jahre Vorsitzender der Stadtkapelle war, ist das Jahreskonzert auch sein Abschiedskonzert. Er blickt diesem Abend mit einem weinenden und lachenden Auge entgegen.

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Den ersten Teil des Konzertes bestreitet die Jugendkapelle Meßkirch, die aus rund 30 Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren aus Meßkirch, Heudorf, Rohrdorf und Menningen besteht. Die gemeinsame Jugendkapelle wird seit einigen Jahren von Zsombor Rethy geleitet. Für das Konzertprogramm der Jugendkapelle hat er mehrere Stücke ausgewählt, welche die Jugendlichen im kommenden Jahr weiterhin bei Auftritten spielen können. Dazu zählen bekannte Melodien und Filmmusik, die „sie richtig gerne spielen“, so Rethy. In der Jugendkapelle spielen derzeit viele neue Jungmusikanten mit. Auch zwei Stücke symphonischer Blasmusik wird die Jugendkapelle präsentieren.

Anfang, Rückkehr und Abschied: „Es sind einfach tolle Leute!“

  • Lena Rauser, 13 Jahre, Schülerin am Martin-Heidegger-Gymnasium, Klarinette, spielt ihr erstes Konzert in der Stadtkapelle: „Seit der dritten Klasse spiele ich Klarinette. Mein Instrument hört sich voll cool an und es macht auch Spaß. Wir sind neun Klarinetten im Register. Ich spiele seit drei Jahren in der Jugendkapelle Meßkirch. Davor habe ich schon im Ensemble musiziert. Beim diesjährigen Jahreskonzert spiele ich in der Jugendkapelle sowie erstmals in der Stadtkapelle mit. Ich finde den Titel ‚Zsombors Reisen‘ originell und freue mich schon sehr auf mein erstes Stadtkapellenkonzert. Die Proben für beide Kapellen beanspruchen viel Zeit, sind aber neben der Schule machbar. Mein Lieblingskonzertstück ist ‚Atlantis‚. Besonders gefällt mir, dass Atlantis geheimnisvoll klingt und sich dabei langsame und schnelle Tempi abwechseln.“
Lena Rauser, 13 Jahre, spielt Klarinette.
Lena Rauser, 13 Jahre, spielt Klarinette. | Bild: Sandra Häusler
  • Alexandra Kuhnle, 32 Jahre, Ingenieurin, Altsaxofon, hat das musizieren in der Stadtkapelle gefehlt: „Ich habe 1997 mit dem Unterricht begonnen. Ursprünglich wollte ich Horn spielen, aber vom ersten Ton an, den ich in ein Altsaxofon geblasen habe, wusste ich: ‚Das ist es!‘ Ich bin dann in die Jugendkapelle Meßkirch und später in die Stadtkapelle Meßkirch. Aufgrund meines Studiums bin ich aus Meßkirch weggezogen, und habe dort in anderen Kapellen gespielt. Als ich im Juni 2019 wieder nach Meßkirch zurückgezogen bin, stieg ich nach sieben Jahren Pause wieder in die Stadtkapelle ein. Es hat etwas gefehlt! Das Medley ‚Frank Sinatra Classics‘ ist mein Lieblingskonzertstück, weil die Saxofone darin sehr präsent sind. Es beinhaltet zwei Solopassagen für Altsaxofon. Die Stadtkapelle zeichnet sich durch eine gute Gemeinschaft aus. Es sind einfach tolle Leute!“
Alexandra Kuhnle, 32 Jahre, spielt Altsaxofon.
Alexandra Kuhnle, 32 Jahre, spielt Altsaxofon. | Bild: Sandra Häusler
  • Günther Groß, 65 Jahre, Rentner, Schlagzeug und Percussion, wird aufhören: „1965 war ich nach der Gründung der Knabenkapelle unter Engelbert Glocker und Bürgermeister Siegfried Schühle einer der Ersten. Ich habe ‚kleine Trommel‘ gelernt. Dann wurde die große Trommel frei und die ist mir bis zum heutigen Tag geblieben. Im Laufe der Jahre hat sich das Schlagzeugregister sehr gewandelt. Es kamen immer mehr Instrumente hinzu, weil von der Rhythmik mehr verlangt wurde. Ich schaue meinem letzten Konzert relativ gelassen entgegen und gehe mit einem lachenden und weinenden Auge. Die Zeit in der Stadtkapelle hat mich geprägt. In mir gestellte Aufgaben bin ich hinein gewachsen und war zehn Jahre lang Vorsitzender. Meinen Konzertfavoriten, die ‚Selections from West Side Story‚ habe ich gesponsert und nehme damit meinen Abschied.“
Günther Groß, 65 Jahre, Schlagzeug und Percussion.
Günther Groß, 65 Jahre, Schlagzeug und Percussion. | Bild: Sandra Häusler