Auf solche Lehrlinge wartet das Handwerk. Am Wochenanfang wurde der 21 Jahre alte Auszubildende Simon Pröls, der beim Meßkircher Installationsbetrieb Nabenhauer arbeitet, als Lehrling des Monats von der Handwerkskammer in Reutlingen ausgezeichnet. Kammerpräsident Harald Herrmann bezeichnete in seiner Laudatio den jungen Mann als Vorbild. Zusätzlich zu der Urkunde erhielt Simon Pröls ein Geldgeschenk der Handwerkskammer. Er ist gegenwärtig im dritten Lehrjahr als Anlagenbauer Sanitär, Heizung, Klima (SHK).

Dritter Lehrling aus dem Kreis dieses Jahr

Die Auszeichnung Lehrling des Monats ist im Dezember 2014 im Bereich der Handwerkskammer Reutlingen eingeführt worden. Simon Pröls ist in diesem Jahr der dritte Lehrling aus dem Kreis Sigmaringen, der diese Auszeichnung erhält. Dazu erklärte Harald Herrmann: „Die Betriebe machen einen Vorschlag, wir in Reutlingen recherchieren und entscheiden.“

Auch Engagement außerhalb des Berufs zählt

Vorgeschlagen werden können Lehrlinge wegen besonders guter Leistungen in der Berufsschule, im Betrieb oder in der überbetrieblichen Ausbildung. Weitere Faktoren sind Lernbereitschaft, Zuverlässigkeit, Kundenorientierung, Teamfähigkeit und Belastbarkeit. Außerdem kann auch über die Ausbildung hinausgehende ehrenamtliche Tätigkeit gewürdigt werden. Damit solle nicht nur die Leistung des Einzelnen belohnt werden, erklärt Herrmann. Die Preisträger und ihre Ausbildungsfirmen seien auch Werbeträger für eine handwerkliche Ausbildung.

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Simon Pröls erfüllt diese Anforderungen in mehrfacher Hinsicht. Sein Ausbilder und Betriebsinhaber Manuel Nabenhauer bescheinigte: „Er ist ein klasse Azubi. Er ist zuverlässig und denkt bei der Arbeit mit. In seinen Zeugnissen gibt es nur Einser.“ Außerdem ist die Nachwuchskraft künstlerisch und sportlich aktiv. Simon Pröls spielt Cello und Schlagzeug, lernt aktuell E-Bass und geht regelmäßig mit einem Fußballteam auf Torjagd.

Azubi nutzt das Biberacher Modell

Dennoch wird Pröls der Firma Nabenhauer in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen. Das hängt mit der besonderen Situation des angehenden Anlagenbauers zusammen. Die handwerkliche Ausbildung ist für ihn nur ein Standbein. Über das Biberacher Modell hört der Auszubildende mit Abitur schon wöchentlich Fachvorlesungen. Nach der Gesellenprüfung beginnt für ihn in Biberach das Studium als Energie-Ingenieur. Nach dem dreijährigen Studium will er in die elterliche Firma im fränkischen Kreis Bamberg zurückkehren.

Nach dem Studium zurück in den elterlichen Betrieb

Simon Pröls erzählt: „Das ist ebenfalls ein SHK-Betrieb in etwa in der Größe von Nabenhauer. Das Umfeld meiner Heimatgemeinde Schlüsselfeld entspricht in seiner ländlichen Struktur der Region um Meßkirch.“ Dort will er die Firmenleitung übernehmen. Wie Nabenhauer in Meßkirch ist Pröls in Schlüsselfeld ein traditionsreiches Familienunternehmen, bereits seit Generationen am Ort ansässig. Der heutige „Lehrling des Monats“ hat schon als kleiner Junge im elterlichen Betrieb mitgeholfen. Zu seiner Motivation bemerkt der Franke: „Die grenzenlose Heizungstechnik fasziniert mich.“

Harald Herrmann (rechts) übergab die Urkunde an Simon Pröls, verbunden mit einem Geldgeschenk. Manuel Nabenhauer (links) freute sich für seinen Auszubildenden.
Harald Herrmann (rechts) übergab die Urkunde an Simon Pröls, verbunden mit einem Geldgeschenk. Manuel Nabenhauer (links) freute sich für seinen Auszubildenden. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Wie kommt ein junger Mann von Nordbayern ganz in den Süden in den Kreis Sigmaringen? Für den Franken kam eine Ausbildung im heimischen Familienbetrieb nicht in Frage. Er wollte ganz normal ausgebildet werden und nicht „als Sohn vom Chef“ gelten. Manuel Nabenhauer berichtet: „Einige Betriebe, zu denen auch wir gehören, haben sich zu einem Arbeitskreis SHK-aktiv zusammengeschlossen. Über diese Gruppe kam der Kontakt zur Firma Pröls zustande.“ Manuel Nabenhauer hatte keine Berührungsängste, die Entscheidung für Pröls hat der Meßkircher bis heute nicht bereut. Er sieht auch im Biberacher Modell, das eine Verknüpfung zwischen handwerklicher Ausbildung und Studium beinhaltet, einen der Gründe dafür, dass sich Simon Pröls für seinen Betrieb entschieden habe.

Bei Nabenhauer sind derzeit 36 Fachkräfte beschäftigt, darunter sieben Auszubildende. Ab September kommen drei neue Berufsanfänger ins Team.

„Auch Engagement und Sozialkompetenz zählen“

Harald Herrmann ist Präsident der Handwerkskammer Reutlingen.
Harald Herrmann ist Präsident der Handwerkskammer Reutlingen. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Harald Herrmann, Präsident der Handwerkskammer in Reutlingen, gibt Auskunft zur Situation der Ausbildung in seinem Zuständigkeitsbereich.

Wie viele Handwerksbetriebe und wie viele Auszubildende gibt in Ihrem Kammerbereich?

In unserem Bereich gibt es über 13 600 Betriebe, in denen rund 5000 Nachwuchskräfte ausgebildet werden.

Simon Pröls hat Abitur. Haben Haupt- und Realschüler überhaupt noch Chancen im Handwerk?

Unbedingt. Wir brauchen die Haupt- und Realschüler. Schulnoten sind wichtig. Es zählen ebenso Sozialkompetenz und Engagement. Ein Abitur sagt nichts darüber aus, ob jemand für eine Ausbildung im Handwerksbereich geeignet ist.

Machen sich die Migranten unter den Lehrlingen bemerkbar?

In der Region haben 6,8 Prozent der Auszubildenden einen Migrationshintergrund. Das Hauptproblem für die Beteiligten sind mangelnde Sprachkenntnisse.